Zwischen großen Sturmkatastrophen liegen Jahre oder Jahrzehnte. Das ist gut so – aber auch ein Nachteil, weil wertvolle Erfahrungen und das notwendige Wissen zur Bewältigung solcher Katastrophen durch Personalwechsel und durch ganz normales „Vergessen“ rasch und unwiderruflich verloren gehen. Dem möchte ein neues Informationssystem im Internet entgegenwirken.
Die
wissenschaftliche Aufarbeitung der Sturmschäden hat gezeigt, dass spezifisches
Wissen zum Thema Sturmschäden eine der wesentlichen Voraussetzungen für ein
effektives Krisenmanagement ist. Als der Sturm "Lothar" übers Land
zog, war dieses Wissen, nur zehn Jahre nach den Stürmen "Vivian" und
"Wiebke", unter den Mitarbeitern in Baden-Württemberg sehr
unterschiedlich verteilt. Dies führte zum Teil zu großer Verunsicherung im
Umgang mit den Folgen des Sturmereignisses. Arbeitshilfen wie Merkblätter und
Informationen zu bestimmten Themen der Sturmschadensbewältigung fehlten
zunächst und wurden erst im Laufe der Aufarbeitung von verschiedenen
Institutionen zusammengestellt (Forstdirektionen, Forschungsanstalten in
Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz). Zudem waren sie nur sektoral vorhanden
und wiesen große Unterschiede hinsichtlich ihrer Aktualität und
Darstellungsweise auf.
Die Analyse der Sturmschadensbewältigung ergab, dass der
"Sturmschadensordner", den die Landesforstverwaltung nach dem Sturm
"Lothar" aufgelegt hatte, von den Mitarbeitern positiv gewürdigt
wurde. Deshalb reifte der Entschluss, ein solches Kompendium proaktiv, also vor
einem Schadeintritt zu erstellen, um damit einen wesentlichen Baustein für die
Überwindung erwartbarer Schadereignisse zu schaffen. Die Mitarbeiter hatten
sich im Nachgang zum Sturm Lothar eindeutig für eine themen- und
ablauforientierte Darstellung entschieden. Unter Aufgabe der bisherigen ressort-
bzw. fachgebietsorientierten Darstellung folgt die Aufarbeitung konsequent
thematischen Gesichtspunkten. Zwar kann ein proaktives Handbuch keinen
Verfügungscharakter haben, es erscheint aber jederzeit leicht möglich, Teile
davon permanent oder im Bedarfsfalle in Kraft zu setzen. Auch können im
Katastrophenfall neue Information und Lösungsvorschläge sehr schnell und
leicht zugänglich angefügt werden.
Erstmalig
wurde ein so großer Themenkomplex von zwei Verwaltungen in einem gemeinsamen
Handbuch aufgearbeitet. Es hat sich entgegen der allgemeinen Föderalismuskritik
gezeigt, dass der überwiegende Teil der Informationen gleichermaßen
Gültigkeit für beide Verwaltungen hat oder als Leitlinie dient, die im
Bedarfsfall länderspezifisch angepasst werden kann. Landesbezogene
Besonderheiten konzentrieren sich überwiegend auf die Bereiche der gesetzlichen
Grundlagen und der zu verwendenden Formulare.
"Sturmschadenbewältigung" ist nicht die erste Zusammenstellung von hilfreichem Wissen zum Thema Sturm. In der nun vorliegenden Handreichung wird die Thematik jedoch deutlich umfassender und umfangreicher bearbeitet. Das System bietet auf umgerechnet rund 400 Druckseiten den derzeit wohl größten Überblick im Bereich Sturm- und Folgeschäden und deren Beseitigung. Die Inhalte wurden dabei in thematischen Workshops mit Praktikern erarbeitet und zur Qualitätssicherung von Spezialisten in beiden Bundesländern auf deren Praxisrelevanz und -tauglichkeit hin überprüft:
Zum ersten Mal wird der Inhalt eines Handbuchs ausschließlich über das Internet angeboten. Auch wenn der forstlich ausgebildete Mitarbeiter der Verwaltung die Hauptzielgruppe der Handreichung darstellt, erkennbar z.B. an der Online-Abrufbarkeit von relevanten verwaltungsspezifischen Formularen, bietet das System auch für den betroffenen Waldbesitzer eine Fülle von Informationen. Mit der Entscheidung, das Handbuch vollständig im Internet zu platzieren, wurde der Schritt zu einer "open source" beschritten. Mit dieser Transparenz gehen die beteiligten Verwaltungen einen beispielhaften Weg, indem Abläufe im Katastrophenfall allgemein zugänglich beschrieben werden.
Alle Inhalte liegen entweder zum direkten Ausdruck oder als pdf-Datei vor. So besteht für den Nutzer jederzeit die Möglichkeit, sich individuelle Sammlungen zu erstellen, die dann wesentlich bedarfsorientierter und handlicher ausfallen können als das Gesamtkompendium. Auf Anfrage sind bei den beteiligten Forschungsanstalten alle Inhalte auf CD zu erhalten. Die CD enthält die Informationen im Regelfall in verschiedenen und teilweise bearbeitbaren Dateiformaten. Dahinter steht das Ziel, im Katastrophenfall auf ein konsistentes und zielorientiertes Handeln hinzuwirken, in dem qualitätsgesicherte Inhalte möglichst hohe Verbreitung finden.
Das vollständige Handbuch findet sich auf den Seiten von Waldwissen.net
unter
http://www.waldwissen.net/themen/naturgefahren/krisenmanagement.