Auf leisen Pfoten zurück

Nachrichten aus der FVA

Die FVA, die Wildforschungsstelle Aulendorf und der BUND-Landesverband veröffentlichen gemeinsam eine Karte mit der aktuellen Verbreitung der Wildkatze in Baden-Württemberg.

In Baden-Württemberg galt die Wildkatze seit 1912 als ausgestorben. Im Januar 2006 wurde der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg eine überfahrene Katze mit dem Habitus einer Wildkatze bei Breisach am Kaiserstuhl gemeldet, die in Folge zweifelsfrei als Wildkatze bestätigt werden konnte. Ein zweiter Wildkatzennachweis gelang exakt ein Jahr später wiederum am Kaiserstuhl.
Seither lief eine systematische "Rasterfahndung" nach der Wildkatze auch in anderen Regionen, die von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg (FVA), der Wildforschungsstelle in Aulendorf (WFS) und dem BUND mit der Lockstock-Methode durchgeführt wurde. Bei dieser Methode werden die Katzen mittels Baldrian an eine angerauhte Holzlatte (= Lockstock) gelockt, woran sie sich reiben und ihre Haare hinterlassen. Über eine genetische Analyse konnten mit dieser Methode insbesondere im Kaiserstuhl und in der Rheinebene zahlreiche Wildkatzen nachgewiesen werden. Der spektakulärste Nachweis gelang allerdings per Zufall im Juni 2009: Damals fand eine Joggerin 2 junge Katzen in der Nähe von Baden-Baden, die vom Genetiklabor der FVA eindeutig als Wildkatzen bestätigt werden konnten. Die ca. 5 Wochen alten Tiere wurden von den Forschern auf die Namen "Hänsel" und "Gretel" getauft, im Sommer 2009 in einer Auswilderungsstation in der Eifel aufgepäppelt und im Oktober 2009 in der Nähe des Fundortes wieder in die Freiheit entlassen. Dabei wurden sie mit Halsbandsendern versehen und sind seither Teil des Wildkatzenprojektes der FVA in der Oberrheinebene. Mittlerweile gibt es auch Hinweise auf die Anwesenheit der Wildkatze im Naturpark Stromberg-Heuchelberg und im Bereich Ohmden (Landkreis Esslingen).
Dies alles zeigt: Die Wildkatze lebt in Baden-Württemberg, wenn auch sehr heimlich!
Nun haben die beteiligten Organisationen ihre Erkenntnisse zusammengetragen und veröffentlichen gemeinsam eine Karte, in der das derzeitige Vorkommen der Wildkatze in Baden-Württemberg dargestellt ist.

Erläuterungen zur Verbreitungskarte (als pdf-Datei zum Herunterladen):

Während bei der Lockstockmethode über die genetische Analyse ein Wildkatzennachweis erbracht wird, gibt es bei Totfunden von Katzen auch noch die Möglichkeit morphometrischer Untersuchungen. Darunter versteht man das Messen bestimmter Körperteile (z.B. Schädelvolumen und Darmlänge), bei denen sich Wild- und Hauskatzen eindeutig unterscheiden. Am aussagekräftigsten sind hier die Schädelmaße, die eine ebenso sichere Aussage wie die Genetik erlauben.

Ein Schwerpunkt der Wildkatzenverbreitung in Baden-Württemberg liegt aktuell im Gebiet Kaiserstuhl und den dort angrenzenden Rheinauenwäldern. Ob die gesamte Rheinebene bereits durch die Wildkatze besiedelt ist, ist noch unklar. Die Lockstockuntersuchungen bei Schwanau und Karlsruhe, sowie die Totfunde bei Rastatt und Lichtenau lassen jedoch eine Verbreitung entlang des Rheins vermuten. Durch die Nähe zu der in Baselland (Schweiz) nachgewiesenen Wildkatzenpopulation ist der Totfund nahe der Schweiz im Hinblick auf den Ursprung der bei uns lebenden Wildkatzen von besonderem Interesse. Genetische Analysen werden hier Aufschluss über eventuelle Verwandtschaftsbeziehungen geben können.
Der Wildkatzennachweis mittels Lockstöcken bei Ohmden, sowie der Totfund am Stromberg sprechen aufgrund des geringen Probenumfangs (Esslingen: ein Lockstock mit lediglich einer Haarprobe; Stromberg: Totfund wurde genetisch bestätigt, Körpermaße waren jedoch nicht eindeutig) aktuell noch nicht für ein gesichertes Vorkommen der Wildkatze in diesen Bereichen. Hier ist es besonders wichtig weitere Wildkatzennachweise zu erbringen, um Klarheit zu haben.
Die nördlichsten Wildkatzennachweise können erst nach Absprache mit Experten aus Bayern und Hessen eindeutig interpretiert werden.

Sollten Sie Wildkatzen beobachtet haben, vor allem in Gebieten die auf der Verbreitungskarte nicht eingezeichnet sind, wenden Sie sich bitte an den in Ihrem Landkreis zuständigen Wildtierbeauftragten oder direkt an die WFS oder die FVA.

Warenkorb

Titel Anzahl Preis
Gesamtpreis: