FVA-Meldung

Klimawandel verändert das Risiko durch Waldschädlinge: Neuer Beitrag auf waldwissen.net

Buchdrucker-Befallsherd in einem Fichtenbestand. Höhere Temperaturen und Trockenstress begünstigen die Entwicklung von Rinden- und Holzbrütern und erhöhen das biotische Risiko. Foto: Waldschutz Schweiz (WSL) Waldschutz Schweiz (WSL)

Buchdrucker-Befallsherd in einem Fichtenbestand. Höhere Temperaturen und Trockenstress begünstigen die Entwicklung von Rinden- und Holzbrütern und erhöhen das biotische Risiko. Foto: Waldschutz Schweiz (WSL)

Steigende Temperaturen und zunehmende Trockenheit verändern nicht nur die Wachstumsbedingungen der Wälder – sie verschieben auch das Kräfteverhältnis zwischen Bäumen und ihren Schädlingen. Eine neue Auswertung der FVA zeigt, dass sich das Risiko durch Insekten und Krankheitserreger für verschiedene Baumarten in Europa unterschiedlich stark verändert. 

Grundlage der Untersuchung ist eine umfassende Meta-Analyse von fast 200 internationalen Studien. Die Forschenden werteten insgesamt 457 Beobachtungen zu 55 Insekten- und Pathogenarten aus, die an sechs wirtschaftlich wichtigen Baumgattungen auftreten: Fichte, Tanne, Eiche, Kiefer, Douglasie und Buche. Ziel war es zu untersuchen, wie sich steigende Temperaturen und Trockenheit auf Entwicklung, Überleben, Vermehrung und Ausbreitung dieser Schadorganismen auswirken.

Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Baumarten. Fichte und Tanne weisen die größten Risikoanstiege auf, insbesondere durch Holz- und Rindenbrüter wie den Buchdrucker. Eiche und Kiefer liegen im Mittelfeld. Douglasie und Buche zeigen derzeit die geringsten Risikoanstiege. Ein wesentlicher Grund: Höhere Temperaturen beschleunigen die Entwicklung vieler Schadinsekten, ermöglichen zusätzliche Generationen pro Jahr und erhöhen ihre Überlebenschancen im Winter. Gleichzeitig kann Trockenstress die Abwehrkräfte der Bäume schwächen.

Aus der Kombination von Klimareaktionen und Schadpotenzial entwickelten die Forschenden einen Risikoindex, der das biotische Gefährdungspotenzial verschiedener Baumgattungen vergleichbar macht. Der Index ist kein Prognoseinstrument, ermöglicht jedoch eine systematische Einordnung der Risiken auf Grundlage des aktuellen Wissens.

Für die Praxis bedeutet dies: Risiken durch Schädlinge und Krankheitserreger sollten bei der Baumartenwahl und der Bewertung von Standorten stärker berücksichtigt werden. Mischbestände mit Baumarten unterschiedlicher Risikoprofile können dazu beitragen, die Ausbreitung spezialisierter Schadorganismen zu verlangsamen und die Stabilität von Waldbeständen zu erhöhen.

Die wissenschaftliche Studie wurde von der FVA erarbeitet. Die Aufbereitung der Ergebnisse für die forstliche Praxis erfolgte gemeinsam mit der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL). Der Beitrag entstand im Rahmen des europäischen Netzwerks TriNational ForestLab, das Forschung und Wissenstransfer zwischen Deutschland, der Schweiz und Frankreich stärkt.

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