WNS-Beratung
Umsetzung des Natura 2000-Gebietsmanagements Wald

Überblick über das Projekt an der FVA (PDF-Download des Posters)
Das FVA-Projekt zum "Betriebsübergreifenden Management der Wälder in Natura 2000-Gebieten" wurde durch das Sonderprogramm des Landes zur Stärkung der biologischen Vielfalt initiiert und wird aktuell durch die Waldstrategie Baden-Württemberg finanziert. Wesentlicher Inhalt ist das seit 2018 entwickelte Beratungskonzept "Natura 2000 - Gebietsmanagement Wald". Ziel der Landesforstverwaltung ist es, Forstbetriebe in der Umsetzung der Natura 2000-Managementpläne im Wald zu unterstützen.
Das Konzept wird derzeit pilothaft an zehn Unteren Forstbehörden (UFBen) des Landes in die Praxis umgesetzt. Hierfür werden „Waldnaturschutzberaterinnen und –berater“ eingesetzt. Sie beraten die in den Natura-Gebieten ansässigen Forstbetriebe zur Natura 2000-konformen Bewirtschaftung und zum Erhaltungsmanagement der vorkommenden Schutzgüter. Bei diesen handelt es sich um die waldrelevanten Tier- und Pflanzenarten, sowie im Wald vorkommende Lebensraumtypen. Darüber hinaus fungieren sie als Ansprechpersonen für alle weiteren Fragen des Waldnaturschutzes (WNS) auf Kreisebene. Dazu zählen die Umsetzung der Waldnaturschutzkonzeption 2030, die Pflege geschützter und erhaltenswerter Biotope, die Beratung für forstliche Förderung und vieles mehr.
Weitere Informationen zur Waldnaturschutzberatung
Für den ersten Schritt im Gebietsmanagement Wald wird an der FVA eine Einstufung der waldrelevanten Schutzgüter hinsichtlich der Bedeutsamkeit ihres Erhaltungsmanagement vorgenommen. Das Ergebnis dient der WNS-Beratung als Grundlage für die praktische Umsetzung der Managementpläne. Auf der einen Seite lässt sich daraus ableiten, ob ein spezielles Maßnahmenkonzept benötigt wird oder eine hohe lokale Bedeutsamkeit besteht. Und auf der anderen Seite wird deutlich, welche Schutzgüter im Rahmen der ordnungsgemäßen Waldwirtschaft bereits ausreichend gefördert werden können.
Dazu zählt auch die Umsetzung des Alt- und Totholzkonzeptes, denn ein markierter Habitatbaum kann vielen Totholzbewohnenden Arten als dauerhafter Lebensraum dienen.
Darauf aufbauend findet die Gebietsanalyse statt. Dabei wird der aktuelle Zustand der Schutzgüter und der daraus resultierende Handlungsbedarf im Erhaltungsmanagement ermittelt. Hierzu vernetzt sich die WNS-Beratung mit verschiedenen Akteuren (Grafik: FVA BW).
Anschließend findet eine schutzgutspezifische Schwerpunktsetzung statt, die mit der Naturschutzverwaltung abgestimmt wird. Die notwendigen Erhaltungsmaßnahmen für die Schutzgüter werden im Folgenden im Rahmen einer betrieblichen Beratung räumlich und inhaltlich gemeinsam mit den Forstbetrieben konkretisiert. Das Aufzeigen von Fördermöglichkeiten spielt dabei eine entscheidende Rolle.
Abschließend werden die mit den Forstbetrieben abgestimmten flächenscharfen Maßnahmen in einem GIS-gestützten standardisierten Format dokumentiert. Auf Ebene des Natura 2000-Gebietes findet letztlich eine Konfliktanalyse aller geplanten Maßnahmen statt, die in einem separaten Dokument zusammengefasst wird. Dieses „Gebietsweite Maßnahmenkonzept“ wird ebenfalls mit der Naturschutzverwaltung abgestimmt.
Weitere Informationen zur Waldnaturschutzberatung
Wald kommt in ca. 90 % der Natura 2000-Gebieten in Baden-Württemberg vor und bedeckt dort knapp zwei Drittel der Fläche. Die Umsetzung der Managementpläne im Wald hat daher eine große Bedeutung für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Im Rahmen des Gebietsmanagements Wald werden verschiedene Maßnahmen ergriffen, um die Schutzgüter und deren Lebensräume zu erhalten. Zudem werden Forstbetriebe dabei unterstützt, aktiv gegen die Verschlechterung von Lebensräumen vorzugehen und Populationen zu stabilisieren. Diese Mobilisierung von Waldnaturschutzengagement versetzt das Land Baden-Württemberg in die Lage, den aktuellen und zukünftig eher noch steigenden Anforderungen an das Management auf Natura 2000-Gebietsebene gerecht zu werden (vgl. EU-Biodiversitätsstrategie 2030 und Wiederherstellungs-Verordnung)
In der Praxis gibt es für die Umsetzung von Maßnahmen verschiedene Möglichkeiten. Dazu gehören u.a. das Auszeichnen von Habitatbaumgruppen zur Förderung von Alt- und Totholzstrukturen, die Anlage von Tümpeln als Laichhabitate für Amphibien oder die Waldrandgestaltung zur Unterstützung lichtliebender Arten. Ein Beispiel einer solchen Waldrandgestaltung aus dem FFH-Gebiet „Kinzig-Murg-Rinne und Kraichgau bei Bruchsal“ (6917-311) in der UFB Karlsruhe-Land ist nachfolgend einsehbar.
Weitere Informationen zur Waldnaturschutzberatung
Das Konzept wird derzeit pilothaft an zehn Unteren Forstbehörden des Landes in die Praxis umgesetzt. An acht dieser Forstämter wird die Waldnaturschutzberatung durch die Waldstrategie gefördert. An zwei weiteren UFBen wird sie über Eigenmittel des Kreises finanziert. In jeder UFB wurde zu Beginn der Pilotphase ein FFH-Gebiet ausgewählt, welches primär bearbeitet wird. Die überlagernden Vogelschutzgebiete und die Ansprüche der darin vorkommenden Vogelarten werden bei der Umsetzung von Maßnahmen ebenfalls berücksichtigt. Die Lage der FFH-Gebiete ist in der Karte einsehbar.
In der Pilotphase spielt die Vernetzung und Abstimmung mit den Revierleitungen, dem Naturschutz und vielen weiteren lokalen Akteuren eine entscheidende Rolle. Des Weiteren ist der regelmäßige Erfahrungsaustausch mit dem Projektteam und anderen WNS-Beraterinnen und –Beratern wichtig. Für das erste Kennenlernen erhalten sie alle gemeinsam zu Beginn ihrer Tätigkeiten eine umfassende Einführungsschulung vom Projektteam. Um den kontinuierlichen Austausch zu ermöglichen, gibt es ein monatliches Treffen, bei dem aktuelle Entwicklungen und Probleme diskutiert werden. Darüber hinaus steht jeder Pilot-UFB ein Mitglied des Projektteams als Pate oder Patin zur Seite. Eine Übersicht über die Pilot-UFBen und die zuständigen WNS-Beraterinnen und -Beratern ist nachfolgend einsehbar.
| Untere Forstbehörde | FFH-Gebiet | WNS-Beratung |
|---|---|---|
| Ortenaukreis | Östliches Hanauer Land | Holger von Elling und Rosanna Scriba |
| Breisgau-Hochschwarzwald | Markgräfler Hügelland mit Schwarzwaldhängen | Jasmin Breithut und Lutz Johannßen |
| Rastatt | Unteres Murgtal und Seitentäler | Benedikt Falk |
| Enzkreis | Pfinzgau Ost | Sarah Zwerenz und Tim Gretz |
| Karlsruhe-Land | Kinzig-Murg-Rinne und Kraichgau bei Bruchsal | Laura Rempel |
| Mannheim | Sandgebiete zwischen Mannheim und Sandhausen | Sophie Seitz und Till Hinz |
| Neckar-Odenwald-Kreis | Neckartal und Wald Obrigheim | Markus Volk |
| Heilbronn | Untere Jagst und Unterer Kocher | Thomas Papp-Váry |
| Sigmaringen | Oberes Donautal zwischen Beuron und Sigmaringen | Thomas Kuß und Jonas Girlach |
| Reutlingen | Uracher Talspinne | Lene Baumann und Felix Grunewald |
Aus der aktuell laufenden Pilotphase sollen Rückschlüsse für das Konzept und die funktionalisierte WNS-Beratung gezogen werden. Hierzu wird die Beantwortung verschiedenster Fragen angestrebt: Wie kann der Prozess der Gebietsanalyse optimiert werden? Wie muss das Konzept noch angepasst werden, um eine erfolgreiche landesweite Implementation zu erreichen? Werden wir mit diesem Konzept den aktuellen Anforderungen des Erhaltungsmanagements gerecht? Wie kommt die WNS-Beratung in der Fläche an?
Für die Beantwortung dieser und weiterer Fragen ist der langfristige Einsatz von WNS-Beraterinnen und -Beratern an den Unteren Forstbehörden notwendig. Derzeit finanziert die Waldstrategie acht der Unteren Forstbehörden noch bis mindestens 2027. Für die Zukunft wird eine Verstetigung der funktionalisierten WNS-Beratung angestrebt.




