FVA-Meldung
Erster Luchsnachwuchs nach rund 200 Jahren: Jungtier in Baden-Württemberg bestätigt
FVA BW/Wittemann
Das Luchsjunge beim Wiegen während der Untersuchung durch das Monitoring-Team der FVA.
Wichtiger Meilenstein für das Projekt „Luchs Baden-Württemberg“
„Das Luchsmonitoring liefert uns wichtige Erkenntnisse zur Verbreitung und Populationsgröße der Luchse im Land und bildet eine wichtige Grundlage für das Luchsmanagement. Es freut mich sehr, dass es gelungen ist, den ersten Luchsnachwuchs im Land zu bestätigen“, sagte Ministerin Marion Gentges MdL. „Damit haben wir einen wichtigen Meilenstein im Projekt der Bestandsstützung erreicht und können erstmals nach 200 Jahren wieder Luchsnachwuchs in Baden-Württemberg begrüßen.“
Die Wurfhöhle konnte anhand der Telemetriedaten lokalisiert werden. Das Team der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) untersuchte das Jungtier vor Ort – mit erfreulichem Ergebnis.
„Für die FVA ist das ein großer Erfolg, auf den unsere Fachleute gemeinsam mit unseren Partnern über Jahre hinweg mit großem Engagement hingearbeitet haben“, sagte Prof. Dr. Ulrich Schraml, Direktor der FVA. „Unser Team konnte das Jungtier untersuchen. Es ist gesund und munter.“
Genetische Proben sollen in den kommenden Wochen weitere Erkenntnisse liefern – unter anderem zur Vaterschaft.
Weitere positive Entwicklungen im Luchsmonitoring
Auch unabhängig vom bestätigten Nachwuchs zeigen aktuelle Nachweise, dass sich die Situation des Luchses in Baden-Württemberg weiter entwickelt:
- Luchskatze Verena und Luchskuder Reinhold gemeinsam erfasst: Bildserien aus der Gemeinde Forbach (Landkreis Rastatt) zeigen die beiden Ende 2024 ausgewilderten Tiere gemeinsam – ein Hinweis auf eine mögliche Verpaarung während der Ranzzeit.
- Zwei weitere Tiere im Schwarzwald sesshaft: Neben Elisabeth im Nordschwarzwald gilt inzwischen auch ein weiteres Tier im Südschwarzwald als territorial. Nachweise liegen aus dem Raum Schluchsee, Ühlingen-Birkendorf und Todtmoos vor.
- Mindestens ein neuer Luchs zugewandert: Genetische Analysen aus dem Nordschwarzwald bestätigen mit BW_LL025m einen weiteren bislang unbekannten Kuder. Zusätzlich wurde Anfang Juni im Raum Löffingen ein Luchs mit bislang nicht zugeordnetem Fleckenmuster dokumentiert.
Aktuell sind damit mindestens elf Luchse in Baden-Württemberg bekannt.
Wissenschaftlich begleitetes Bestandsmanagement
Mit dem Projekt „Luchs Baden-Württemberg“ verfolgt das Land seit 2023 das Ziel, ein dauerhaft überlebensfähiges Luchsvorkommen aufzubauen. Dafür werden geeignete Tiere aus dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm ausgewildert und durch Telemetrie sowie Monitoring wissenschaftlich begleitet.
Die FVA übernimmt die Projektleitung und arbeitet gemeinsam mit dem Landesjagdverband Baden-Württemberg, WWF Deutschland, dem Zoologischen Stadtgarten Karlsruhe und der Luchs-Initiative Baden-Württemberg an der Umsetzung. Unterstützt wird das Projekt durch die alosa Stiftung. Auftraggeber ist das Ministerium für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat Baden-Württemberg.
Langfristig soll ein vernetztes Luchsvorkommen mit Populationen im Pfälzerwald, den Vogesen und dem Jura entstehen, ein wichtiger Beitrag zum Erhalt des Luchses in Mitteleuropa.