Aktionsplan Auerhuhn

Der Aktionsplan Auerhuhn (APA) stellt ein umfassendes Artenschutzkonzept zum Erhalt des Auerhuhns (Tetrao urogallus) im Schwarzwald dar. Im Jahr 2008 wurde der APA vom Land Baden-Württemberg erlassen, um den rückläufigen Populationszahlen im Schwarzwald zu begegnen. Er besteht aus zwei Komponenten: dem Fachkonzept „Rahmenbedingungen und Handlungsfelder für den Aktionsplan Auerhuhn“ und dem Umsetzungspapier „Aktionsplan Auerhuhn Maßnahmenplan 2008-2018“.

Das Fachkonzept beinhaltet rechtliche Grundlagen, die wissenschaftliche Herleitung des Flächenkonzepts sowie detaillierte Handlungsempfehlungen für sechs Handlungsfelder (Habitatgestaltung, Tourismus & Freizeitnutzung, Jagd, Infrastrukturelle Projekte & Windenergienutzung, Wissenschaftliche Begleitung und Transfer & Kommunikation) mit insgesamt über 100 Einzelmaßnahmen zum Schutz des Auerhuhns im Schwarzwald.

Der Maßnahmenplan 2008-2018 fasst Maßnahmen, welche in der ersten Dekade umgesetzt werden sollen, sowie die Verantwortlichen für deren Umsetzung zusammen.

Beide Dokumente sind als PDF verfügbar.

Ziel des Aktionsplans ist der Erhalt einer überlebensfähigen, ausreichend vernetzten Auerhuhnpopulation im Schwarzwald. Dies beinhaltet:

  • Eine Populationsstärke von mindestens 600 Individuen zu erhalten.
  • Die Verkleinerung der besiedelten Fläche zu stoppen. Ziel ist eine Ausdehnung der besiedelten Fläche in benachbarte Potentialgebiete.
  • Die einzelnen Teilgebiete (Nord-, Süd-, Mitte- und Ostschwarzwald) ausreichend zu vernetzten, so dass ein Individuenaustausch/Genaustausch möglich bleibt.

Historische Quellen belegen, dass Auerhühner schon um 1500 im Schwarzwald vorkamen. Nachdem es Anfang des 18. Jahrhunderts noch bejagt wurde, ist die Auerwild-Jagd wegen der abnehmenden Populationsgröße seit 1971 nicht mehr gestattet. Trotzdem ist die Populationsgröße unter Berücksichtigung periodischer Schwankungen rückläufig.

Zum Schutz des Auerhuhns und dem Erhalt der Lebensraumfunktionen für die hochmontane Artengemeinschaft im Schwarzwald wurden zahlreiche Forschungs- und Umsetzungsprojekte durchgeführt. Die Koordination der Aktivitäten erfolgte in der Arbeitsgruppe Raufußhühner (AGR) unter der Leitung der FVA. Ende 2006 beauftragte das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg (MLR) die FVA, auf Grundlage dieser Arbeiten und dem derzeitigen Forschungsstand, den „Aktionsplan Auerhuhn“ auszuarbeiten. 2008 wurden der Aktionsplan Auerhuhn, abgestimmt mit der AGR, veröffentlicht und die Umsetzung vom MLR verabschiedet.

Das Flächenkonzept dient der Planung von Schutzmaßnahmen sowie der Integration von Auerhuhn-Schutzbelangen in die reguläre Landschaftsplanung. Das Konzept zur Ausweisung prioritär schutzrelevanter Flächen orientiert sich am Flächenbedarf einer überlebensfähigen Population und schließt daher geeignete Potentiallebensräume und Verbundbereiche mit ein. Es basiert auf drei Hauptkomponenten: der Auerhuhn-Verbreitung, dem Landschaftsökologischen Lebensraumpotential (LÖLP) und den Lebensraumverbundbereichen. Siehe auch: "Herleitung der auerhuhnrelevanten Flächen" auf der Seite Auerhuhnrelevante Flächen im Schwarzwald.

Bei der Priorisierung von Flächen für Maßnahmen wurde die Auerhuhn-Verbreitung mit den Flächen des LÖLP verschnitten und in drei Prioritätsstufen eingeteilt. Die Verbundbereiche (Korridorbereiche und Trittsteinflächen) wurden entsprechend ihrer Bedeutung für den Populationsverbund in zwei Prioritätsstufen eingeteilt.

Handlungsfelder

Die wichtigste Voraussetzung für den Schutz des Auerhuhns ist die Erhaltung und Entwicklung geeigneter, ausreichend großer Lebensräume. Im Schwarzwald ist hierfür eine aktive Habitatgestaltung notwendig. Das  Auerhuhn gilt als Schirmart für die hochmontane Artengemeinschaft (insbesondere lichtliebende Pflanzen- und Tierarten) (SUTER ET AL. 2002), somit können Habitatgestaltungsmaßnahmen auch zur Lebensraumverbesserung für diese Artengemeinschaft beitragen. Hierzu zählen mehrere nach Anhang 1 Vogelschutzrichtlinie geschützte Arten, wie Haselhuhn, Raufußkauz, Sperlingskauz und Dreizehenspecht.

Die Zielsetzungen der bisherigen naturnahen Waldwirtschaft allein reichen nicht aus, um die Lebensraumbedingungen für das Auerhuhn zu sichern und können in Teilaspekten sogar kontraproduktiv wirken. Für den Erhalt geeigneter Lebensraumbedingungen sind Maßnahmen erforderlich, die den Rahmen der naturnahen Waldwirtschaft neu definieren.

Aktionsblatt Habitatgestaltung (PDF)

Störungen durch Tourismus und Freizeitnutzung führen bei Wildtieren zu einem Verlust an nutzbarem Lebensraum, zu Energieverlust bei Fluchtreaktionen und zu physiologischem Stress. Besonders negativ wirken sich Störungen im Winter und  in der Balz-, Brut-, und Aufzuchtzeit aus. Dies gilt nicht nur für Auerhühner, sondern auch für die meisten anderen Wildtiere.

Da sowohl die für die Freizeitnutzung als auch die von Tierarten benötigten Landschaftsteile sehr groß, räumlich begrenzt sind und sich überlagern, bedarf es räumlicher Konzeptionen. Diese teilen die Landschaft in Ruhebereiche für Wildtiere und Aktivitätsbereiche für Menschen sowie Übergangszonen mit geregelter Nutzung ein, dabei bezieht sie auch andere Landnutzungen mit ein (z. B. Forst- & Landwirtschaft, Jagd, Windenergie). In Bezug auf die Freizeitnutzung regelt sie die individuelle Nutzung, Großveranstaltungen und touristische Infrastruktur-Projekte. Neben der räumlichen Abgrenzung sind auch zeitliche Grenzen zu definieren.

Das Auerwild unterliegt nach § 2 BJagdG dem Jagdrecht. Die Jagdausübungsberechtigen tragen daher in ihren Revieren im Rahmen des Jagdschutzes und der Hege eine hohe Verantwortung für den Schutz und die Erhaltung des Auerwildes. Insbesondere die Mitarbeit beim Monitoring, bei Habitatpflegemaßnahmen und bei der Bejagung von Prädatoren sind unentbehrliche Grundlagen für die Umsetzung eines Schutzkonzepts und des Managements für Raufußhühner.

Lebensraumfragmentierung und Lebensraumverlust durch Erschließungsmaßnahmen gelten als Gefährdungsursache für das Auerhuhn. In den Höhenlagen des Schwarzwaldes entstehen heute Erschließungen meist nach dem Bau touristischer Infrastruktur oder Windenergieanlagen. Die Höhenrücken des Schwarzwaldes stellen Bereiche mit hoher Windhöffigkeit dar, entsprechend hoch ist der Nutzungsdruck durch Windenergienutzung. Für den Auerhuhn-Schutz ergibt sich hier ein Konfliktpotential. Die hier entwickelten Kriterien beziehen sich ausschließlich auf die Bewertung potentieller Beeinträchtigungen des Auerhuhns. Im Rahmen der Prüfung von Infrastrukturprojekten stellt das Auerhuhn jedoch nur eine naturschutzrelevante Art unter vielen dar.

Zur Planungsgrundlage Windenergie & Auerhuhn

Die wissenschaftliche Begleitung des Aktionsplans Auerhuhn umfasst das Monitoring, die Erfolgskontrolle der Maßnahmen und die Forschung. Das fortlaufende Monitoring sowie das systematische Zusammenführen der Daten erfolgt an der FVA seit 1993. Zum Monitoring zählen die laufende Erhebung von Nachweisen sowie eine im fünf-Jahres-Turnus erfolgende Kartierung der Verbreitungsgebiete und Balzplätze. Aufgrund der kontinuierlichen Datenerfassung liegen umfassende und langjährige Datengrundlagen zu Verbreitung, Bestand und Lebensraumbedingungen im Schwarzwald vor, die zur Erfolgskontrolle in der Populations- und Habitatentwicklung genutzt werden können.

Ein Schwerpunkt der schutzbezogenen Forschung liegt in der Entwicklung und Optimierung von Monitoring- und Evaluationsmethoden sowie in der Quantifizierung externer Einflüsse auf die Population (v.a. Störungen, Prädatoren, Klimaentwicklung).

Eine zielgruppenorientierte Öffentlichkeitsarbeit soll die Bekanntheit und Akzeptanz des Aktionsplans Auerhuhn fördern. Durch Schulungen und Weiterbildungen sollen die Inhalte des Aktionsplans zielgruppenspezifisch transferiert und Grundlagen für die Umsetzung vermittelt werden. Konflikte zwischen Ziel- und Nutzergruppen können so minimiert oder unter Einbeziehung aller Beteiligten gemeinsam gelöst werden. Hierdurch soll eine Identifikation der Interessengruppen mit den Schutzmaßnahmen für das Auerhuhn erreicht werden.

Ein Beispiel stellt das „Aktionsblatt Habitatgestaltung und naturnahe Waldwirtschaft“ dar, welches als Praxishilfe Informationen zur Umsetzung von Habitatpflegemaßnahmen bündelt.

Weiterführende Informationen

  • 1318 Forschungsprojekt Auerhuhn & Windenergie
  • 1523 Evaluation Aktionsplan Auerhuhn
  • 1575 Koordination Aktionsplan Auerhuhn im Privat- und Kommunalwald
  • 1592 Lücken Für Küken im Privat- und Kommunalwald (Sonderprogramm zur Stärkung der biologischen Vielfalt)
  • Externe Forschung zu Füchsen
  • Waldnaturschutz FFK
  • Waldnaturschutz Natura 2000
Dokumente
  • Braunisch, V.; Coppes, J.; Arlettaz, R.; Suchant, R.; Zellweger, F.; & Bollmann, K. (2014). Temperate mountain forest biodiversity under climate change: compensating negative effects by increasing structural complexity. PLoS One, 9(5), e97718. doi: 10.1371/journal.pone.0097718
  • Braunisch, V.; Segelbacher, G.; Hirzel, A. (2010): Modelling functional landscape connectivity from genetic population structure: a new spatially explicit approach, Molecular Ecology 19, 3664-3678
  • Braunisch, V. & Suchant, R. (2007): A model for evaluating the ´habitat potential´ of a landscape for capercaillie Tetrao urogallus: a tool for conservation planning. – Wild. Biol. 13 (Suppl. 1):21-33
  • Suter, W., Graf, R. F., & Hess, R. (2002). Capercaillie (Tetrao urogallus) and avian biodiversity: testing the umbrella‐species concept. Conservation Biology, 16(3), 778-788

Team

Dr. Rudi Suchant

Jakob Huber

Johanna Fritz

Dr. Veronika Braunisch

Dr. Joy Coppes

Philip Holderried

Julia Taubmann

Stefan Bächle

Annika Döpper

Jim-Lino Kämmerle

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