Aktuelle Situation
09.07.2026
FANGZAHLEN
In vielen der Monitoringregionen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sind die Fangzahlen (trotz bester Schwärmbedingungen) leicht abgesunken. Auffällig hoch waren in der letzten Woche lediglich die Buchdrucker-Fänge am Standort Herzogsweiler im Mittleren Schwarzwald (3.000, vorher max. 200) und am selben Standort die Kupferstecher-Fänge (30.000). Auf etwas erhöhtem Niveau verbleibt weiterhin der Odenwald (1.000-2.000 Buchdrucker/Falle). Bis auf die Höhenlagen sind bereits überall Jungkäfer der ersten Generation unterwegs.
Die Fangzahlen vermitteln aktuell also nicht das Bild von sich aufbauenden Käferpopulationen. Auch die Bilanz des bislang 2026 eingeschlagenen Käferholzes ist nicht besorgniserregend; die Zahlen liegen hier deutlich unter den letztjährigen. Spannend bleibt, wie sich der zunehmende Trockenstress der Fichten auf die Befallsdynamik im weiteren Saisonverlauf auswirkt.
BRUTBÄUME
Mit dem Beginn der Anlage der zweiten Käfergeneration werden derzeit an den entsprechenden Standorten frische Brutbeobachtungsbäume ausgelegt. Diese sind bereits oder werden in Kürze besiedelt, sodass der Verlauf der Entwicklung dieser Bruten nun wöchentlich beobachtet und dokumentiert werden kann. Ebenso kann der Entwicklungsfortschritt im PHENIPS-Clim-Modell für Südwestdeutschland abgelesen werden.
AUSBLICK
Es bleibt warm und trocken - das Befallsrisiko also erhöht! Zudem leiden die Fichten zunehmend unter Trockenstress und sind damit befallsanfälliger. Das heißt, je gestresster die Fichten und je schlechter die Abwehrfähigkeit (eingeschränkte Harzproduktion), desto leichter können auch wenige Buchdrucker eine Fichte erfolgreich besiedeln und zum Absterben bringen.
Was ist zu tun?
Auf zur Frischbefallskontrolle! Mit den aktuell ausfliegenden Jungkäfern auf Wirtsbaumsuche entsteht frisches Bohrmehl, welches bei der trockenen Witterung hinter den Rindenschuppen bzw. am Stammfuß verbleibt und gut sichtbar ist. Dabei sind nun im Sommer nicht nur sonnenexponierte Beständen und Bestandesränder betroffen, sondern auch das etwas kühlere Bestandesinnere.
Ebenso sind planmäßig geerntete Fichtenholzpolter, welche in der Folge befallen wurden, umgehend aus den gefährdeten Beständen zu transportieren. Ansonsten besteht auch dort die Gefahr des Käferausfluges und Frischbefalls im nahen Polterumfeld.
Wie erkenne ich Befall?
Bohrmehl ist das erste sichere Befallsmerkmal, das vor allem bei der Anlage der Muttergänge entsteht. Bei trockener und windstiller Witterung sammelt sich dieses Bohrmehl auf Rindenschuppen, am Stammfuß oder auf der Bodenvegetation. Harztropfen wiederum sind noch kein sicheres Befallsmerkmal: sie zeigen lediglich, dass sich die Fichte gegen Einbohrversuche wehrt. Da die Abwehr der Fichten (je nach Vitalität und Wasserversorgung) erfolgreich sein kann, sollten solche Bäume erstmal beobachtet werden.
Im späteren Verlauf der Brutentwicklung (ab Larvenstadium) können auch Spechtabschläge auf Käferbäume hinweisen. Erste physiologische Reaktionen der Fichten wie Vergilbung und Abfallen der Nadeln treten meist deutlich später auf: Hier ist Eile geboten mit der Aufarbeitung! Wenn die Fichte rot ist und die Rinde großflächig abfällt, ist eine Sanierung meist schon zu spät.
Was tun mit dem Käferholz?
Erkanntes Käferholz sollte am besten direkt ins Sägewerk abgefahren werden! Vor allem Windwürfe und Polter, die schon früh im Jahr besiedelt wurden, sollten nun umgehend abtransportiert werden, da hier das Jungkäferstadium immer mehr erreicht wird. Sollte eine direkte Abfuhr nicht möglich sein, ist auch eine Zwischenlagerung in Nass- oder Trockenlagern (> 500 m Abstand zum nächsten Fichtenbestand) eine sinnvolle Option.
Wenn kein Abtransport möglich ist, ist neben der Entrindung der Bäume ein doppelte Harvesterdurchzug (um 90° versetzt) zu empfehlen.
Weitere Informationen
- Borkenkäfer im Sinkflug? Dazu mehr im aktuellen Borkenkäfer-Newsletter SüdWest 01/2026
- Informationen zu den Modellen PHENIPS-Clim und IpsRisk finden sie in dieser Waldschutz-Info
- Alles auf einem Blick zum Borkenkäfermanagement an Fichte gibt es im Flyer
- Zu Besonderheiten von Borkenkäfern an Tanne informiert diese Waldschutz-Info
- Allgemeines zu Borkenkäfern und Management finden Sie hier in der überarbeiteten 12. Auflage der FNR-Broschüre "Borkenkäfer an Nadelbäumen - erkennen, vorbeugen, bekämpfen", welche als pdf hier verfügbar ist.