Methodik

Die FVA Baden-Württemberg überwacht den jährlichen Entwicklungsverlauf des Eichenprozessionsspinners seit Anfang der 2000er Jahre. In der Region um Freiburg wird an verschiedenen Standorten die gesamte Entwicklung in Abhängigkeit der Witterung von etwa Mitte März bis Mitte September stichprobenartig anhand freilebender Individuen überwacht.

Hinweis: Die Monitoring-Standorte der FVA sind stark wärmebegünstigt – in kühleren Regionen kann die Entwicklung der Raupen im Vergleich zu diesen Standorten um einige Tage oder auch Wochen verzögert sein.

Ziel des Monitorings

Die Raupen des Eichenprozessionsspinners bilden ab dem dritten Larvenstadium gesundheitsgefährdende Brennhaare aus, welche in ihrer Anzahl bis zum letzten Larvenstadium sukzessive deutlich zunehmen. Für eine evidenzbasierte Einschätzung der Gefährdung durch ebendiese Brennhaare ist das Monitoring unerlässlich. Darüber hinaus ist ein präventiver Einsatz von Pflanzenschutzmitteln oder Biozidprodukten nur bis in das dritte Larvenstadium empfehlenswert. Hier hilft das Monitoring den potentiell geeigneten Zeitraum für einen präventiven Einsatz von Pflanzenschutzmitteln oder Biozidprodukten festzulegen.

Wie läuft das Monitoring ab?

Mit der Ansprache des Blattaustriebs der Eichen und der Schlupfkontrolle der Raupen beginnt das Monitoring in der Regel etwa Mitte März. Durch die regelmäßige Kontrolle kann die Entwicklung der Raupen anhand von Häutungsresten nachvollzogen werden. Der Falterflug wird dann mittels artspezifischer Pheromonfallen überwacht.

Modellierung der Eichenprozessionsspinner-Entwicklung

Mit Hilfe des Phänologiemodells PHENTHAUproc¹ kann auf Grundlage von tagesaktuellen Wetterdaten eine regional differenzierte Einschätzung der aktuellen Entwicklung des Eichenprozessionsspinners modelliert werden. Stehen Wetterprognosedaten zur Verfügung, kann zudem eine Vorhersage der Entwicklung erfolgen. PHENTHAUproc ermöglicht so eine präzise landesweite Abschätzung der Entwicklung und kann so in der regionalisierten Beratung angewendet werden.

PHENTHAUproc beruht auf einer Kombination verschiedener Modelle. Es wurden drei bereits vorhandene Modelle zum Schlupf der Eiraupen mit einem ebenfalls schon vorhandenen Modell zum Blattaustrieb der Stieleiche (Quercus robur) kombiniert. Dazu wurden zwei weitere Modelle entwickelt, die einerseits die phänologische Entwicklung des Eichenprozessionsspinners und andererseits die Knospenschwellung der Stieleiche modellieren.

Unter dem Reiter „Phänologie“ wird die potentielle Entwicklung flächendeckend für ganz Deutschland bis zu einer Höhe von 800 m über NN als Karte im 1 x 1 Km-Raster gezeigt. Die Karte zeigt die Entwicklung des Eichenprozessionsspinners für Gebiete, die allein aufgrund der Temperaturdaten potentiell besiedelt werden können – der Eichenprozessionsspinner kommt aber aufgrund der strengen Wirtsbindung fast ausschließlich an Eichenarten vor. Eine Vorhersage über die Entwicklung innerhalb der nächsten Woche kann über den Slider am linken unteren Rand der Karte angezeigt werden. Außerdem öffnet sich beim Klicken auf einen Pixel in der Karte eine Liniengrafik mit dem Entwicklungsstand für den ausgewählten Standorte. In einer Tabelle wird hier zusätzlich der Entwicklungsstand und der jeweilige Zeitpunkt mit Informationen zu Gefährdung und Regulierungsmöglichkeiten ergänzt. Die Liniengrafiken stellen das aktuelle Entwicklungsstadium und die voraussichtliche Dauer des entsprechenden Entwicklungsstadiums dar. 


¹FVA BW/Bachfischer, PHENTHAUproc: Phenology Modelling of Thaumetopoea Processionea. R package version 1.1. CRAN.R-project.org/package=PHENTHAUproc,
nach Halbig, P. et al (2024). PHENTHAUproc – An early warning and decision support system for hazard assessment and control of oak processionary moth (
Thaumetopoea processionea). Forest Ecology and Management 552, doi.org/10.1016/j.foreco.2023.121525
Datenbasis Temperaturdaten: Agrarmeteorologie, Deutscher Wetterdienst

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