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Das weiterentwickelte Forstliche Gutachten in Baden-Württemberg

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19.02.2009



Eine Grundlage zur dreijährigen Rehwild-Abschussplanung 2010-2012

Seit 1983 wird das in § 27 Abs. 3 Landesjagdgesetz verankerte Forstliche Gutachten in Baden-Württemberg als eine Grundlage zur behördlichen Rehwildabschussplanung erhoben. Darüber hinaus wird es auch in den Revieren erhoben, die am Modellprojekt "Rehwildbewirtschaftung ohne behördlichen Abschussplan" (RobA) teilnehmen. Turnusgemäß steht in diesem Frühjahr die Erstellung des Forstlichen Gutachtens durch die zuständigen unteren Forstbehörden (UFB) für den Rehwildabschussplan 2010-2012 an. Im Auftrag des Ministeriums für Ernährung und Ländlichen Raum (MLR) wurde das Verfahren zum Forstlichen Gutachten weiterentwickelt. Die wesentlichen Neuerungen werden im Folgenden vorgestellt.

Ziel


Beim Forstlichen Gutachten geht es nicht um die Bewertung eines monetären Wildschadens im Sinne eines Wildschadenersatzverfahrens, sondern vielmehr um eine Bewertung der Höhe und der Entwicklungstendenz der bestehenden Verbissbelastung im Hinblick auf die Gefährdung waldbaulicher Verjüngungsziele.


Abb. 1: Auch wenn nach dem weiterentwickelten Forstlichen Gutachten künftig nicht jeder Verbiss automatisch mit einem forstwirtschaftlich relevanten Schaden gleichzusetzen ist, sollte ein derart starker Verbiss an der Fichte die Ausnahme sein. (Foto: Erich Marek)

Abb. 1: Auch wenn nach dem weiterentwickelten Forstlichen Gutachten künftig nicht jeder Verbiss automatisch mit einem forstwirtschaftlich relevanten Schaden gleichzusetzen ist, sollte ein derart starker Verbiss an der Fichte die Ausnahme sein. (Foto: Erich Marek)


Durch das Forstliche Gutachten sollen die Belange der Forstwirtschaft in den Abschussplanungsprozess eingebracht werden. Das Forstliche Gutachten liefert dem Vertreter der Grundeigentümer (Verpächter), dem Jagdausübungsberechtigten sowie dem Kreisjagdamt somit eine wichtige Entscheidungshilfe bei der Aufstellung bzw. Bestätigung/ Festsetzung des Abschussplanes für den konkreten Jagdbezirk/-bogen. Für die Beteiligten bietet das Gutachten darüber hinaus die Chance, in einen problem- und lösungsorientierten Dialogprozess einzutreten und idealerweise bevor es zu einem waldbaulichen, bzw. monetären Schaden im Jagdrevier kommt, zu erkennen, ob, wo und wie intensiv gehandelt werden muss.

Ausgangssituation


In Baden Württemberg ist das Forstliche Gutachten ausdrücklich als ein jagdrevierbezogenes, subjektives Schätzverfahren konzipiert. Es ist auf eine leichte Handhabbarkeit vor Ort, Transparenz, geringen Zeit- und Kostenaufwand sowie rasche Verfügbarkeit der Ergebnisse ausgelegt. Wichtigster Erhebungsparameter ist bisher die dreistufige Einschätzung der Verbissbelastung sowie deren Entwicklungstendenz seit dem letzten Gutachten. Der Erfolg des Verfahrens basiert im Wesentlichen auf den jagdrevierbezogenen Aussagen und dem darauf aufbauenden Dialog zwischen Gutachter, Jagdausübungsberechtigten und Verpächter. Dennoch gab es Verbesserungsvorschläge zum bisher angewandten Verfahren. Im Kern ging es hierbei um die fehlende waldbauliche Beurteilung der Verbisssituation sowie um die Optimierung der Kommunikation der waldbaulichen Zielsetzungen und Ergebnisse des Forstlichen Gutachtens mit dem Jagdausübungsberechtigten und Verpächter. Darüber hinaus wurde eine stärkere Berücksichtigung der oft sehr unterschiedlichen Verhältnisse zwischen den einzelnen Revierteilen für notwendig erachtet. Zudem wurde häufig die zahlengenaue Empfehlung zur Abschussplanung hinterfragt.

Das bestehende Verfahren wurde von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg im Auftrag des MLR unter breiter Einbindung aller beteiligten Verbände und Vertreter der Jagd- und Forstbehörden überarbeitet. Als Ergebnis steht nun ein Verfahren fest, das unter Beibehaltung des bewährten Prinzips des jagdrevierbezogenen, subjektiven Schätzverfahrens weiterentwickelt, sowie hinsichtlich seiner inhaltlichen Aussagekraft, Akzeptanz und Praxistauglichkeit optimiert wurde.

Wesentliche Neuerungen


Waldbauliche Beurteilung der Verbisssituation:
Die neu hinzugefügte Beurteilung der Erreichbarkeit waldbaulicher Verjüngungsziele für die im Jagdrevier vorkommenden Baumarten ist wichtig, da die ermittelten Verbissstufen allein betrachtet nur bedingt etwas über deren waldbauliche Relevanz, bzw. über waldbauliche Schäden aussagen. Schließlich ist es durchaus möglich, dass bei der jeweiligen Baumart trotz mittlerer oder hoher Verbissbelastung die waldbaulichen Verjüngungsziele im Revier nicht oder nur lokal gefährdet sind. Die Einschätzung erfolgt daher künftig in den drei Stufen:
o Erreichung flächig ohne Schutzmaßnahmen möglich
o Erreichung lokal nicht oder nur mit Schutzmaßnahmen möglich
o Erreichung flächig nicht oder nur mit Schutzmaßnahmen möglich

Benennung konkreter Waldorte:
Ist die Erreichung waldbaulicher Verjüngungsziele für eine oder mehrere Baumarten lokal, flächig oder nur mit Schutzmaßnahmen möglich, so sollen künftig konkrete Waldorte benannt werden, in denen die Verjüngung durch Verbiss gefährdet ist.

Verbale Abschussempfehlung anstelle absoluter Abschusszahlen:
Im neuen Verfahren werden keine absoluten Abschusszahlen mehr benannt. Konkrete Abschusszahlen allein haben sich im bisherigen Verfahren als nicht sinnvoll erwiesen, da sie keinen Bezug zu Problemflächen herstellen und dem Gutachter darüber hinaus der tatsächliche Abschussvollzug zum Zeitpunkt der Erhebung nicht bekannt ist. Der Vorschlag des Gutachters zum Abschuss erfolgt künftig nur noch in Form einer verbalen Empfehlung in den vier Stufen "senken", "belassen", "moderat erhöhen" oder "deutlich erhöhen".

Stichprobenhafte Kontrollerhebung der Gutachten:
Um die Qualität der erhobenen Daten abzusichern und ein einheitliches Vorgehen zu gewährleisten, werden zeitnah zur Außenerhebung 3-5 % der begutachteten Jagdreviere einer stichprobenhaften Kontrollerhebung durch einen Zweitgutachter der unteren Forstbehörde (UFB) unterzogen.

Intensivierung des Dialogs:
In den Jagdrevieren, in denen waldbauliche Verjüngungsziele gefährdet sind, soll dem Jagdausübungsberechtigten und Verpächter durch die UFB ein aktives Angebot für einen Begang unterbreitet werden.

Insgesamt ist eine deutlich zeitliche Straffung des Verfahrens zwischen Außenerhebung, Erfassung, Auswertung und Veröffentlichung der Ergebnisse vorgesehen.

Verfahrensablauf


Das Verfahren lässt sich in folgende Abschnitte aufteilen (siehe Abb. 2):

o Erhebung des Forstlichen Gutachtens
o Kontrollerhebung
o Versand der Gutachten an den Jagdausübungsberechtigten und Verpächter
o Durchführung des Begangs (wenn erforderlich/ gewünscht)
o Stellungnahme des Jagdausübungsberechtigten und Verpächters (sofern gewünscht und nicht schon durch Begang erledigt)
o Versand der Forstlichen Gutachten an das Kreisjagdamt
o Auswertung und Veröffentlichung der Ergebnisse (noch in 2009)


Abb. 2: Verfahrensablauf zum weiterentwickelten Forstlichen Gutachten

Abb. 2: Verfahrensablauf zum weiterentwickelten Forstlichen Gutachten


Die Durchführung der Schritte "Außenerhebung", "Kontrollerhebung", "Versand der Gutachten" und "Begang" sollte möglichst zeitnah zu einander und rechtzeitig vor dem Vegetationsbeginn/Laubaustrieb erfolgen, damit vergleichbare Verbiss- und Vegetationsverhältnisse gegeben sind.

In diesem Sinne sind alle Jagdausübungsberechtigten und Verpächter aufgerufen, sich aktiv und konstruktiv in diesen Dialog einzubringen.

Bei konkreten Fragen zum Forstlichen Gutachten in Ihrem Jagdbezirk wenden Sie sich bitte direkt an die für Sie zuständige untere Forstbehörde.

Dokumente als pdf-Datei zum Herunterladen


Erhebungsbogen (JF2)
Ausfüllhinweise zum Erhebungsbogen
Protokoll zum Begang

Kontakt


Bei konkreten Fragen zum Forstlichen Gutachten in Ihrem Jagdbezirk wenden Sie sich bitte direkt an die für Sie zuständige untere Forstbehörde:
Adressen der UFBen auf www.wald-online.de

Für Fragen zum weiterentwickelten Verfahren wenden Sie sich bitte an:
Sandra Calabrò
Rudi Suchant

Zur Abteilung Wald und Gesellschaft

Beitrag von FVA