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FVA BW/Menton-Enderlin
Abb. 1: Eine Station für Atem- und Entspannungsübungen im Kur- und Heilwald Schömberg (Calw).
Dominik, das neue Handbuch nimmt das Konzept der Kur- und Heilwälder unter die Lupe . Kannst Du kurz erklären, was genau sich dahinter verbirgt?
Im Kern geht es beim Konzept von Kur- und Heilwäldern darum, die vielfältigen, nachweislich positiven gesundheitlichen Wirkungen von Waldaufenthalten zielgerichtet zu nutzen – um unsere Gesundheit zu erhalten und zu stärken, aber auch, um sie im Falle einer Erkrankung oder Verletzung wiederherzustellen.
Im Handbuch wird von Kurwald und Heilwald gesprochen. Worin besteht der Unterschied zwischen diesen beiden Begriffen?
Im Kurwald liegt der Schwerpunkt auf Gesunderhaltung und Gesundheitsförderung, im Heilwald auf therapeutischen Maßnahmen. In der Praxis werden beide Ansätze oft kombiniert und sowohl gesundheitsfördernde als auch therapeutische Angebote entwickelt. Die Rede ist dann von einem “Kur- und Heilwald”. Grundsätzlich handelt es sich bei Kur- und Heilwäldern um ausgewählte Waldgebiete, die durch ihre Lage, ihre natürlichen Eigenschaften, ihre infrastrukturelle Ausstattung und bewährte Methoden der Vorsorge und Behandlung in besonderer Weise der Gesundheit dienen.
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Abb. 3: Beim Waldbesuch wirken vielfältige Aspekte positiv auf die körperliche und mentale Gesundheit.
Das Handbuch beginnt mit umfassendem Hintergrundwissen zu gesellschaftlichen Entwicklungen im Kontext von Wald und Gesundheit. Warum ist dieser Einstieg wichtig und welche Entwicklungen siehst Du hier als besonders relevant an?
Von einer wachsenden Sehnsucht nach Naturkontakt über eine alternde Gesellschaft bis hin zu den Folgen des Klimawandels verändert sich die Bedeutung von Wald und Gesundheit gerade in jüngster Zeit stark. Das Hintergrundwissen ist wichtig, um zu verstehen, welche Anknüpfungspunkte das große Thema Wald und Gesundheit bietet. Auch das Potenzial von Kur- und Heilwäldern lässt sich mit diesem Wissen besser nachvollziehen.
Anschließend wird auf aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu den gesundheitlichen Wirkungen von Waldaufenthalten eingegangen – etwa auf Herz-Kreislauf-System, Immunsystem und psychische Gesundheit. Was zeigt der aktuelle Forschungsstand?
Der Stand der Forschung macht deutlich, dass Waldbesuche mit vielfältigen positiven mentalen und körperlichen Wirkungen einhergehen. Der gesundheitliche Einfluss des Waldes ist nicht auf einen einzelnen Hauptfaktor zurückzuführen, sondern resultiert aus dem Zusammenspiel vielfältiger Aspekte. Gerade diese Vielfalt eröffnet Anknüpfungspunkte für verschiedene Bereiche der Gesundheitsförderung und Therapie, die ebenfalls im Handbuch beschrieben werden.
Im zweiten großen Teil des Handbuchs werden wissenschaftliche Erkenntnisse und Praxiserfahrungen in konkrete Empfehlungen für Kur- und Heilwälder übersetzt. Behandelt werden unter anderem:
Zusätzlich enthält das Handbuch Checklisten, Förderansätze, einen Kriterienkatalog sowie zahlreiche Praxisbeispiele.
Welchen konkreten Nutzen bringt das Handbuch und für wen?
Der gemeinsame Rahmen und die vielseitigen Hilfestellungen, die mit dem Handbuch vorliegen, erleichtern zukünftig die Entwicklung von Kur- und Heilwäldern in Baden-Württemberg. Davon profitieren interessierte Kommunen, Kliniken, Reha- und Kureinrichtungen ebenso wie Waldbesitzende, Forstbetriebe, Akteure aus Tourismus und Gesundheit und letztlich auch die Bevölkerung. Ersten Pilotprojekten im Land sollen nun weitere folgen.
Auch Anknüpfungspunkte zu Bereichen wie Public Health, Regionalentwicklung und Umweltbildung werden im Handbuch angesprochen. Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Praxisfeldern?
Kur- und Heilwälder sind als transdisziplinäre Projekte zu verstehen. Das heißt, die Zusammenarbeit verschiedener Praxisfelder ist für den langfristigen Erfolg von entscheidender Bedeutung. Es gilt ortsspezifisch zu prüfen, wer Interesse an einem Kur- und Heilwaldprojekt haben und davon profitieren könnte. Ebenso wichtig ist es zu klären, welche Interessenkonflikte möglicherweise bestehen. Dann gilt es diese Interessen an einen Tisch zu bringen und gemeinsam die projektspezifischen Ziele und Maßnahmen zu entwickeln. So kann nicht nur gesundheitlicher Mehrwert geschaffen werden, sondern beispielsweise auch Mehrwert für die Region, den Tourismus, die Umweltbildung und nicht zuletzt auch für die Natur.
Das Handbuch wurde unter Federführung der FVA in Kooperation mit der Fakultät “Health, Medical & Life Sciences” der Hochschule Furtwangen sowie mittels Beteiligung der Verbändelandschaft Baden-Württembergs erarbeitet. So wurde sichergestellt, dass vielfältige Perspektiven aus Wissenschaft und Praxis Eingang in die Entwicklung des Handbuchs finden. Den institutionellen Rahmen für die Verbändebeteiligung lieferte dabei das “Dialogforum Miteinander Wald Erleben” – eine landesweite Austausch- und Vernetzungsplattform für Verbände und Institutionen aus den Bereichen Erholung, Freizeit, Sport und Gesundheit im Wald sowie Waldbesitz, Waldbewirtschaftung und Naturschutz.
Das Dialogforum ist Teil der “Waldstrategie Baden-Württemberg 2050” des Ministeriums für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat. Grundlage für das Handbuch war die Arbeitsgruppe “Gesundheitsangebote im Wald”, die aus dem wachsenden Interesse am Konzept der Kur- und Heilwälder sowie dem Wunsch nach einem gemeinsamen Orientierungsrahmen für Baden-Württemberg entstand.
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Abb. 5: Mitglieder der AG “Gesundheitsangebote im Wald” bei einer gemeinsamen Begehung des Kur- und Heilwaldes Schömberg.
Dominik Menton-Enderlin
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