Monitoring von Grünbrücken

Die biologische Vielfalt wird durch die Zerschneidung von Lebensräumen stark gefährdet, da Lebensraumnetze nicht mehr funktional verbunden sind. Integrativ wirksame Querungshilfen (u.a. Grünbrücken) sollen die Vernetzung von Lebensräumen sichern, indem sie wildlebenden Tier- und Pflanzenarten ein Überwinden von Verkehrsbarrieren ermöglichen. Um die Funktionalität dieser sehr aufwändigen und kostenintensiven Maßnahmen zu gewährleisten, ist es erforderlich, sie regelmäßig auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen, da teils schon geringfügig erscheinende Veränderungen (u.a. Eingriffe, Nutzungsänderungen, Sukzession, Pflege etc.) auf und in der Umgebung dieser Bauwerke leicht zu wesentlichen Funktionsbeeinträchtigungen führen können.

Im laufenden Vorhaben wird an drei Grünbrücken an den Standorten Holzgerlingen bei Böblingen (B 464), Imberg bei Ulm (A 8 / ICE-Strecke) und Sasbach am Kaiserstuhl (L 113n) im Auftrag des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg ein repräsentatives Monitoring zur Sicherung und Optimierung der Wirksamkeit erprobt. Darüber hinaus dient es als Grundlage für die Öffentlichkeitsarbeit.

Methodik

Ein repräsentatives Monitoring ist ein auf wissenschaftlichen Grundlagen basierendes Monitoring, welches Eignungskontrolle mit wesentlichen Standard-Wirkungskontrollen bei verhältnismäßig geringen Beobachtungszeitaufwand kombiniert (vgl. Hänel & Reck 2013). Neben einem Fokus auf den teils sehr störungssensiblen Wildtieren, umfasst ein repräsentatives Monitoring, gerade auch im Hinblick auf die gesamte von Zerschneidung betroffene biologische Vielfalt, die Nutzungsüberprüfung weiterer wichtiger, besonders aussagekräftiger Arten bzw. Artengruppen wie Reptilien oder Laufkäfer als Indikatoren für die Wirksamkeit der Querungshilfen. Dabei werden zwei Fragen verfolgt:

  • Welche Tierarten nutzen die Grünbrücken für Querungen?
  • Welche Tierarten kommen im Umfeld des Bauwerks vor?

Mit einem kontinuierlichen Fotofallenmonitoring über 24 Monatewerden die größeren Säuger („Wildtiere“) erfasst. Neben den häufiger nutzenden residenten Arten können damit auch seltener querende, störungssensible oder wandernde Arten dokumentiert werden. Zusätzlich werden so auch potenzielle Störungen mit und um die Bauwerke erfasst.

Ein ergänzender, gelegentlicher Einsatz von Wärmebildkameras dient dazu, das Verhalten größerer Säuger auf dem Querungsbauwerk zu dokumentieren.

Weitere orientierende Untersuchungen werden zu Haselmäusen und Waldlaufkäfern durchgeführt.

Als Nebenbeobachtung werden Reptilien, Fledermäuse, Tagfalter und Heuschrecken erfasst.

Für den Nachweis der Nutzung der Grünbrücken durch Reptilien werden neben direkter Beobachtung sogenannte „Schlangenbleche“ eingesetzt. Dabei handelt es sich um Platten aus Bitumen oder Metall, die auf den Boden gelegt werden und durch die Absorption von Wärme und als Versteckmöglichkeit Reptilien anlocken. Der Nachweis von Haselmäusen erfolgt mit Hilfe von Nisthilfen, sogenannten „Tubes“, die auf eine Belegung durch Haselmäuse kontrolliert werden.

Erste Beobachtungen

Ergebnisse liegen zunächst aus dem Fotofallenmonitoring für die ersten sechs Monate vor. Neben einer Nutzung der Grünbrücken durch Rehe, Wildschweine, Dachse und Füchse konnten auch vereinzelt Hasen, Marder und Wildkatzen nachgewiesen werden. Auf einem Bauwerk wurde auch die Haselmaus festgestellt. An Reptilien konnten bisher Waldeidechse, Blindschleiche und Schlingnatter nachgewiesen werden, unter den Insekten wurden bei Begehungen verschiedene Tagfalter gesichtet, wie z.B. Weißlinge, Kleiner Eisvogel und Kaisermantel als auch weit verbreitete Heuschreckenarten.

Gleichzeitig wurde eine teils sehr intensive menschliche Nutzung der Bauwerke festgestellt, obwohl auf zwei der drei Bauwerke keine Wege mitüberführt werden. Auf einem Bauwerk übertrifft die anthropogene Nutzung die durch Wildtiere sogar um ein Mehrfaches.

Eine Auswahl an Schnappschüssen aus dem Projekt (zum Vergrößern anklicken):

weitere Informationen zum Projekt

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