Methodik

Borkenkäfer-Monitoring wird von der FVA Baden-Württemberg bereits seit den frühen 1990-er Jahren mit zunehmender Intensität durchgeführt. Während dieser Zeit kam es sowohl zu einigen methodischen Anpassungen als auch zu Standortsänderungen. Ab 2021 hat sich das Monitoringnetz gegenüber den Vorjahren deutlich erweitert. Es umfasst neben dem Buchdrucker und dem Kupferstecher nun auch den Krummzähnigen Tannenborkenkäfer und zählt in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz insgesamt 34 Standorte.  

 

Ziel des Monitorings:

Überwachung der Phänologie der in Südwestdeutschland wichtigsten Borkenkäferarten, um dadurch zeitlich und räumlich differenziert geeignete Bekämpfungsmaßnahmen für die forstliche Praxis abzuleiten.

 

Was, wie und wo wird beobachtet?

Die Schwärmaktivität wird für Buchdrucker, Kupferstecher und den Krummzähnigen Tannenborkenkäfer mittels artspezifischen Pheromonfallen dokumentiert. Wir verwenden die Pheromone Pheroprax (Buchdrucker), Chalcoprax (Kupferstecher) sowie Curviwit (Krummzähniger Tannenborkenkäfer) in Theysohn-Einzelfallen, welche wöchentlich dienstags geleert werden. Der Beobachtungszeitraum ist in der Regel April bis September, kann aber je nach Schwärmaktivität im März bzw. Oktober erweitert werden. Die Fallen stehen frei (Wildwiese, Freifläche; 1-2 Fallen pro Standort und Art) mit einem Mindestabstand von 30 m zum nächsten Wirtsbaum und auch von Falle zu Falle. Im Umkreis des Fallenstandortes gibt es überwiegend befallsfähige Wirtsbäume. Wichtig: Im Rahmen des Fallenmonitorings wird die Populationsgröße nicht wesentlich reduziert, lediglich beobachtet! Eine direkte Ableitung des lokalen Befallsrisikos aus absoluten Fangzahlen ist fehlerbehaftet.

Der Entwicklungsfortschritt von Buchdrucker und Krummzähnigem Tannenborkenkäfer unter der Rinde wird zudem mittels Brutbäumen verfolgt. Hierzu wird ein befallsfähiger Wirtsbaum (Fichte bzw. Tanne) ausgelegt und mit dem entsprechenden Pheromon beködert, sodass sich Käfer einbohren und Bruten anlegen. Wöchentlich werden Rindenfenster abgehoben und die Entwicklungsstadien dokumentiert. Um den Ausflug der fertig entwickelten Käfer zu verhindern, wird der Brutbaum im frühen Jungkäferstadium entrindet und unschädlich gemacht. Ein Brutbaum zeigt die Entwicklung jeweils einer Generation. Um die Generationenentwicklung im Jahresverlauf zu dokumentieren, müssen also mehrere Brutbäume zeitlich nacheinander ausgelegt werden. Der Brutbaum liegt frei und wird stärker besonnt als vergleichbar befallene Bäume im Bestandesinneren. Die Entwicklung im Brutbaum läuft aufgrund der erhöhten Temperatur demnach etwas schneller ab, und erlaubt eine um einige Tage vorfristige Aussage zum Entwicklungsstand der Käfer. Entwicklung und Generationenzahl können für Buchdrucker auch grob modellhaft abgebildet werden (Phenips).

Um die Borkenkäferphänologie mit der Witterung in Beziehung zu setzen, messen wir an ausgewählten Standorten auch Wetterdaten, wie z.B. Temperatur, Globalstrahlung und Niederschlag. Die Wetterstation steht frei in unmittelbarer Nähe zur Falle bzw. dem Brutbaum; Temperaturfühler messen z.T. auch die Rindentemperatur am Brutbaum.

Die von der FVA betreuten Monitoringstandorte liegen an einem Höhengradienten im Südschwarzwald (300-1400 m ü.NN), welcher auf wenigen Kilometern von Freiburg bis hinauf zum Feldberg reicht. Im Rahmen eines landesweiten Borkenkäfer-Monitorings in Baden-Württemberg erfolgt die Betreuung durch lokale Revierförster von ForstBW bzw. dem Nationalpark Schwarzwald, wobei die methodischen Standards landesweit vergleichbar bleiben.

In Rheinland-Pfalz wird von den dortigen Landesforsten, fachlich unterstützt von der FVA Baden-Württemberg, ein eigenes Buchdrucker-Monitoring im Pfälzerwald, im Hunsrück-Hochwald sowie seit 2021 auch in der Eifel durchgeführt (370-690 m ü.NN), mit z.T. etwas veränderter Methodik. Im Gegensatz zu Baden-Württemberg werden die Daten beispielsweise montags statt dienstags aufgenommen. Die Fallenstandorte sind nicht standardisiert bzgl. Freistand und Fichtenanteil. Die Daten sowie ein wöchentlich erstellter Newsletter hierzu sind auch auf www.wald-rlp.de abrufbar.

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