Monitoring Waldvögel

Monitoring, das Erfassen von zeitlichen und räumlichen Trends von waldgebundenen Vogelarten, ist Schwerpunkt des Bereichs. Die Ergebnisse sind eine wichtige Grundlage für Entscheidungsträger, Maßnahmenplanung und die Erfolgskontrolle bei durchgeführten Maßnahmen. Zudem sind sie eine wichtige Grundlage für wissenschaftliche Untersuchungen. Wir beschäftigen uns in erster Linie mit den Vögeln die im Jagd- und Wildtiermanagementgesetz (JWMG) gelistet sind und vorwiegend im Wald leben.

Die vergangenen Jahren lag der Schwerpunkt der Monitoringarbeit beim Auerhuhn: in Zusammenarbeit mit Ornithologen, der Jägerschaft und den Revierleitenden wurde die Entwicklung des Verbreitungsgebiets sowie des Bestandes dokumentiert. Dies ist eine wichtige Grundlage für ein zielgerichtetes Management des Auerhuhns.

In den nächsten Jahren werden auch für die weiteren Arten Waldschnepfe, Habicht und Hohltaube systematische Monitoringmethoden entwickelt und etabliert um deren Populationen langfristig überwachen zu können.

Aufgaben & Ziele

Wildtierökologische Kenntnisse zu gewinnen, zu verbessern und ihre Beachtung zu gewährleisten zählt zu den übergeordneten Zielen des  JWMG. Die Wildtierökologie der FVA übernimmt in diesem Sinne Aufgaben für die im JWMG genannten Waldvogelarten Auerhuhn, Haselhuhn, Waldschnepfe, Habicht und Hohltaube.

Tierarten

Der Bestand des scheuen Waldvogels, der in den Hochlagen des Schwarzwaldes lebt, wird in Zusammenarbeit mit verschiedenen Institutionen, wie dem Nationalpark Schwarzwald, zahlreichen Ornithologen und der Jägerschaft, seit langem von de FVA überwacht.

Steckbrief des Auerhuhns im Wildtierbericht (PDF)

Balzplatzmonitoring - Populationstrend

Der Populationstrend, also die Frage, ob der Auerhuhnbestand zunimmt, abnimmt oder gleichbleibend ist, wird über Balzplatzzählungen bestimmt. Im Frühjahr versammeln sich Auerhähnen an traditionellen Plätzen, um die Weibchen in der Balz für sich zu gewinnen und sich zu verpaaren. Diese Balzplätze bestehen oft über viele Jahre hinweg, weshalb die Tiere sich hier relativ gut erfassen lassen. Da Hennen und junge Hähnen dabei nicht systematisch erfasst werden können, kann keine absolute Bestandesgröße abgeleitet werden. Ein Bestandstrend kann hieraus jedoch abgeleitet werden. Das Balzplatzmonitoring konnte aufzeigen, dass der Auerhuhnbestand in den letzten Jahren stark abgenommen hat.

Zufallsmonitoring - Verbreitungsgebiet

Wo aktuell Auerhühner im Schwarzwald vorkommen, wird nicht dauerhaft systematisch erfasst, da dies auf großer Fläche zu aufwendig wäre. Das Verbreitungsgebiet wird deshalb über ein Zufallsmonitoring abgesteckt. Dies bedeutet, dass jedes gesichtete Auerhuhn und jede gefundene Feder bei der FVA gemeldet werden kann. Ein großes Netzwerk aus Jäger, Revierleitenden und Ornithologen unterstützen mit ihren Meldungen aktiv das Monitoring. In einem Fünfjahres-Turnus werden die Daten an der FVA zusammengefasst, und das Verbreitungsgebiet neu abgegrenzt. Mit der aktuellen Kartierung aus dem Zeitraum 2014-2018, wurde nachgewiesen, dass das Auerhuhn in einem deutlich kleineren Gebiet vorkommt als im vorangegangenen Zeitraum (2009-2013).

Reproduktionsmonitoring

Anhand von systematisch durchgeführten Linientaxationen im Nordschwarzwald wird jährlich ein Index für den Reproduktionserfolg des Auerhuhns berechnet. Die Aufnahmen werden im Spätsommer durchgeführt um die Auerhühner möglichst wenig zu stören. Die Ergebnisse dieser Erhebungen verdeutlichen, dass der Reproduktionserfolg zwischen den Jahren sehr stark schwanken kann. Weitere Auswertungen müssen die Ursachen dieser Schwankungen genauer beleuchten, es ist jedoch zu vermuten, dass die Witterungsbedingungen während der Aufzuchtszeit (Juni - Juli) eine große Rolle spielen könnten.

Die Waldschnepfe ist ein sehr heimlicher Waldbewohner. Aus diesem Grund ist über ihr Vorkommen und ihre Populationsentwicklung in Baden-Württemberg bislang wenig bekannt.

Nur während der Balzzeit sind die männlichen Tiere einfach zu hören und zu beobachten. Deshalb fokussiert sich das Waldschnepfenmonitoring zunächst auf die Erfassung der Art  während der Balzzeit im Frühjahr.

Pilotstudie

Aktuell wird von der FVA kein flächendeckendes Monitoring der Waldschnepfe durchgeführt.

In einer Pilotstudie wird aktuell jedoch die Methodik für eine systematische Erfassung überprüft und optimiert. Hierfür wird in Zusammenarbeit mit der Jägerschaft und Ornithologen ein Netzwerk von ehrenamtliche Kartierenden etabliert, um die Vorkommensgebiete und einen Populationsindex ableiten und langfristig überwachen zu können.

Obwohl der Habicht einer der größten Greifvögel in unsere Wälder ist, wird er häufig übersehen oder mit anderen Taggreifen verwechselt. Aktuell werden Habichte in Baden-Württemberg nicht großflächig erfasst. Mittels Revierkartierungen und Horstkartierungen ist es möglich sein Vorkommen und die Brutgebieten  zu lokalisieren. Erfolg und Aufwand dieser Methodik sind allerdings abhängig von der Topographie und dem Aufbau des Waldbestands. So ist das Auffinden von Horsten in Nadelwald wesentlich schwieriger als im Laubwald.  Zum Populationstrend ist in Baden-Württemberg bislang wenig bekannt, auch zum Nahrungsspektrum gibt es nur regionale Studien.

Die FVA führt aktuell kein Monitoring des Habichtbestands durch.

Steckbrief des Habichts im Wildtierbericht (PDF)

Das Haselhuhn ist durch seine Lebensraumwahl (dichte junge Wälder) und seine Lebensweise (scheu und heimlich) sehr schwierig zu erfassen. Es balzt zudem nicht auf Balzplätzen, wie es etwa das Auerhuhn tut, was die Erfassung weiter erschwert. Das kleine Raufußhuhn kann einerseits mittels Suche von indirekten Nachweisen (Federn, Sandbadestellen, Losung) nachgewiesen werden, andererseits lässt es sich direkt mittels einer Klangattrappe („Haselhuhn-Pfeife“ oder Lautsprecher) nachweisen. Dabei wird das hochfrequente Pfeifen der Hahns abgespielt oder imitiert. Da die Hähne territorial sind, reagieren sie auf Lautäußerungen anderer Hähnen mit Reviergesang oder Annäherung. Somit können die Tiere direkt nachgewiesen werden. Das Monitoring der FVA stützt sich hauptsächlich auf Zufallsbeobachtungen. Seit 2005 gibt es aus Baden-Württemberg allerdings keinen gesicherten Haselhuhnnachweis mehr, deshalb gilt das Haselhuhn bei uns als vom Aussterben bedroht.

Vor dem Hintergrund des sehr geringen oder verschollenen Bestandes beschränkt sich das Monitoring in Baden-Württemberg darauf, die Plausibilität von Zufallsmeldungen zu überprüfen.

Steckbrief des Haselhuhns im Wildtierbericht (PDF)

Die höhlenbrütende Hohltaube ist in Baden-Württemberg weit verbreitet. Sie ist an das Vorkommen natürlicher Baumhöhlen gebunden und daher eng mit der Verbreitung alter Buchenbestände und dem Vorkommen des höhlenzimmernden Schwarzspecht verknüpft.  Die Hohltaube kann im Rahmen der der Brutvogelkartierung erfasst werden. Dabei werden rufende Tiere lokalisiert und somit die besetzten Reviere abgegrenzt. Burtnachweise können mittels Kratzprobe erbracht werden. Da die Hohltauben in BW nur mäßig häufig auftritt wird sie nicht im  Rahmen gängiger Brutvogelkartierungen erfasst. Aus diesem Grund sind aktuell keine Aussagen über die Bestandsgröße und -entwicklung möglich.

Die FVA führt momentan kein Hohltaubenmonitoring durch.

Steckbrief der Hohltaube im Wildtierbericht (PDF)

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