Die Zielsetzung des Landeswaldgesetzes (LWaldG) mit einem klaren „UND“ zwischen Nutz-; Schutz- und Erholungsfunktion muss immer wieder neu konkretisiert werden. Dabei gilt, das Gesamtökosystem Wald einerseits und die unterschiedlichen Bedürfnisse der Nutzer andererseits im Auge zu behalten. Das gesetzliche Maß ist nicht eine Funktion zu maximieren, sondern die Nachhaltigkeit aller Funktionen zu gewährleisten (multifunktionale Forstwirtschaft). Aus forstpolitischer Sicht ist ein Segregationsansatz unerwünscht und nur als ultima ratio im Einzelfall anzustreben.
Die Reduktion der Personal- sowie Sachressourcen gehen einher mit der gleichzeitigen Vergrößerung der zu betreuenden Flächen (Verbesserung des Betriebseinkommen, Haushaltslage der öffentlichen Hand, Verwaltungsreform, Effizienzrendite, Budgetierung der Betriebsmittel u.a.) sowie einer Erhöhung der Qualitätsstandards im Bereich Naturschutz, Erholung und den sonstigen Nutz- und Schutzfunktionen des Waldes. Das Streben der Waldbesitzer nach höheren Deckungsbeiträgen unter gleichzeitiger Bereitstellung von immer differenzierteren Infrastrukturleistungen (Schutz-, Naturschutz und Erholungsfunktionen), kurz multifunktionale Forstwirtschaft, stellen die mitteleuropäische Forstwirtschaft vor große ökonomische Herausforderungen. Neben dem Gesichtspunkt, möglichst viele Leistungen des Waldes als Produkte am Markt anzubieten und somit die Einnahmenseite zu stärken, gilt es hierbei die Ausgabenreduktion im Auge zu behalten. Das bedeutet konkret, die forstlichen Betriebsabläufe unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen Wechselwirkungen weiter zu optimieren, unter Wahrung einer Gesamtnachhaltigkeit aller Waldfunktionen.
Ziel des Projektes ist es Rahmenwerte und Grenzwerte im Sinne einer Gesamtnachhaltigkeit primär erstmal für eine Pflege von Erholungs- und Schutzfunktionen zu eruieren, die Wechselwirkungen zu berücksichtigen und daraus Handlungsalternativen zu entwicklen. Die bisherige meist von der Praxis präferierte Vorgehensweise, die monodimensional auf einer Bewertung der monetären Dimension beruht, wird durch die Definition von Handlungsfeldern in allen Dimensionen erweitert und damit die Bedeutung aller Waldfunktionen unterstrichen. Durch die Definition von Handlungsalternativen für jede Waldfunktion, die sich im gesamten „Nachhaltigkeitsdreieck“ zwischen Ökonomie, Ökologie und Soziales verteilen, baut das Projekt weiterhin auf der Grundannahme auf, dass eine Totalsegregation von Waldfunktionen unter den hiesigen Bedingungen nur im Einzelfall eine Lösung darstellt aber für die überwiegende Waldfläche weder sinnvoll noch umsetzbar erscheint. Gleichwohl bleibt festzuhalten, dass durch die einzelnen Handlungsalternativen auf der Einzelfläche funktionale Schwerpunkte herausgearbeitet werden. Diese Handlungsalternativen werden auf der operativen Ebene bereits heute faktisch aber intuitiv gesetzt. Mit dem Projekt soll die Entscheidungsfindung transparenter, nachvollziehbarer und operationaler werden.
Dabei sind kreative und adaptive Betriebsführungen notwendig. Diese müssen ökonomische Spielräume bei der Formulierung von Waldbaustrategien erkennen, hinsichtlich Risiko- und Qualitätserwartung, Minimierung von Investitionen bei der Bestandesbegründung und allgemein bestmöglicher biologischer Automation (naturnahe Pflege) bei Verjüngung, Pflege und Ernte, und im operationalen täglichen Geschäft umsetzten. Dabei spielt die Frage eine entscheidende Rolle, mit welchen Handlungsstrategien auf welchen Flächen die nachhaltige Erfüllung der gesetzlichen Aufgaben möglichst optimal erreicht werden kann.
Folgende Teilschritte sind vorläufig vorgesehen.
1. Im ersten Schritt fußt das Projekt auf eine Literaturrecherche, mit dem Ziel die bereits vorhandenen Grundlagen aufzubereiten, ihre Analogiemöglichkeiten für das Land Baden-Württemberg zu prüfen und die auftretenden Zielkonflikte zu analysieren.
2. Die Waldfunktionen sind GIS-fähig abzubilden sowie mit den Daten der BWI und BI zu verschneiden.
3. Innerhalb von Baden-Württemberg sollen Testgebiete eruiert werden, die den Gradienten von Verdichtungsraum bis zum ländlichen Raum und somit alle Waldfunktionen abbilden. Dabei soll überprüft werden, welche Datengrundlagen (z.B. Grad der Voruntersuchungen mit Life-Projekten, Natura 2000 Gebieten mit Managementplänen, Verdichtungsraum mit gesetzlichen Erholungswäldern, aktuellen Forsteinrichtungswerken, GIS-Fähigkeit der Daten, u.a. ) vorhanden sind.
4. In diesen Testgebieten wird dann der Ist-Zustand aller Waldfunktionen erhoben. Dieser wird mit den nationalen und internationalen Standards verglichen. Darauf aufbauend kann der Sollzustand abgeleitet werden und die daraus resultierenden notwendigen Maßnahmen zum Erreichen des Sollzustandes.
5. Durch die Definition von Handlungsalternativen und die Auslotung des Mindeststandards für jede Waldfunktion soll die Entscheidungsfindung transparenter, nachvollziehbarer und auch operationaler für die betriebliche Ebene werden. Dabei spielt die Frage eine entscheidende Rolle, mit welchen Handlungsstrategien auf welchen Flächen die nachhaltige Erfüllung der gesetzlichen Aufgaben optimal möglich erreicht wird.
6. Die Lösung von Konflikten zwischen ökologischen, ökonomischen und sozialen Zielelementen wird neben den gesetzlichen sowie ordnungsrechtlichen Vorgaben vor allem von den Zielsetzungen des Waldbesitzers abhängig sein. Daher ist ein weiteres Ziel des Projektes, prozessorientierte Entscheidungsunterstützungsmodelle zu entwickeln, die eine kreative und adaptive Betriebsführungen für ein betriebsindividuelles optimales forstliches Handeln ermöglichen. Außerdem können förderungsrelevante Maßnahmen herausgearbeitet werden, um landesweite Entwicklungsmöglichkeiten der Forstwirtschaft durch Förderung besser auszuschöpfen. |