Waldschadensaufnahme auf den Dauerbeobachtungsflächen

Methodik

Das Verfahren der Waldschadensaufnahme beruht auf der Beurteilung des Kronenzustandes als Kriterium für die Vitalität von Waldbäumen. Die Vitalität von Bäumen steht in enger Beziehung zur Dichte und zur Farbe der Belaubung bzw. Benadelung. Ein vitaler, unbedrängter Baum verfügt über eine volle, grüne Belaubung bzw. Benadelung. In der Baumkrone erkennbare Symptome, die auf einen Vitalitätsverlust schließen lassen, sind frühzeitiger Nadel-/ bzw. Blattverlust, Verfärbung von Nadeln und Blättern, Verkürzungen der Jahrestriebe sowie Störungen in der Verzweigungsstruktur.

Bei der Aufnahme werden alle Bäume des herrschenden Bestandes berücksichtigt. Der Nadel-/Blattverlust (NBV) wird in Bezug auf eine vollbelaubte Baumkrone des Erhebungsgebietes (Referenzbaum) in 5%-Stufen eingeschätzt, die zu fünf NBV-Schadstufen zusammengefasst werden. Die Vergilbung wird analog in vier Vergilbungsschadstufen erfasst. Die ermittelten Schadstufen von NBV und Vergilbung werden anschließend zu fünf sogenannten Kombinationsschadstufen zusammengeführt. 

NBV-StufeNBV-Prozent
00% - 10%
111% - 25%
226% - 60%
361% - 99%
4100%

Kombinationsschadstufen

Nadel-/Blatt-
verluststufe

 

Vergilbungsstufe
0123
00012
11122
22233
33333
44444
Vergilbungs-
Stufen
Vergilbungs-
Prozent
00% - 10%
111% - 25%
226% - 60%
3> 60%
Schadstufe: 0ungeschädigt 
Schadstufe: 1schwach geschädigtWarnstufe
Schadstufe: 2mittelstark geschädigtdeutliche 
Schäden
Schadstufe: 3stark geschädigt
Schadstufe: 4abgestorben

Zusätzlich zum NBV und Vergilbung werden im Rahmen einer Differenzialdiagnose alle visuell erkennbaren biotischen und abiotischen Schädigungen aufgenommen und quantifiziert. 

Die Beurteilung des Kronenzustandes ist ein einfaches und nachvollziehbares Schätzverfahren. Es liefert aktuelle Informationen über den Vitalitätszustand von Waldbäumen. Durch die vom Boden aus durchgeführte visuelle Einschätzung der Kronen und den Abgleich mit bundesweit einheitlichen Fotoserien ist eine sichere Kroneneinschätzung mit geringem Aufwand möglich. Somit kann eine zeitnahe Abbildung des Vitalitätszustands der Bestände erfolgen.

Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) unterhält derzeit rund 100 Dauerbeobachtungsflächen der Baumarten Fichte, Tanne, Kiefer, Buche und Eiche. Davon wird jährlich im Rahmen eines flexiblen Aufnahmekonzeptes eine Auswahl von Flächen in die Untersuchung zur Erfassung von Waldschäden miteinbezogen.

Auf den 0,25 ha großen Dauerbeobachtungsflächen (50 x 50 Meter) sind alle Bäume dauerhaft und eindeutig markiert. Es wurden ausschließlich Bestände älter als 60 Jahre ausgewählt. Die Flächen befinden sich auf den wichtigsten Standorten der Hauptverbreitungsgebiete der jeweiligen Baumarten. Ausgefallene Bäume können auf Grund der festen Flächengröße nicht ersetzt werden. 

Zusätzlich zur Kronenansprache werden auf den Dauerbeobachtungsflächen weitere spezielle Aufnahmen zur Untersuchung des Vitalitätszustandes durchgeführt: 

  • Auf gesondert ausgewählten Fichtenflächen wird zu Beginn der Vegetationsperiode zur Erfassung der Phänologie eine Austriebsbonitur durchgeführt, bei der im wöchentlichen Turnus die Entwicklung des Austriebes der Knospen beurteilt wird.
  • Auf den Dauerbeobachtungsflächen der Baumarten Buche und Eiche wird in regelmäßigen Abständen (etwa fünfjähriger Turnus) eine Kronenstrukturansprache im unbelaubten Zustand durchgeführt.
  • Auf den Eichenflächen wird im Frühjahr zur Erfassung der biotischen Schaderreger eine Fraßbonitur durchgeführt.
  • Zur Erfassung der Trockenschäden durch die extreme Witterungssituation wurde auf den Buchen- und Eichenflächen im Jahr 2003 eine Spätsommerbonitur durchgeführt.

Artikel-Datum: 15.06.2004

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