„Viele Wildtiere werden im April ohnehin aktiver“, erklärt Johanna Heeres, die am FVA-Wildtierinstitut zu Ursachen von Wildunfällen forscht. „In den Dämmerungsstunden sind sie auf der Suche nach Nahrung oder nach geeigneten Revieren – auch weite Streifzüge von Jährlingen tragen dazu bei, dass Rehe sich viel bewegen und dabei lange Wege zurücklegen und natürlich auch Straßen queren.“
Neue Forschungsergebnisse weisen Unterschiede zwischen Frühjahr und Herbst nach
Mit der Zeitumstellung im Frühjahr fällt der Pendelverkehr verstärkt auf die aktivste Zeit der Wildtiere vor Sonnenaufgang. So steigt nach der Zeitumstellung im Frühjahr das Risiko für Wildunfälle besonders vor Sonnenaufgang. Abends bleibt es länger hell und damit sinkt das Risiko für einen Wildunfall auf der Rückfahrt von der Arbeit.
Aktuelle Forschungsergebnisse von Johanna Heeres am Wildtierinstitut der FVA in Freiburg weisen darauf hin, dass sich in der Woche nach der Zeitumstellung im Frühjahr 30 % mehr Wildunfälle ereignen. Im Gegensatz sind es nach der Zeitumstellung im Herbst nur 7 % mehr Wildunfälle. An Wald-Feld-Grenzen sei die Wahrscheinlichkeit für Wildquerungen am höchsten, sagt Heeres. Grundsätzlich müsse aber überall damit gerechnet werden.
Rehe am stärksten betroffen
In Baden-Württemberg sind Rehe die am häufigsten von Wildunfällen betroffenen Tiere: Rund 15.000 fallen jährlich Unfällen im Straßenverkehr zum Opfer. Gefolgt werden sie von etwa 1.200 Wildschweinen. Besonders betroffen sind auch Tierarten wie Fuchs (1.500 pro Jahr) oder Dachs (1.000 pro Jahr).
Verhalten im Ernstfall oft unklar
Was tun, wenn ein Wildtier plötzlich auf der Straße steht? „Wenn der Ernstfall eintritt, sind viele Autofahrerinnen und -fahrer erstmal mit der Situation überfordert“, erklärt Johanna Heeres. „Wichtig ist: Wenn die Kollision mit einem Wildtier nicht mehr verhindert werden kann, dann bremsen und das Lenkrad festhalten. Lieber wird ein Zusammenstoß mit dem Tier riskiert, als dass das Fahrzeug unkontrolliert in den Gegenverkehr ausweicht.“ Nach einem Unfall muss die Unfallstelle gesichert werden: Warnblinker einschalten, Warnweste anlegen, Warndreieck aufstellen. Anschließend muss die Unfallstelle der Polizei unter 110 gemeldet werden. „Falls es der Verkehr zulässt und die Person Handschuhe dabei hat, kann sie ein totes Tier von der Straße ziehen“, sagt Heeres. Zu verletzten Tieren dagegen sollte ein Abstand eingehalten werden, damit sich das Tier beruhigen kann.
Wildtierunfälle durch umsichtiges Verhalten im Straßenverkehr vermeiden
So können Autofahrerinnen und Autofahrer die Wahrscheinlichkeit für einen Wildunfall reduzieren:
- In Dämmerungs- und Nachtzeiten aufmerksam und mit angepasster Geschwindigkeit fahren. So kann rechtzeitig reagiert werden, wenn Wildtiere an oder auf der Fahrbahn auftauchen.
- Erscheint das Verkehrszeichen "Achtung Wildwechsel", weist dieses auf einen Wildunfallstrecke hin. Das bedeutet: Mehrere Wildunfälle haben sich in dem Bereich bereits ereignet. Daher Geschwindigkeit reduzieren.
- Ist ein Wildtier am Straßenrand zu sehen, muss damit gerechnet werden, dass weitere Wildtiere auftauchen und die Straße queren können.
FVA BW