Wildtiermonitoring am Hochrhein

Luchs, Wildkatze und Co. bekommen wir nur sehr selten zu Gesicht - das liegt daran, dass sie sich gut versteckt in Wald- und Gehölzstrukturen bewegen. Mit Hilfe von Wildtierkameras hat das Gemeinschaftsprojekt „Wege der Zusammenarbeit im Wildtiermonitoring“ Bilder vom geheimen Leben der gut bekannten heimischen oder der durchstreifenden Wildtiere gesammelt. Durchgeführt haben das Projekt zum einen die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA), der Landesjagdverband, engagierte Jägerinnen und Jäger – sowie der WWF. Die unterschiedlichen Akteure spiegeln die zentrale Erkenntnis des Projektes wider: Dass ihre vermeintlich verschiedenen Interessen hier ganz nahe beieinanderliegen – die Wildtiere und deren Zukunft. Denn geeignete und durchgängige Wanderrouten sind unerlässlich für ihre Verbreitung und den genetischen Austausch zwischen den Tierpopulationen.

Evaluation von Wildtierkorridoren

Das Hochrheingebiet ist durch seine Lage zwischen dem Schwarzwald und dem Schweizer Jura für viele Wildtierarten von großer Bedeutung: durch wandernde Individuen findet hier der Austausch zwischen den beiden genannten Lebensräumen statt. Jedoch ist für die meisten Wildtiere heute der Wechsel zwischen den Gebieten aufgrund menschlicher Bebauung schwer passierbar. Ohne die gezielte Erhaltung von Wildtierkorridoren wird sich diese Situation künftig zuspitzen. Aus diesem Grund entwickelte die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württembergs (FVA) den Generalwildwegeplan (GWP) - ein Fachkonzept zur Erhaltung von Wildtierkorridoren. Im GWP sind für das Hochrheingebiet Korridore ausgewiesen, die über den Rhein Wildwechsel zwischen den beiden Großräumen Schwarzwald und Schweizer Jura ermöglichen (s. Abbildung unten).

Für die Erhaltung und Entwicklung dieser Korridore ist das Wissen über die Präsenz von Wildtieren und deren räumliche und jahreszeitliche Verteilung Voraussetzung. Dieses Wissen ist bei den Jagdausübenden vorhanden, da sie durch ihre Präsenz in den Lebensräumen die dortige Situation regelmäßig erleben. Eine enge Zusammenarbeit von Forschenden und Jagdausübenden im Wildtiermonitoring war daher wünschenswert.

Die Standorte der 32 Wildtierkameras sind bewusst gemäß des Generalwildwegeplans (GWP) ausgewählt worden. Der GWP stellt Verbindungen zwischen bedeutenden Wildtierlebensräumen dar und so geben beispielsweise Bilder von Gämsen außerhalb ihres erwarteten Lebensraums Hinweise auf ihre Wanderungen und ihre Nutzung des GWP.

Ergebnisse und Ausblick

Über ein Jahr standen die Kameras im Hochrhein-Gebiet – einer Drehscheibe von Wildtier-Wanderwegen und ein wichtiger Bereich für den Wechsel von Wildtieren zwischen Deutschland und der Schweiz. Neben Rehen, Dachsen, Wildschweinen und Füchsen haben die Apparate Feldhasen, Gämse, Sika, Marder und diverse Vögel fotografiert. Über 100.000 Bilder von Wildtierkameras mit 9.388 Tiersequenzen geben Einblicke in das heimliche Leben unserer heimischen Wildtiere und zeigen die Nutzung von Korridoren als Wildwanderwege.

Ein Rehbock gab seinen angestammten Ruheplatz preis und einzelne Bäume zeigten sich als Kommunikations-Treffpunkt vieler unterschiedlicher Tiere. Stehen viele Bilder von häufigen Tierarten wie Rehen zur Verfügung, können mit Hilfe von Vergleichsbildern auch Rückschlüsse auf den Geburtszeitpunkt von Kitzen oder deren Entwicklung gewonnen werden.

Eine Auswahl an Schnappschüssen aus dem Projekt (zum Vergrößern anklicken):

Das Gemeinschaftsprojekt hat einen Grundstein für die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Partner gelegt. Nun stellen am Hochrhein beispielsweise einige Jägerinnen und Jäger ihre Erfahrungen zur Verfügung, wenn künftig gezielte Fragestellungen durch ein Wildtierkamera-Monitoring beantwortet werden sollen.

Weitere Informationen zum Projekt

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