Landesregierung informiert sich vor Ort über Waldzustand

Nachrichten aus der FVA

Ministerpräsident Günther H. Oettinger und Minister für Ernährung und Ländlichen Raum Peter Hauk: Land hat bereits große
Erfolge im ökologischen Waldumbau erzielt und damit gute Grundlage geschaffen, um neuen klimabedingten Risiken für den
Wald entgegenzuwirken

3-Phasen-Konzept gegen Klimawandel


"Baden-Württemberg verfügt über vorratsreiche und naturnahe Wälder, die wichtige wirtschaftliche, gesellschaftliche und ökologische Funktionen erfüllen. Wir können in Baden-Württemberg große Erfolge im ökologischen Waldumbau vorweisen und haben damit eine gute Grundlage geschaffen, um den neuen klimabedingten Risiken für den Wald entgegenzuwirken", sagten Ministerpräsident Günther H. Oettinger und der Minister für Ernährung und Ländlichen Raum, Peter Hauk, am Montag (29. Juni 2009) im Rahmen einer Ministerratssitzung in Forst (Landkreis Karlsruhe).
Trotz ehrgeiziger Klimaschutzziele der Bundes- und Landesregierung könnten die Klimaveränderungen nicht gestoppt, sondern nur noch in ihrem Umfang eingeschränkt werden. Baden-Württemberg gehöre nach derzeitiger Erkenntnis aufgrund seiner geographischen Lage zu den am stärksten betroffenen Regionen.

Maßnahmen gegen Klimawandel


Die konzeptionelle Herangehensweise der Landesforstverwaltung sehe drei
Phasen vor, um die Wälder an die Folgen des Klimawandels anzupassen. "Waldwirtschaft ist ein Prozess, der sich weit über 100 Jahre erstreckt. Nur wer heute vorausschauend plant, kann den Wald für die folgenden Generationen bewahren", erklärten Oettinger und Hauk.

1. Schnelle Umsetzung einer naturnahen Waldwirtschaft
In Phase 1 (2010 bis ca. 2030) werde von einer durchschnittlichen Erwärmung von plus ein Grad Celsius gegenüber heute ausgegangen. Nach derzeitigen Schätzungen müssten rund 87.000 Hektar Wald, die heute mit Fichte bestockt seien, trockenheits- und sturmrisikobedingt konsequent umgebaut werden. Vorbau und Umbau stünden als geeignete waldbauliche Verfahren zur Verfügung. Zudem könnten geeignete Laubbäume gezielt gefördert werden.

2. Gezielter Einsatz heimischer und fremdländischer Baumarten
Die zweite Phase erstrecke sich über den Zeitraum von ca. 2030 bis ca. 2050. Hier werde von einer Erwärmung von ca. plus zwei Grad Celsius gegenüber heute ausgegangen. Um die Wälder stabil zu halten, müssten besser geeignete einheimische und fremdländische Baumarten integriert werden. Hierfür kämen beispielsweise Douglasien, Roteichen und Schwarz-Kiefern in Frage, aber auch weiterhin Eichen, Eschen und Linden. Zudem werde die Risikovermeidung eine noch stärkere Rolle bei der Waldbehandlung spielen. "Das bedeutet, Bäume müssen aufgrund ihres
Standorts gegebenenfalls früher genutzt und bestehende Holzvorräte reduziert werden. In dieser Frage brauchen wir dringend eine intensive Forschung", betonte Minister Hauk.

3. Bis 2100 Erwärmung von über vier Grad zu erwarten
Die dritte Phase umfasse den Zeitraum zwischen ca. 2050 bis ca. 2100. Maßnahmen in diesem Zeitraum seien von der weiteren Entwicklung des Klimawandels abhängig. Bei einer Erwärmung von über vier Grad Celsius müssten weitergehende Waldbaukonzepte entwickelt werden.

Gezielte Beratung von Waldbesitzern erforderlich


Ein wichtiger Partner im Umgang mit dem Klimawandel und seinen Auswirkungen auf den Wald sei die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg, sagte Hauk. Sie helfe mit, dass die praktische Umsetzung der geplanten Maßnahmen erfolgreich vollzogen werden könne. "Der Wissenstransfer von der FVA zu den Waldbesitzern und -bewirtschaftern nimmt an Bedeutung zu. Waldbesitzer müssen auf Basis der Erkenntnisse aus der Klimaforschung sensibilisiert und beraten werden", betonte Minister Hauk.

Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)


Die FVA ist das Betriebsforschungsinstitut der Landesforstverwaltung und damit dem Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum in Stuttgart zugeordnet. Die FVA ist Ansprechpartner für alle Fragen rund um das Thema Wald und Forstwirtschaft. Im Rahmen von Forschungs- und Entwicklungsprojekten erfüllt sie die Aufgabe, zielorientierte, praxisnahe und konkrete Konzepte und Informationen für Waldbesitzer, Förster und die Öffentlichkeit zu erarbeiten. Sie befasst sich bereits seit mehreren Jahren in einem Forschungsschwerpunkt mit der Klimafolgenforschung für den Wald. Die hohe Kompetenz der FVA auf diesem Fachgebiet zeigt sich u. a. darin, dass sie mit der Koordination zweier großer internationaler Forschungsverbünde im Bereich Klimawandel beauftragt wurde, die aus dem 7. Forschungsrahmenprogramm der EU, bzw. aus INTERREG, mit jeweils mehreren Millionen Euro finanziert werden.
Weitere Informationen zum Thema Auswirkungen des Klimawandels auf den
Wald sind auf der Homepage der FVA abrufbar. Eine Broschüre der FVA mit Aufgaben und Forschungen zum Klimawandel kann heruntergeladen werden.

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