Monitoring Wildkatze

Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg ist mit dem Monitoring der Wildkatze im Rahmen der FFH-Berichtpflicht (Flora-Fauna-Habitat Richtlinie) und dem JWMG -Wildtiermonitoring beauftragt. Unsere Aufgabe ist es, die Verbreitung der Wildkatze in Baden-Württemberg zu erfassen und Veränderungen der wildkatzengeeigneten Lebensräume zu dokumentieren.

Erstmals gesichert wiederentdeckt wurde die Wildkatze in Baden-Württemberg durch zwei Totfunde 2006 und 2007. Seither wurde die Kenntnis über die Verbreitung der Wildkatze in Baden-Württemberg durch jährliche Monitoringbemühungen kontinuierlich erweitert. Die Ergebnisse werden jedes Jahr in einer Verbreitungskarte veröffentlicht.

Selbst Experten ist es nicht möglich Wildkatzen von Hauskatzen nur anhand ihres Erscheinungsbildes 100 % sicher zu unterscheiden. Es gibt bisher nur zwei Möglichkeiten Wildkatzen sicher zu identifizieren: einen genetischen Wildkatzennachweis mithilfe von DNA-Material oder einen Nachweis auf Grundlage einer morphologischen Untersuchung. Aufgrund der Verwechslungsgefahr mit der Hauskatze dienen Sichtbeobachtungen oder Fotos nicht als gesicherter Nachweis, aber sie geben uns Hinweise auf mögliche, bisher unbekannte Vorkommen. Entscheidend für die Beurteilung einer möglichen Wildkatze sind:

  • ein buschiger Schwanz mit stumpfem, schwarzgeringeltem Ende
  • eine verwaschene Fellzeichnung ohne kontrastreiche Tigerung
  • Aalstrich entlang des Rückens der an der Schwanzwurzel endet

Aufgaben & Ziele

  • Durchführung eines landesweiten Wildkatzenmonitorings zur Beurteilung des Erhaltungszustands
  • Identifizierung der Hauptgefährdungsursachen der Wildkatzenpopulationen in Baden- Württemberg
  • Information über aktuelle und potentielle Wildkatzenvorkommen, die bevorzugten Lebensräume und Ausbreitungsbewegungen

Nachweisarten

Für eine eindeutige Zuordnung der Tierart wird genetisches Probenmaterial benötigt. Dieses findet man auch in der Wurzel von Haaren. Um echte Wildkatzenhaare zu bekommen, wird deutschlandweit die Baldrian-Lockstockmethode angewandt. Bei der Baldrian-Lockstockmethode werden angeraute Holzlatten (sogenannte Lockstöcke) mit Baldrian besprüht und an ausgewählten Standorten aufgestellt. Die Katzen werden durch den Geruch des Baldrians angelockt. Betört durch den Geruch, vor allem in der Paarungszeit zwischen Januar und März, reiben sich die Katzen an den Lockstöcken. Die Haare, die dabei ausgerissen werden und an den Holzlatten verbleiben, werden im Abstand von ein bis zwei Wochen abgesammelt. Die in den Haarwurzeln enthaltene DNA wird anschließend im Genetiklabor der FVA analysiert, um eine Wildkatze sicher identifizieren zu können.

 

Der Fang einer lebenden Wildkatze ist normalerweise nicht beabsichtigt, ausgenommen zu Studienzwecken. Vor allem bei der Fallenjagd auf Fuchs und Marder verirrt sich manchmal eine Wildkatze in die jagdliche Lebendfangfalle. Es kam auch schon vor, dass beim Fangversuch von verwilderten Hauskatzen eine Wildkatze gefangen wurde. Die Wildkatze muss umgehend freigelassen werden. Um einen gesicherten Wildkatzennachweis zu erbringen, sollten vor dem Freilassen Fotos gemacht und ein paar Haare ausgerissen werden (z.B. mithilfe einer Pinzette).

Anhand von anatomischen Körpermerkmalen einer Katze ist es möglich, Wildkatzen eindeutig als solche zu bestimmen. Die Länge des Darms und das Schädelvolumen sind Indizes zum Nachweis der Wildkatze. Die Werte müssen dafür eindeutig sein. Werte im Graubereich erfordern eine genetische Analyse.

Bei einer Meldung eines Totfundes mit Verdacht auf Wildkatze ist es wichtig, das Tier schnellstmöglich zu bergen um eine Verwesung des Tierkörpers, sein Verschwinden oder eine Verschlechterung seines Zustandes zu vermeiden. Je besser dieser erhalten ist, desto mehr Informationen zum Gesundheitszustand der Katze können gewonnen werden.

Mit Fotos und Videos kann man je nach Aufnahme und Auflösung  Wildkatzen mit hoher Wahrscheinlichkeit identifizieren oder auch ausschließen. Bei nicht eindeutigen Fellmerkmalen bleibt es aber unsicher, ob es sich um eine Hauskatze oder Wildkatze oder eine Kreuzung aus beiden handelt.

Eine Sichtung kann lediglich anhand einer Befragung der meldenden Person, auf Grundlage von eindeutigen Erkennungskriterien, von einer fachkundigen Person  auf Plausibilität geprüft werden. Eine Häufung von plausiblen Sichtungen in einem Gebiet kann gegebenenfalls auf ein Wildkatzenvorkommen hinweisen, dass man mit einer systematischen Erfassung mittels der Lockstockmethode sicher nachweisen kann.

Vorkommen der Wildkatze in Baden-Württemberg

Mittlerweile findet man die streng geschützten Wildkatzen fast in der gesamten Rheinebene Baden‐Württembergs wieder. Die bisherigen Ergebnisse des landesweiten Monitorings sprechen für eine stetige Ausbreitung der Wildkatze. Das Hauptvorkommen in Baden‐Württemberg befindet sich entlang der gesamten Rheinebene. Weitere kleinere Vorkommen sind mittlerweile in der Vorbergzone des Schwarzwaldes, im Naturraum Stromberg, und auf der Ostalb zu finden. Es kann grundsätzlich auch nicht ausgeschlossen werden, dass es in anderen Landesteilen unentdeckte Wildkatzenvorkommen gibt. Der Blick auf die Vorkommen außerhalb Baden‐Württembergs zeigt, dass Wildkatzen aus Frankreich, der Schweiz sowie aus den Bundesländern Bayern, Rheinland‐Pfalz und Hessen nach Baden‐Württemberg wandern.

Zukunft der Wildkatze in Baden-Württemberg

Der Erhaltungszustand der Art wurde gemäß FFH-Richtlinie bewertet und ist in Baden-Württemberg mit ungünstig bis unzureichend bewertet worden. Diese Einschätzung beruht auf der bisherigen inselartigen Verbreitung, der unbekannten Populationsgröße und -entwicklung sowie einem ungünstigen Lebensraumverbund. Um den Erhaltungszustand der Wildkatze langfristig zu verbessern, sind mehrere Managementmaßnahmen nötig (Quelle: Wildtierbericht 2018):

Die Fortführung und Weiterentwicklung eines Monitorings ist notwendig, um den Erhaltungszustand zu erfassen und Managementmaßnahmen umzusetzen. Durch Sichtbeobachtungen und Fotos ist es nicht möglich, die Art eindeutig zu identifizieren, daher ist das Monitoring bei der Wildkatze aufwendig und jeder Nachweis muss fachlich untersucht werden. Die Daten zur Verbreitung werden durch ein passives Monitoring erhoben, das durch Meldungen von Zufallsfunden (Totfunde, Fänge) und systematische Erhebungen mittels der Lockstockmethode erfolgt. Eine Erfassung der  Populationsdichte und deren Trends kann nicht flächendeckend geleistet werden. Allerdings sollte die Entwicklung der Populationsdichte auf kleineren Flächen innerhalb ausgewählter Referenzgebiete zukünftig beobachtet werden, um Schwankungen auf Populationsebene frühzeitig erfassen zu können.

Die Erhaltung und Entwicklung strukturreicher Wälder und Kulturlandschaften als Lebensräume der Wildkatze ist das wichtigste Ziel, um die Wildkatzenpopulation in Baden-Württemberg langfristig zu erhalten. Im Rahmen der Waldnaturschutzkonzeption von ForstBW wurde die Wildkatze als eine Waldzielart definiert. Dies bedeutet einerseits, dass bei der Waldbewirtschaftung die Lebensraumanforderungen entsprechend berücksichtigt und in bestehende Konzepte integriert werden. Andererseits wird durch die notwendige Anreicherung mit vielfältigen und lichten Waldstrukturen auch der Lebensraum vieler anderer Pflanzen und Tiere erhalten oder neu geschaffen.

Für die mobile Säugetierart spielt die Vernetzung der Lebensräume eine zentrale Rolle. Voraussetzung ist ein Mindestmaß an linearen und flächigen Strukturelementen im Offenland, die die Wanderbewegungen durch deckungsreiche Strukturen ermöglichen. Für die Wiederherstellung eines Populationsverbundes müssen flächenkonkret Maßnahmen umgesetzt werden, die sich an bereits ausgewiesenen Vorkommen orientieren. Eine beispielhafte Maßnahmenumsetzung für die Wildkatze erfolgt in den nächsten Jahren im Rahmen des Sonderprogramms Biologische Vielfalt.

Bei der Infrastrukturplanung (Verkehrswege, Siedlungen, Gewerbeflächen) ist darauf zu achten, die Zerschneidung von Lebensräumen zu vermeiden und Maßnahmen zur Integration der Lebensraumansprüche durchzuführen.

Weitere Handlungsempfehlungen erarbeitet die FVA derzeit im Rahmen eines Aktionsplans zur Wildkatze in Baden-Württemberg.

Weiterführende Informationen

  • Verbreitungskarte (in Arbeit)
  • Die Wildkatzennachweise können auch im geoportal-bw gefunden werden

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