FVA-Meldung

Luchs bei Schopfheim mit Halsbandsender ausgestattet

Am Donnerstagabend hat ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) einen wildlebenden männlichen Luchs nordöstlich von Schopfheim gefangen, mit einem Halsbandsender ausgestattet und anschließend zurück in den Wald entlassen.

Ein Autofahrer hat bei Todtmoos am Donnerstagmorgen eine einzigartige Beobachtung gemacht: Aus dem Auto heraus sah er ein luchsähnliches Tier neben einem erbeuteten Reh an der Straßenböschung. Es gelang ihm, das Tier zu fotografieren. Der zuständige Jagdpächter leitete die Aufnahmen an das FVA-Wildtierinstitut weiter und die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten bestätigen: Es handelt sich tatsächlich um einen Luchs.

Luchs ist bei bester Gesundheit

Mitarbeitende der FVA untersuchten den gemeldeten Riss vor Ort, nahmen genetische Proben und starteten mit Unterstützung von Marco Roller, Veterinär des Zoos Karlsruhe, einen Fangversuch, der erfolgreich verlief. Dadurch stellten sie fest: Es handelt sich um einen anderthalb bis zweijährigen Luchskuder bei bester Gesundheit. Nach Untersuchung und Besenderung wurde das Tier vor Ort wieder freigelassen. Ob das Tier schon einmal in Baden-Württemberg nachgewiesen wurde, wird aktuell noch geprüft.

Halsbandsender liefert zahlreiche Informationen

In den kommenden zwei Jahren wird das Halsband Informationen liefern, die Rückschlüsse über die Lebensraumnutzung, Wanderbewegung und indirekt auch das Nahrungsspektrum des Tieres ermöglichen. Aus wissenschaftlicher Sicht ist das Gebiet, in dem der Luchs besendert wurde, sehr spannend: Tiere, die aus der Schweiz nach Baden-Württemberg einwandern, tauchen immer wieder in dieser Region auf. Dabei ist allerdings nicht klar, an welcher Stelle sie den Rhein oder größere Straßen queren.

Erfolgreiche Besenderung dank enger Zusammenarbeit

Nur durch die enge Zusammenarbeit mit der lokalen Jägerschaft waren der Fangerfolg und die Besenderung des Luchskuders möglich. Die Namensgebung erfolgt durch den Landesjagdverband Baden-Württemberg, der die Patenschaft für besenderte Luchse im Land übernimmt.

Das Projekt "Luchs Baden-Württemberg"

Um das Luchsvorkommen im Land zu stärken, läuft das Projekt "Luchs Baden-Württemberg – Bestandsstützung der Luchsvorkommen in Baden-Württemberg und den angrenzenden Regionen". Es ist ein Projekt der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg in Kooperation mit dem Landesjagdverband Baden-Württemberg, dem WWF Deutschland und dem Zoologischen Stadtgarten Karlsruhe. Es wird zudem durch die HIT-Umwelt- und Naturschutzstiftung sowie die Luchs-Initiative Baden-Württemberg e.V. unterstützt. Auftraggeber ist das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.

Die in Baden-Württemberg ausgewilderten Luchse stammen aus dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm für Karpatenluchse, welches durch die European Association of Zoos and Aquaria (EAZA) koordiniert wird.

Das Projekt "Luchs Baden-Württemberg" wird vom Expertinnen- und Experten-Netzwerk Linking Lynx begleitet, das sich mit der Erhaltung, dem Monitoring und dem Management des Karpatenluchses beschäftigt. Langfristiges Ziel ist es, eine lebensfähige Metapopulation des Karpatenluchses in Europa zu schaffen, welche sich von den Karpaten bis hin zum Jura, den Westalpen und dem Dinarischen Gebirge erstreckt. Die Besenderung von Luchsen und das Monitoring sind wichtige Bausteine, um die Rückkehr der Luchse wissenschaftlich zu begleiten.

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