Sicherer Luchsnachweis im Donautal

Forschung

Im Donautal bei Sigmaringen wurde am 19. und 21.09.2005 der sichere Nachweis eines in Freiheit lebenden Luchses durch Wildforscher der FVA erbracht. Ein Jagdpächter hatte das Tier zuvor in unmittelbarer Nähe eines frisch gerissenen Rehs beobachtet und daraufhin die für das Monitoring des Luchses in Baden-Württemberg zuständige Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt verständigt. Anhand charakteristischer Spuren, die der Luchs an dem Reh hinterlassen hatte, konnte der durch die FVA beauftragte Zoologe Gerhard Arndt die Annahme bestätigen, dass das Reh von einem Luchs erbeutet wurde. Eine daraufhin von den Wildforschern installierte Videoanlage filmte den Luchs bei seiner Rückkehr an den Riss, wodurch die Beobachtung zweifelsfrei bestätigt wurde.

Seit der Ausrottung des Luchses in Mitteleuropa vor rund 200 Jahren wurde somit erstmals wieder ein sicherer Nachweis dieser Tierart im Donautal erbracht. Nach einer ersten Auswertung der Aufnahmen gibt es Indizien dafür, dass dieses Tier in freier Wildbahn aufwuchs. Es ist unbekannt, aus welchem Gebiet dieser Luchs zugewandert sein könnte. Subadulte Luchse können auf der Suche nach neuen Territorien große Strecken zurücklegen. Die nächsten mit Luchsen besiedelten Gebiete sind der Schweizer Jura und die Vogesen.


Der Luchs ist für den Menschen ungefährlich. Er ist Überraschungs- und Einzeljäger und ernährt sich hauptsächlich von Reh- und Gamswild, sowie von anderen in seinem Lebensraum vorkommenden Tierarten, wie z.B. Rotwildkälbern, Feldhasen, jungen Wildschweinen, Füchsen, Dachsen, Mardern, sonstigen Kleintieren und Vögeln. Sesshafte Luchse haben im Schnitt ein Streifgebiet von 10.000 Hektar. Aufgrund dieser Größe werden in einem von dem Luchs besiedelten Gebiet in der Regel im Jahr 0,6 bis 1,2 Rehe pro 100 Hektar gerissen – von einer Gefahr für den Rehbestand kann daher nicht gesprochen werden.

Die Rückkehr des Luchses in Naturräume Südwestdeutschlands wird seit einigen Jahren durch Fachleute und andere Interessenten begleitet. Dazu hat das Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg (MLR) im Jahr 2004 eine "Arbeitsgemeinschaft Luchs Baden-Württemberg" initiiert. Die von der AG gemeinsam aufgestellten Zielsetzungen und Aufgaben sind:

  • Koordination der Zusammenarbeit zwischen Interessengruppen, Verwaltungen, Wissenschaftlern und Verbänden, die mit dem Luchs zu tun haben
  • offener Austausch von Informationen
  • Transparenz der Methoden und der Ergebnisse des Luchs-Monitorings
  • Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit
  • Abstimmung von Aktivitäten im Falle einer natürlichen Wiederbesiedlung Baden-Württembergs durch den Luchs
  • Intensivierung der Zusammenarbeit mit anderen Ländern und Bundesländern insbesondere auch durch die Erkundung eines länderübergreifenden Biotopverbundes.



Die Situation des Luchses wird durch ein ständiges Monitoring erfasst. Das Monitoring ist für Baden-Württemberg organisatorisch bei der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) angesiedelt. Als lokale Ansprechpartner stehen die sogenannten "Wildtierbeauftragten" zur Verfügung. Die Wildforscher der FVA bitten darum, alle auffälligen Risse oder Beobachtungen direkt an die unten angegebenen Stellen für eine schnelle Überprüfung zu melden.

Luchs-Monitoring

Das von allen Partnern der AG Luchs gemeinsam getragene und unterstützte Monitoring kann nur umgesetzt werden, wenn alle Beobachtungen von Luchsen, Fährten oder Rissen direkt gemeldet werden an:
den örtlich zuständigen Wildtierbeauftragten oder
an die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt

Tel. 0761 / 4018 - 274
oder 0761 / 4018 - 0
Fax 0761 / 4018 - 333
E-Mail: Rudi.Suchant (@forst.bwl.de)

oder an Gerhard Arndt
Tel. 07244 / 737476
oder 0172 / 7861940



Zur Videoaufnahme (mpg-file, 5,5MB)
Zur Abt. Landespflege

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