“Das ist eine großartige Auszeichnung für die jahrelange Arbeit meines Teams”, sagt Dr. Heike Puhlmann, Leiterin der Abteilung “Boden und Umwelt” der FVA, an der Projekte rund um Waldboden und Wasser laufen. “Viele engagierte Köpfe stecken hinter der Forschungsarbeit und dann müssen die Ergebnisse ja auch noch hinaus auf die Fläche und umgesetzt werden – hier sind wir mit ganz viel Herzblut, Woman- und Manpower dabei!”
Wasser im Wald zurückhalten
In einem Vorgängerprojekt hat das Team rund um Projektleiterin Puhlmann in Modellregionen die Grundlagen für Maßnahmen zum Wasserrückhalt im Wald geschaffen: Sie haben die “Hotspots” identifiziert, an denen Wasser abfließt und daraufhin konkrete Maßnahmen für die Stärkung des Wasserrückhalts vorgeschlagen.
Denn es gibt viele Faktoren, die den Oberflächenabfluss bei Starkregen beeinflussen: Wege, Gräben, bereits vorhandene Fließ- oder Stillgewässer. Der Verlauf von Hochwasserspitzen kann hier also begünstigt oder eben vermindert werden. Gleichzeitig wird durch schnelles Abfließen auch der Teil des Niederschlags, der in den Waldboden gelangen kann, durch verschiedene Faktoren reduziert. Maßnahmen zum Rückhalt von Niederschlagswasser können also sowohl dazu beigetragen, die Hochwasserentstehung aus Waldgebieten abzumildern und zu verzögern als auch die Wasserversorgung im Wald selbst zu verbessern.
Aus der Theorie in die Praxis
“Die Theorie ist schön und gut, aber wir müssen die Maßnahmen natürlich auch raus auf die Fläche bringen”, erklärt Puhlmann. Dafür erstelle das Projekt “Dezentraler Wasserrückhalt im Wald” jede Menge Material für die Forstpraxis, “und wir sind quasi im gesamten Bundesland auf Tournee.” In einem Info-Faltblatt erhält die Forstpraxis einen Überblick über mögliche Maßnahmen zum Wasserrückhalt auf ihren Waldflächen. In zahlreichen Steckbriefen werden die Maßnahmen dann detailliert beschrieben, sodass Planung, Bau und Wartung von Versickerungsgräben, Verdunstungsmulden, Rigolen und Co. Schritt für Schritt angegangen werden können. Das Team um Heike Puhlmann ist dabei nicht nur Ansprechpartner für die theoretischen Grundlagen, sondern bietet Beratungen und umfangreiche Schulungen an.
“Aus der Praxis bekommen wir jede Menge positiver Rückmeldungen”, erklärt Puhlmann. “Das Interesse an Maßnahmen zur Verbesserung des Wasserrückhalts ist groß. Viele Forstleute nutzen unsere Beratungs- und Informationsangebote als wichtige Grundlage, um erste Projekte auf den Weg zu bringen.”
Projekt durch Waldstrategie Baden-Württemberg gefördert
Das Projekt “Dezentraler Wasserrückhalt im Wald” wird seit April 2023 im Rahmen der Waldstrategie Baden-Württemberg gefördert. Das Ministerium für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat (MLR) hat die Waldstrategie ins Leben gerufen, um Konzepte zu entwickeln, mit denen den Veränderungen der Wälder im Land durch den Klimawandel begegnet werden kann. Neben der FVA arbeitet die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (Professur für Hydrologie) am Projekt mit, das MLR, das Regierungspräsidium Freiburg sowie zahlreiche Untere Forstbehörden, in denen die Maßnahmen umgesetzt werden.
Hintergrund: Der Undine Award
Unter dem Motto “Wasser für den Menschen” vergibt die Josef Wund Stiftung den Undine Award seit 2022 jährlich an Institutionen, Projekte oder Unternehmen, die einen Beitrag dazu leisten, Wasser zu erhalten und schonend zu nutzen. In drei Kategorien wird ein Preisgeld von insgesamt 60.000 Euro ausgeschrieben sowie ein Filmbeitrag zum Projekt erstellt.
Das Projekt um Heike Puhlmann wird 25.000 Euro erhalten. Davon plant das Projektteam zum einen Arbeiten für den Wissenstransfer zu finanzieren – unter anderem Erklärvideos zum Bau von Maßnahmen – und außerdem Tools zu entwickeln, die es Nutzerinnen und Nutzern ohne hydrologische Vorkenntnisse ermöglichen, geeignete Maßnahmentypen für ihre Gebiete (Geländesituation, Böden, Abflussbedingungen) zu identifizieren.
PDF-Download der Pressemitteilung
B. Knoblauch