Der Wald in Baden-Württemberg im Jahr 2002 und seine Entwicklung seit 1987 - Die wichtigsten Ergebnisse der zweiten Bundeswaldinventur

Totholzvorräte

Bei der Bundeswaldinventur II wurde erstmalig Totholz, differenziert nach 5 verschiedenen Kategorien erfasst: als: 

  1. liegendes Totholz
  2. stehendes Totholz, ganze Bäume
  3. stehendes Totholz, Bruchstücke
  4. Wurzelstöcke
  5. Abfuhrreste1

Für die verschiedenen Kategorien (Totholzart) gelten unterschiedliche Aufnahmekriterien: liegendes Totholz wird ab einem Mindestdurchmesser von 20 cm am stärkeren Ende erfasst. Für stehendes Totholz (ganze Bäume und Bruchstücke) gilt ein Mindestdurchmesser in 1,3 m Höhe von 20 cm; Bruchstücke müssen daher mindestens 1,3 hoch sein. Wurzelstöcke bis 0,5 m Höhe werden nur aufgenommen, wenn der Querschnittsdurchmesser mindestens 60 cm beträgt; Stöcke über 0,5 m (bis 1,3 m) müssen mindestens 20 cm Schnittflächendurchmesser aufweisen .

Die Auswertung der Totholzvorräte ergibt Werte, die deutlich über den bisherigen Schätzungen liegen: Der durchschnittliche Totholzvorrat je ha für den Gesamtwald in Baden-Württemberg beträgt über alle Totholzkategorien 19,1 m³/ha, während bisherige Schätzungen von Totholzvorräten deutlich unter 10 m³/ha im Wirtschaftswald ausgehen. Eine Abschätzung für Baden-Württemberg nennt beispielsweise auf der Grundlage verschiedener Erhebungen einen mittleren Vorrat von 7,7 m³/ha. Die Schätzungen der Bundeswaldinventur liegen damit gut doppelt so hoch. Um die bei der BWI ermittelten Werte mit den bisherigen Schätzungen aus Betriebsinventuren (Baden-Württemberg) vergleichen zu können, sind daher folgende Differenzierungen vorzunehmen: Vergleichbar sind nur die Kategorien liegendes und stehendes Totholz (ganze Bäume und Bruchstücke); Wurzelstöcke und Abfuhrreste sind bei den bisherigen Totholzinventuren meist nicht erfasst worden. Entscheidend ist jedoch - zumindest für die Verhältnisse in Baden-Württemberg -, dass die Zahlen getrennt nach Waldflächen im Gebiet der Sturmkatastrophe von 1999 (Sturm Lothar) und solchen, die nicht vom Sturm getroffen waren, hergeleitet werden. Bei den BWI-Stichproben ist dies aufgrund einer in Baden-Württemberg durchgeführten Sondererhebung möglich, bei der zusätzlich zur Erfassung der ausgeschiedenen Bäume vermerkt wurde, ob der Sturm 1999 ursächlich war oder nicht. Damit ist es möglich, Stichproben mit Holzanfällen aus Sturm 1999 von solchen ohne Sturmeinfluss zu trennen. Wertet man nun die Totholzvorräte getrennt für diese zwei Teilkollektive aus, ergeben sich für nicht vom Sturm getroffene Flächen Werte in einem mit bisherigen Größenordnungen vergleichbaren Rahmen, z. B. für den Gesamtwald 8,5 m³/ha liegendes (ab 1m) und stehendes Totholz. Auf Sturm-1999-Flächen liegt dieser Wert bei 35,8 m³/ha.

Tab. 1: Totholzvorräte in m³/ha nach Kategorien, Waldeigentumsart, differenziert nach Sturmflächen und nicht vom Sturm 1999 betroffenen Wäldern (Staatswald, Körperschaftswald) (Bezugsfläche: zugänglicher Holzboden)
Staatswald  Körperschaftswald
Totholz-Kategorie  Nicht-
Sturm 
Sturm-
flächen 
Gesamt-
fläche 
Nicht-
Sturm 
Sturm-
flächen 
Gesamt-
fläche
1 Liegendes Totholz ab 1 m Länge 7,93  30,44 12,34 6,96  29,46 10,42
2 Stehendes Totholz, ganze Bäume 0,78  1,44 0,91 0,77 0,92 0,79
3 Stehendes Totholz, Bruchstücke  1,41 6,70 2,45 1,29 6,98 2,16
4 Summe (Z. 1 + 2 + 3) 10,12 38,59 15,69 9,02 37,36 13,38
5 Wurzelstöcke 4,67 13,55 6,41 4,78 10,59 5,67
6 Liegendes Totholz unter 1 m Länge 0,58 2,16 0,89 0,64 1,89 0,83
7 Summe (Z. 5 + 6) 5,25 15,72  7,29 5,42 12,47 6,50
8  Summe (Z. 4 + 7) 15,37 54,30 22,98 14,44 49,84  19,88
 

Tab. 2: Totholzvorräte in m³/ha nach Kategorien, Waldeigentumsart, differenziert nach Sturmflächen und nicht vom Sturm 1999 betroffenen Wäldern (Privatwald, Gesamtwald) (Bezugsfläche: zugänglicher Holzboden)
Privatwald  Geamtwald
Totholz-Kategorie  Nicht-
Sturm 
Sturm-
flächen 
Gesamt-
fläche 
Nicht-
Sturm 
Sturm-
flächen 
Gesamt-
fläche
1 Liegendes Totholz ab 1 m Länge 4,51 22,95 6,43 6,25 28,15 9,43
2 Stehendes Totholz, ganze Bäume 1,60 1,12 1,55 1,13 1,13 1,13
3 Stehendes Totholz, Bruchstücke  0,75 4,63 1,15 1,10 6,49 1,89
4 Summe (Z. 1 + 2 + 3) 6,86 28,70 9,13 8,48 35,78 12,44
5 Wurzelstöcke 4,40 12,64 5,26 4,59 12,06  5,68
6 Liegendes Totholz unter 1 m Länge 0,41 2,25 0,60 0,54 2,08 0,76
7 Summe (Z. 5 + 6) 4,81 14,90  5,85 5,13 14,14  6,44 
8  Summe (Z. 4 + 7) 11,67 43,60 14,99 13,61 49,92 18,88


1Totholz als Abfuhrrest wurde wegen der geringen Bedeutung nicht in die Tabellen aufgenommen: der durchschnittliche Wert liegt im Gesamtwald bei 0,17 m³ / ha (auf Nicht-Sturmflächen: 0,17, auf Sturmflächen 0,20 m³ / ha).

Autoren:

Gerald Kändler, Matthias Schmidt, Johannes Breidenbach
Abt. Biometrie und Informatik

Artikel-Datum: 01.01.2005

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