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COMPETING USES OF FOREST LAND (COOL) ? The future of integrative and segregative policy and forest management approaches in Europe

Der rapide Anstieg der Nachfrage nach Biokraftstoffen, u.a. befördert durch verschiedene markt- und ordnungspolitische Maßnahmen, die eine Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen reduzieren und die Folgen des Klimawandels abmildern sollen, führt zu signifikanten Veränderungen der Produktions- und Wettbewerbsbedingungen um Holzressourcen; das wird u.a. durch Szenarien bestätigt, die bereits heute Versorgungslücken bzgl. der verfügbaren Holzbiomasse für Bioenergie prognostizieren. In diesem Kontext stellt sich die Frage, in wieweit politische Steuerungs- und Bewirtschaftungsansätze mit konkurrierenden Nutzungsansprüchen und Entwicklungen vereinbar sind, wie z.B. mit Naturschutzforderungen zur weiteren Ausweisung von Schutzflächen oder den ebenfalls wachsenden Ansprüchen an Sozialleistungen wie z.B. der Erholung in Ballungsräumen. Zusätzlich zu den bestehenden Interessenskonflikten, stellen in Zukunft auch neue umweltrelevante, ökonomische und soziale Veränderungen und Herausforderungen, sowie sich verändernde Formen politischer Steuerung (Partizipation von Stakeholdern) weitere Herausforderungen für die Waldbewirtschaftung in Europa dar. Solche Entwicklungen können letztendlich zu neuen beziehungsweise verstärkten Stakeholder-Konflikten führen, in deren Zentrum die Waldbesitzer stehen, die die verschiedenen Ökosystemleistungen bereitstellen sollen. Auf der anderen Seite sagen alternative Prognosen auch neue Möglichkeiten für eine Intensivierung der Holzproduktion voraus, insbesondere im ländlichen Raum.
Die nachhaltige Waldbewirtschaftung (sustainable forest management, SFM) wird heute als gemeinsame Grundlage der Waldpolitik und Waldbewirtschaftung in Europa anerkannt. Bezüglich der Umsetzung des relativ unspezifischen Konzeptes bestehen jedoch weiterhin Dissens – insbesondere im Hinblick auf das Verhältnis zwischen Akteuren, die unterschiedlicher Auffassung bez. Art und Umfang der Waldnutzung für die Holzproduktion bzw. der Priorisierung von Waldnaturschutzleistungen haben. Aufgrund der länderspezifischen historischer Ausgangslage und anderer Aspekte, wie z.B. Waldbesitzstrukturen, verfolgen einige Länder einen eher segregativen Ansatz, der produktionsorientierte und zu schützende Waldflächen mehr oder weniger strikt von einander trennt; andere Länder indessen verfolgen einen eher integrativen Ansatz, indem eine Balance zwischen ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten auf der gesamten Waldfläche angestrebt wird. Zudem bestehen auch intermediäre Ansätze, die zwischen diesen beiden Extremen angesiedelt sind.
Ziel des Projekts ist eine vergleichende Analyse der verschiedenen Waldbewirtschaftung und politischen Steuerungsansätzen in sechs ausgewählten Europäischen Ländern (Finnland, Norwegen, Deutschland, Slowenien, Spanien und Türkei). Von besonderem Interesse ist, wie verschiedene Waldbesitzer (Angebotsseite) die unterschiedlichen Bedürfnisse und Erwartungen der Holzindustrie und der Gesellschaft berücksichtigen, welche Zusammenhänge diesbezüglich mit existierenden und potentiellen Konflikten hinsichtlich der Waldnutzung bestehen und welche Ansätze zur politischen Steuerung auf verschiedenen Ebenen implementiert werden, um auf die Bereitstellung verschiedener Ökosystemleistungen wie z.B. die Produktion von Biomasse als Energieholz Einfluss zu nehmen. Weiterhin wird untersucht, inwieweit die Umsetzungen auf der einen Seite die allgemein anerkannten Anforderungen der SFM sowie auf der anderen Seite die verschiedenen Ansprüche unterschiedlicher Stakeholder wie z.B. kleine und mittelständische Unternehmen, NGO und der zivilen Bevölkerung erfüllen. In diesem Zusammenhang und basierend auf dem historischen Hintergrund und anderen nationalen Verhältnissen, welche die aktuellen Strategien geprägt haben, werden Verständnisse und Wahrnehmungen sowie wesentliche gegenwärtige Trends und Konflikte analysiert, um auf dieser Basis Ansätze für an politische Entscheidungsträger gerichtete Handlungsempfehlungen abzuleiten.

Beginn: 2012 - Ende: 2014
Leitung: Hartard - Abteilung: Wald und Gesellschaft
Beteiligte Abteilungen:   
Arbeitsbereich: Forst- und Umweltpolitikforschung
Forschungsschwerpunkt: Nachhaltigkeit und Multifunktionalität



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