Borkenkäfer-Monitoring

Aktuelle Flugzahlen des Buchdruckers (Ips typographus) in Baden-Württemberg (Südschwarzwald) im Jahr 2018
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Lage

17.10.2018

Alle Waldbesitzende sind aufgefordert - Raus aus dem Wald mit dem Käferholz


Rückblick

Der Sommer 2018 von April bis August bricht einige Rekorde in Sachen Wärme und Sonnenschein. In der Zeit vom 23. Juli bis 09. August wurden in Baden-Württemberg über 2 Wochen täglich Temperaturen über 30°C gemessen. In Teilen des Landes wurden sogar 18 heiße Tage (>=30°C) in Folge registriert, was eine außergewöhnlich lange Hitzewelle darstellt. Im Zeitraum von April bis August gab es in Deutschland ein sehr hohes Niederschlagsdefizit (-150 mm, -40,6% der vieljährigen Gebietsmittel). Ähnlich trocken war es 1976, nur im Jahre 1911 war es von April bis August mit einem Defizit von 160 mm trockener (DWD, Stand 06.09.2018).
Durch die überdurchschnittlich hohen Lufttemperaturen seit April 2018 war der Wasserbedarf der Pflanzen in diesem Jahr besonders hoch. Bei den gleichzeitig deutlich zu geringen Niederschlägen führte dies zu einer Austrocknung der Böden, zu Wassermangel bei einigen landwirtschaftlichen Kulturen und damit verbundenen Ertragseinbußen sowie zu besorgniserregenden Entwicklungen im Wald.

Dieses Zusammenspiel von anhaltend hohen Temperaturen, defizitären Niederschlagsmengen sowie intensiver Blüte führt zu massiven Ausfällen bei Fichten, Tannen sowie Wald- und Schwarzkiefern. Aber auch bei Laubbäumen, wie Rotbuchen, Kastanien, Hainbuchen und Spitzahornen können zunehmend Trockenschäden beobachtet werden.
Die Laubbäume werfen bereits frühzeitig ihr Laub ab, um sich zu schützen. Dabei gelingt es den Bäumen meist nicht, die Nährstoffe, wie bei normalen herbstlichen Prozessen, aus den Blättern zurückzuziehen und in den Wurzeln zu speichern. Daher ist zu erwarten, dass diese Bäume bereits geschwächt ins nächste Frühjahr 2019 starten und umso anfälliger auf abiotische und biotische Beeinträchtigungen im kommenden Jahr reagieren werden.

Der Kupferstecher wird durch hohe Tagestemperaturen gefördert. Achten Sie auf sich rasch rötende Kronen älterer/stärkerer Fichten, aber auch auf sich verfärbende Fichten in Dickungen und Stangenhölzern.

Folgerungen für die Praxis

In Anbetracht der ausgesprochen kritischen Lage ist es unbedingt erforderlich, die Ausgangspopulation für das nächste Jahr 2019 möglichst weit zu reduzieren. Deshalb muss in den betroffenen Forstbetrieben die Schwerpunktsetzung im Herbst und Winter weiter eindeutig auf Kontrolle, Aufarbeitung und Abfuhr aller befallenen Stämme aus dem Wald liegen. Resthölzer sind gegebenenfalls durch Hacken unschädlich zu machen. Dies muss möglichst schnell erfolgen, denn mit zunehmender Dauer nach dem Befall werden Kambium sowie Rinde nekrotisch und sterben ab bzw. werden vom Reifungsfraß der Käfer zersetzt, wodurch sich die Rinde vom Holz ablöst. Dann können die Fichten nicht mehr ohne erhebliche Rindenverluste, was gleichbedeutend mit im Bestand verbleibenden Käfern ist, gerückt werden. Grundsätzlich sind Holzpolter mit Stämmen, deren Rinde noch anhaftet, prioritär abzufahren. In höheren Lagen sollte die Sanierung vor dem Schneefall erfolgen, denn die Käfer können im nächsten Frühjahr je nach Schneehöhe und Witterung gegebenenfalls schon vor Abschluss der Schneeschmelze fliegen.

Es gilt alle gefährdeten Fichtenbestände mindestens einmal wöchentlich auf Käferbefall zu kontrollieren. Sind die Käfer aus den Bäumen noch nicht ausgeflogen, dann muss dieses Holz sofort käferuntauglich gemacht werden.
Kontrollieren Sie Bäume mit gelb-braunen Nadeln auf jeden Fall!

Der Befall kommt nicht nur am Bestandesrand vor, sondern auch im Bestand, so dass die Käferbaumsuche konsequent ausgeweitet werden muss. Befallsbäume sind derzeit schwer zu finden, Sie müssen also etwas mehr Zeit investieren und sollten die frischen Morgenstunden für Ihre Kontrollrunden nutzen.
Die Wahrscheinlichkeit für Stehendbefall dürfte dabei in der Nähe zu noch nicht aufgearbeitetem Sturmholz am höchsten sein. Daher werden Waldbesitzende dringend dazu aufgefordert, ihre Fichtenbestände regelmäßig und gründlich auf Stehendbefall zu kontrollieren, sowie befallenes Holz rasch aufzuarbeiten und abzufahren. Befallene Fichten aus dem Frühjahr zeichnen vermehrt auch mit Rindenabfall, Spechtabschlägen und rotfärbender Krone. An später und aktuell befallenen Fichten finden sich Harztropfen (beginnend am Kronenansatz), Bohrmehl und mit Harz verklebtes Bohrmehl am Einbohrloch.

Die Stehendbefallkontrolle ist an Randbäumen diesjähriger Käfernester und befallenen Holzpoltern fortzusetzen, aber unbedingt auch in die Bestandestiefe auszuweiten. Wenn sich unter der Rinde Jungkäfer befinden, reicht das Fällen (auch mit Harvestern) nicht aus, um die Jungkäfer am Ausflug zu hindern! Die Rinde trocknet nicht rasch genug aus. Aus diesem Grund sollte auch nicht im Bestandesinneren entrindet werden. Vernachlässigen Sie die Kontrollen auch nicht in der Urlaubszeit, sondern suchen Sie sich jemanden, der Ihre Bestände während Ihrer Abwesenheit kontrolliert.

Kennzeichen eines Käferbefalls sind:

• braunes Bohrmehl auf der Rinde, unter Rindenschuppen, auf Spinnweben, am Stammfuß und auf der Bodenvegetation
• Harztröpfchen und Harzfluss am Stamm, vor allem am Kronenansatz
• helle Flecken, sogenannte ‚Spiegel‘, auf der Rinde durch die Tätigkeit der Spechte, wodurch größere Rindenstücke abfallen und das helle Splintholz sichtbar wird
• charakteristische Fraßbilder unter der Rinde
• Rötung
• Abfall grüner, gelber oder roter Nadeln
. Aufgrund der Trockenheit, können sich die Nadeln aktuell schneller verfärben (zuerst gelb, dann braun), Käfer befinden sich oft noch im Baum


Kontrollieren Sie Ihre Wälder! Zu kontrollieren sind:

• geworfenes, gebrochenes und angeschobenes Sturmholz vom Januar 2018
• alle stehenden Fichtenbestände
• nach Schadereignissen, Hiebsmaßnahmen und Pflegeeingriffen liegengebliebenes, bruttaugliches Material
• aufgearbeitetes, in der Nähe gefährdeter Bestände lagerndes Nadelholz

Wann und wie häufig kontrollieren?

• weiter bis Ende September
• derzeit im einwöchigen Turnus
• Kontrollen aussetzen bei starkem Wind oder Regen, da Bohrmehl weggeweht bzw. abgewaschen werden kann

Wo kontrollieren?

• Kontrollen gezielt im Bereich vorjähriger Befallsorte
• in südexponierten Lagen und an aufgerissenen Bestandesrändern
• an Rändern von Windwurf- und Schneebruchnestern
• in allen Fichtenbeständen bei entsprechender Gefahrenlage
• an Jungwüchsen bei Gefährdung durch Kupferstecher

Wie kontrollieren?

• in älteren Beständen einzeln, d. h. Baum für Baum
• befallene Bäume für den Einschlag auffällig markieren

Nach den Kontrollen bitte reagieren:

Können Sie das Holz nicht rechtzeitig vor dem nächsten Ausflug der Käfer aus dem Wald bringen, sind folgende Verfahren zu überlegen:

• Hacken, oder Stämme entrinden, sofern die Käfer noch nicht entwickelt sind.
• Zur Reduktion des Befallsrisikos ist es erforderlich, vorhandenes bruttaugliches Material (frische Fichtenkronen, Resthölzer und Reisigmatten) unverzüglich aufzuarbeiten (Hacken, Mulchen, Abfahren). Frischer Stehendbefall durch den Kupferstecher ist nicht sofort erkennbar. Daher ist es umso notwendiger, liegendes bruttaugliches Material auf Kupferstecherbefall hin zu kontrollieren und bei Befall unverzüglich aufzuarbeiten.






 Fangzahlen Fbz. Freiburg Stadt, "Wonnhalde" 300-400 m ü.N.N.

Aktuelle Fangergebnisse des Buchdruckers im kollin-warmen Gebiet 300-400 m ü.N.N. als wöchentliche Fangzahlen
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 Fangzahlen Fbz. Freiburg Stadt "Oberer Haller" 600m ü.N.N.

Aktuelle Fangergebnisse des Buchdruckers im mittelmontanen Gebiet 700 m ü.N.N. als wöchentliche Fangzahlen
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 Fangzahlen Fbz. Kirchzarten "Zipfelweg" 900m ü.N.N.

Aktuelle Fangergebnisse des Buchdruckers im montan-kühlen Gebiet 900 m ü.N.N. als wöchentliche Fangzahlen
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