Methodik
Vereinfachte Standortsinformation
Im Gegensatz zur regulären Standortskartierung erfolgt für die Vereinfachte Standortsinformation keine eigene Kartierung im Gelände. Die modellierten Substratprognosen können nicht mit der Genauigkeit einer Geländekartierung konkurrieren oder diese gar ersetzen. Die Vorteile und Ziele der Vereinfachten Standortsinformation liegen in einer zeitnah verfügbaren, für die Anwenderinnen und Anwender leicht zugänglichen und objektivierten Einschätzung der waldbaulichen Möglichkeiten auf Basis der Standortskunde.
Das Verfahren lässt sich in drei Teilschritte gliedern:
1. Aktualisierung der Höhenstufengliederung
Die standortskundlichen Höhenstufen sind ein entscheidendes Kriterium bei der Bewertung der Baumarteneignung, da sie die unterschiedlichen klimatischen Zustände abbilden, die das Waldwachstum beeinflussen. Da sich die klimatischen Bedingungen seit der erstmaligen Ausweisung bzw. der letzten Bearbeitung der Höhenstufen verändert haben, wurden die Höhenstufengrenzen mit einem Klassifikationsverfahren an die aktuellen klimatischen Verhältnisse angepasst. Berücksichtigt wurden dabei Klimavariablen zu Temperatur, Niederschlag, Windgeschwindigkeit, Dampfdruckdefizit, Strahlung und klimatischen Kenntagen. Eine ausführliche Beschreibung der Methodik zur Höhenstufenverschiebung ist in der Veröffentlichung von Frankenberg (2022) zu finden.
2. Modellierung der Substratprognose
Ziel des modellgestützten Teils des Projektes ist eine Aufarbeitung aller digital zur Verfügung stehenden Daten, um damit Substratprognosen zu modellieren. Die Substratprognosen sollen den bestehenden Substratreihen (Öko-Serien) der regulären Standortskartierung so ähnlich wie möglich sein und eine Auskunft über die vorkommenden Substrate sowie die Geländemorphologie einer Fläche geben. Essentiell ist das Vorliegen von bereits erfolgten Standortskartierungen, die als Trainingsgebiete für das Modell verwendet werden können.
3. Erstellung des Kartierschlüssels
Um für einen gegebenen Standort eine Baumarteneignung abzuleiten, müssen die Substratprognosen vor Ort noch hinsichtlich ihres Wasserhaushalts und ihrer Säurestufe genauer differenziert werden. Die in der regulären Standortskartierung verwendeten Kriterien für die Differenzierung von Standortseinheiten wurden für den Kartierschlüssel zu folgenden Merkmalen vereinfacht: Der Wasserhaushalt terrestrischer Öko-Serien wurde zu den drei Ausprägungen mäßig trocken, mäßig frisch und frisch zusammengefasst. Die Säurestufe wurde zu den beiden Ausprägungen neutral bis sauer und stark sauer zusammengeführt. Einfach anzusprechende, den Wasserhaushalt und die Säurestufe differenzierende Merkmale zur Lage im Gelände, zur Humusform und zur Bodenvegetation wurden herausgearbeitet. Anhand der Ausprägung der Merkmale im Gelände entscheiden sich die Nutzerinnen und Nutzer für eine der möglichen Wasserhaushalts- und Säurestufen und somit für eine Einschätzung der Standortseinheit (Standortsprognose).
Literatur und Quellen
- Frankenberg, R. (2022): Modellierung der Höhenstufen und deren Verschiebung unter sich ändernden klimatischen Bedingungen im Mittleren Schwarzwald. standort.wald Heft 52, 29–35
- Frankenberg, R.; Peters, S.; Ardao Rivera, E.; Michiels, H.-G. (2024): Vereinfachte Standortsinformation: Modellgestützt zur Standortsprognose. standort.wald Heft 53, 61-68. Verfügbar unter https://www.vfs-freiburg.de/publikationen/aktuelle-publikationen/