Wald und Gesellschaft

Wald ist Lebensraum. Das gilt für Mensch und Wildtier gleichermaßen. Er ist ein Raum, der das Leben der Menschen besser macht, weil manche hier durch Waldwirtschaft ihre Familie ernähren, viele andere aber vor allem ihr Bedürfnis nach Stille, Sport oder ruhiger Bewegung befriedigen. Er ist auch Rückzugsraum für Wildtiere, deren Überleben und Wohlbefinden ebenfalls von Ruhe und der nötigen Bewegungsfreiheit bestimmt wird.

Insofern ist es nur konsequent, dass so unterschiedliche Themenfelder wie Sport, Erholung, Öffentlichkeitsarbeit, aber auch Jagd, Artenschutz und Wildtiermanagement unter einem Dach bearbeitet werden – der Abteilung Wald und Gesellschaft. In zwei Fachbereichen, den Sozialwissenschaften und der Wildtierökologie befassen wir uns mit ökologischen, sozialen und politischen Fragen rund um Wald und Wildtier.

Damit schaffen wir die Grundlagen für einen fundierten Ausgleich der unterschiedlichen Interessen: durch wissenschaftliche Analysen der Zusammenhänge, Fachkonzepte, die Beratung von Politik, Verwaltung und Betrieben, aber auch die Moderation von Plattformen für einen fairen Austausch der Argumente.

Sozialwissenschaften

Wald ist mehr als die Summe seiner Bäume: Wald ist Lebens- und Arbeitsraum von Menschen, Kulturlandschaft, umweltpädagogische Bildungsstätte und hierzulande ein beliebter Freizeitort. Waldbesitzende, Försterinnen und Förster erklären den Wald und ihre Arbeit, setzen sich mit Kritik auseinander und versuchen den Dialog mit Verbänden, Beschäftigten, Bürgerinnen und Bürger gewinnend zu gestalten. Dazu liefert der Fachbereich Sozialwissenschaften die nötigen wissenschaftlichen Analysen und bietet Beratung und Unterstützung in der Durchführung an.

Arbeitsbereiche

Nutzen Sie in Ihrer Freizeit den Wald? Über 80 % der Bevölkerung tun dies, täglich rund zwei Millionen Menschen in Baden-Württemberg. Draußen aktiv sein, ob zu Fuß, mit dem Pferd oder per Fahrrad – die Arten der Erholung im Wald sind so vielfältig, wie die Erholungssuchenden selbst, und dabei im stetigen Wandel.

Wir im Arbeitsbereich „Erholung und Tourismus“ untersuchen die Bedeutung von gesellschaftlichen, technischen und politischen Trends, die den Besuch von Wald und Grünflächen beeinflussen. Da die Ansprüche an den Wald von Erholungssuchenden, Waldbesitzenden und Waldbewirtschaftenden durchaus unterschiedlich sein können, beleuchten wir das Spannungsfeld von Erholung, Tourismus, Naturschutz, Eigentumverständnis und Waldwirtschaft. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf den stadtnahen Wäldern und Konzepten der urbanen Waldwirtschaft. Der Erholungswert des Waldes und seine gesundheitliche Wirkung sollen dadurch gefördert und Möglichkeiten zur Entlastung oder Kompensation von Waldbesitzenden aufgezeigt werden.

Unsere Forschungsergebnisse dienen zudem einem verbesserten Austausch zwischen den Waldbesitzenden, Akteurinnen und Akteuren aus Sport- und Tourismus und finden Anwendung bei der Politikberatung und der Entwicklung von Instrumenten der Planung und des Konfliktmanagements in Erholungsgebieten.

Projekte im Arbeitsbereich

Soziokulturelles Monitoring international - neue Konzepte und Methoden

1586 Wie sehen Menschen den Wald? Welche Erfahrungen machen sie mit ihm? Welche Erwartungen haben sie an den Waldbesuch, an die Forstwirtschaft und die Forstpolitik? In einem Kooperationsvorhaben mit der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft werden Antworten auf Einstellungen und Einstellungswandel der breiten Bevölkerung Baden-Württembergs und der Schweiz zum Wald gefunden. Mithilfe innovativer Methoden, einem umfassenden Monitoring und der systematischen Verknüpfung von quantitativen und qualitativen Daten werden die Perspektiven des gesellschaftlichen Wandels in beiden Ländern vergleichend erfasst. Dadurch lassen sich neue Praktiken der Waldnutzung, insbesondere auch im Zusammenhang mit sozialen Medien, abbilden und in Management-Instrumente übertragen. 2018 2022 ohne Schwerpunkt Erholung und Tourismus Wald und Gesellschaft (methodische Expertisen Fokus qualitative Forschung, Erkenntnisse und Instrumente aus dem Projekt 1314 (Soziokulturelles Waldmonitoring)) Biometrie und Informatik (methodische und konzeptuelle Expertisen der Durchführung und Auswertung von Waldinventuren sowie der Analyse von Daten aus sozialen Medien) Jasmin Breithut Stephanie Bethmann

Mein Wald, Dein Wald oder jedermanns Wald? Veränderung des Eigentumsverständnisses und ihre Bedeutung für das Verhalten von Sportlern und Erholungssuchenden in der Natur

1615 Eigentum ist die zentrale Institution unseres Wirtschafts- und Gesellschaftssystems. Gerade auch in der Waldwirtschaft werden langfristig wirksame Rechte und Pflichten über Eigentumsrechte geregelt. Gleichzeitig liegt beim Waldeigentum die Besonderheit vor, dass die Eigentumsverhältnisse vor Ort so wenig ersichtlich sind wie in kaum einer anderen Umgebung. Ein von der Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) gefördertes Projekt geht den Fragen nach, wie sich das Waldeigentumsverständnis der Waldbesuchenden aktuell darstellt, welche persönlichen Ansprüche daraus abgeleitet werden und welchen Einfluss das Eigentumsverständnis auf die Entstehung oder die Vermeidung von Waldnutzungskonflikten hat. 2018 2021 ohne Schwerpunkt Erholung und Tourismus Wald und Gesellschaft (Projektleitung und -durchführung) Dominik Menton-Enderlin

Analyse und Bewertung aktueller Erholungskonflikte

1543 Wo der Waldweg zum Treffpunkt von verschiedenen Erholungsnutzenden wird, stehen - glaubt man so manchen Medienbericht - Konflikte auf der Tagesordnung. Doch sind Begegnungen im Wald, vor allem zwischen Erholungssuchenden die zu Fuß bzw. mit dem Rad unterwegs sind, immer konfliktgeprägt, oder überwiegen die Gemeinsamkeiten? Sind Regeln, die das Verhalten im Wald regeln, bekannt und werden sie respektiert? Mit einer empirischen Umfrage unter Waldbesuchenden im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb sind wir diesen Fragen nachgegangen. Die Ergebnisse liefern eine aktuelle Bewertung des Konfliktgeschehens in Hotspot-Regionen und können als Basis für konkrete Planungen und den weiteren Dialog auf Landesebene dienen. 2017 2018 Nachhaltigkeit messen und bewerten Erholung und Tourismus Wald und Gesellschaft (Projektleitung, Projektkoordination) Biometrie und Informatik (GIS)

Vom Wald lernen, über Wald sprechen: Wir im Arbeitsbereich Kommunikations- und Bildungsforschung beschäftigen uns mit allen Formen der Kommunikation über Wald, von betrieblicher Kommunikation bis hin zu waldpädagogischen Angeboten. Doch was macht eine gute Kommunikation aus und wie können erfolgreiche Bildungsmaßnahmen zu Wald und Forstwirtschaft für unterschiedliche Zielgruppen aussehen? Um diesen Fragen nachzugehen, richten wir zum einen den Blick auf Kommunikations- und Bildungsprozesse innerhalb der Forstverwaltung, beispielsweise als Evaluierung betrieblicher Trainings oder Schulungen. Zum anderen untersuchen wir Kommunikationsprozesse zwischen Forstbetrieben bzw. -verwaltungen und deren Umfeld. Dazu gehört die Kommunikation mit Verbänden, Bürgerinitiativen und der breiten Öffentlichkeit ebenso wie die Wirkung waldpädagogischer Angebote bzw. von Initiativen der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) für unterschiedliche Zielgruppen. Mit Hilfe dieser Erkenntnisse werden Vorschläge und Angebote zum Abbau von Kommunikationsproblemen und der Weiterentwicklung von Bildungsangeboten entwickelt.

Projekte im Arbeitsbereich

Alltagskommunikation im Forstbetrieb

1560 Forstleute werden zunehmend mit steigenden Ansprüchen einer Öffentlichkeit konfrontiert, die überwiegend eine positive emotionale Bindung zum Wald besitzt, auf das Handeln der Forstwirtschaft jedoch mitunter sehr skeptisch reagiert. Deshalb hat die FVA in Kooperation mit dem DWFR ein praxisbetontes Qualifizierungsangebot entwickelt, das Forstleuten in typischen Kommunikationssituationen mit Waldbesuchenden konkrete Unterstützung bietet. 2019 startet die Seminarreihe "Wie man in den Wald hineinruft ... Kommunikation im forstlichen Arbeitsalltag optimieren" mit bundesweit ca. 60 Seminaren. Zur Anmeldung geht es hier: https://www.dfwr.de/index.php/veranstaltungen/alltagskommunikation 2017 2020 ohne Schwerpunkt Kommunikations- & Bildungsforschung Wald und Gesellschaft (Konzeption, wissenschaftliche Begleitung und Evaluation, Beteiligung an der Durchführung) Eva Simminger

Gesellschaftliche, technische und ökologische Umbrüche unserer Zeit machen auch vor dem Wald nicht Halt. Die kulturellen Bedeutungen von Wald – als Naturraum, als Kulturlandschaft, als Wirtschaftsfaktor – sind in Bewegung. Auch der Zugang zu Bildern und Daten über den Wald und die Möglichkeiten diese mit Gleichgesinnten im Netz zu teilen sind im Wandel und mit ihnen die Debatten um den richtigen, nachhaltigen und gerechten Umgang mit Wald.

Der Arbeitsbereich „Waldpolitik“ widmet sich allen Prozessen, die den gesellschaftlichen Umgang mit Wald betreffen und steuern. Dazu gehören: Sichtweisen auf Wald und deren Veränderung im Wandel der Zeit, (Konflikt-)Kommunikation über Wald und Wildtiere, sowie Formen und Erfolge forst- und umweltpolitischer Steuerung. Ein besseres Verständnis dieser Prozesse hilft, sie konstruktiv zu gestalten. Deshalb nutzen wir unterschiedliche Medien und Formate, um unsere Erkenntnisse für möglichst viele Akteure aus Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft verfügbar zu machen und mit ihnen in Austausch zu treten: von der klassischen Waldfunktionenkartierung bis hin zu verschiedenen Formen der Verbands- oder Bürgerbeteiligung.

Projekte im Arbeitsbereich

Aktuell kein Projekt vorhanden.

Wildtierökologie

Der Fachbereich Wildtierökologie erarbeitet wissenschaftliche Grundlagen für das Management ausgewählter Tierarten des Jagd- und Wildtiermanagementgesetzes (JWMG). Dies beinhaltet die Entwicklung und Anwendung von Methoden des Wildtiermonitoring, vertiefte Untersuchungen des Raum-Zeit-Verhaltens von Wildtieren sowie die Analyse von auf Wildtiere bezogenen Konflikten. Auf dieser Grundlage werden partizipative Managementkonzepte entwickelt, die sowohl artspezifische Ansprüche der betrachteten Wildtiere als auch unterschiedliche anthropogene Nutzungs- und Schutzansprüche berücksichtigen.

Arbeitsbereiche

Im Bereich „Große Beutegreifer“ wird ein landesweites Monitoring durchgeführt, das über die Validierung von direkten und indirekten Zufallshinweisen einen Überblick über das Vorkommen, die Herkunft, das Verhalten und die Entwicklung der bisherigen Einzelvorkommen von Luchs und Wolf liefert. Die Monitoringergebnisse werden mit Unterstützung der Wildtierbeauftragten und der Jägerschaft erarbeitet, laufend transparent in die Öffentlichkeit transferiert und sind Grundlage für das Management.

Im Bereich „Kleine Raubsäuger“ stehen Arten im Vordergrund, deren Populationen einerseits sensibel auf zerschnittene Lebensräume reagieren (Beispiel Wildkatze) und andererseits im Sinne des Entwicklungsmanagements bejagt werden (Beispiel Baummarder). Daher ist das landesweite Monitoring so weiterzuentwickeln, dass ausreichende Informationen über den Zustand der Populationen und ihrer Lebensräume geliefert werden.

Der Bereich „Waldvögel“ umfasst die im JWMG genannten und schwerpunktmäßig im Wald lebenden Vogelarten. Diese stehen im Spannungsfeld zwischen Waldwirtschaft, Jagd, Freizeitnutzung und Naturschutz. Monitoring- und Forschungsergebnisse sind für das Management dieser Arten daher besonders wichtig.

Mehr Informationen finden Sie auf der Fachbereichsseite.

Projekte im Arbeitsbereich

Aktuell kein Projekt vorhanden.

Im Bereich „Große Pflanzenfresser“ erfordern steigende Schalenwildbestände, konträre Nutzungsinteressen, die Rückkehr der großen Beutegreifer und der Klimawandel ein wissensbasiertes Schalenwildmanagement.

Im Bereich „Lebensraumverbund und Wildunfälle“ ist der Generalwildwegeplan (GWP) die gesetzliche Grundlage (JWMG, LNatschG) zur Bearbeitung von Projekten.

Die für den Bereich „Wildtiere und Störungen" notwendigen Fachgrundlagen werden auf der Basis der im JWMG §§ 42 und 51 genannten Vorgaben erarbeitet.

Mehr Informationen finden Sie auf der Fachbereichsseite.

Projekte im Arbeitsbereich

Überprüfung von Rehverhalten mit Wärmebildkameras an ausgewählten Straßenabschnitten mit Wildunfallschwerpunkten

1557 Wildunfälle stellen ein großes Sicherheitsrisiko für den Straßenverkehr dar. Daher gibt es eine große Bandbreite an Maßnahmen, die Wildunfälle verhindern sollen. Dazu zählen Wildwarnreflektoren, die seit vielen Jahrzehnten zum Einsatz kommen, deren Wirksamkeit in der Wissenschaft umstritten ist. Das Projekt beinhaltet drei Module: 1. Überprüfung der Wirksamkeit verschiedener Wildwarnreflektoren an 14 Straßenabschnitten in Baden-Württemberg mittels Wärmebildkameras, die das Wildtierverhalten am Straßenrand aufzeichnen. 2. Vollständige Erfassung aller Straßenabschnitten an Bundes-, Land- und Kreisstraßen in Baden-Württemberg, die mit Wildwarnreflektoren ausgestattet sind. 3. Bildung eines Arbeitskreises, der sich aus verschiedenen Vertreterinnen und Vertretern zusammensetzt, um eine langfristige Strategie bzw. Lösungsansätze zu entwicklen, um Wildunfälle nachhaltig zu reduzieren. 2017 2020 ohne Schwerpunkt Wildtiermanagement Wald und Gesellschaft (Durchführung des Projektes) Falko Brieger

Aktuelle Forschungsergebnisse

Walderholung mit und ohne Bike II

Neu in Sonstige Veröffentlichungen: Walderholung mit und ohne Bike II

pdf-Download
Zur Reihe Sonstige Veröffentlichungen

Projekt Urban Forestry –- Studie zur Waldwahrnehmung

Der Wald ist ein ganz besonderer Naturraum. Wie sehen die Menschen den Naturraum, die Waldarbeiten und die Spuren des menschlichen Wirkens? Jeder Waldbesuchende besitzt eine individuelle Motivation für seinen Waldbesuch: Erholung, spirituelle Auffrischung, geistige Regeneration, körperliche Aktivität und vieles andere mehr. Besonders im stadtnahen Siedlungsbereich sind die vielfältigsten Interessen auf derselben Waldfläche vereint.

Weiterlesen

Wolfs und Luchsmonitoring

Der Arbeitsbereich Wildtierökologie der FVA ist mit dem Monitoring von Luchs und Wolf in Baden-Württemberg beauftragt. Das Team im Projekt Luchs- und Wolfsmonitoring nimmt Hinweise zur Präsenz von großen Beutegreifern entgegen und leistet fachliche Einschätzung bei deren Bewertung. Dazu zählen beispielsweise Fährten, Risse und Sichtungen.

Weiterlesen

Soziokulturelles Waldmonitoring

Wald hat eine große gesellschaftliche Bedeutung: als Erholungsort, Wirtschaftsfaktor und Naturraum. Diese unterschiedlichen Interessen in Bezug auf den Wald können Ausgangspunkt für Konflikte sein, die zwischen verschiedenen Gruppen von Erholungssuchenden, Forstleuten, Waldbesitzenden, Naturschutzverbänden sowie anderen Interessensvertreterinnen und -vertretern entstehen. Bislang fehlen hilfreiche Analysen über die Dynamiken forstlicher Konflikte und bürgerschaftlichen Engagements für Waldthemen.

Weiterlesen

Warenkorb

Titel Anzahl Preis
Gesamtpreis: