07.10.2020

Die diesjährige Aktivitätsperiode der Borkenkäfer ist nun vorüber - und damit endet auch die wöchentliche Erhebung der Monitoringdaten. Im kommenden April geht es dann wieder weiter ...

Kurzes Fazit 2020:

Wir haben in diesem Jahr einen sehr frühen Start in die Saison erlebt, die überwinterten Buchdrucker schwärmten im warmen April bereits fast landesweit aus. Aufgrund des dann nur mäßig warmen Mai / Juni kam es bei der Entwicklung der F1-Generation zu Verzögerungen, sodass es (anders als 2018) zum Glück nicht zu einer extremen Generationenfolge in diesem Jahr kam. Es entwickelten sich landesweit die 2. Generation plus Geschwisterbruten voll durch, in den tiefen bis mittleren Lagen (< 800 m ü.NN) wurden ab Mitte August auch teilweise Bruten der 3. Generation angelegt.

Im nun 3. Jahr der aktuellen Käfermassenvermehrung gibt es erste positive Anzeichen, dass sich die Populationsdichte leicht reduziert hat. Dazu beigetragen haben (1) das konsequente Management (vor allem auch des zu großen Teilen befallenen Sturmholzes im Frühjahr!), (2) die z.T. hohen Brutdichten, welche aufgrund von Brutraumkonkurrenz den Bruterfolg reduzierten sowie (3) das mittlerweile lokale Ausdünnen bzw. Fehlen von befallsfähigen Fichten, was zu erhöhten Dispersionsverlusten der Käfer führte. Hoffen wir, dass sich dieser Trend bestätigt und weiter fortsetzt!

 

Schlussfolgerungen für das Management:

Aufgrund der zeitlich verzögerten Erkennbarkeit von Frischbefall sind gelegentliche Befallskontrollen im Herbst / Winter weiterhin ratsam. Oft wird im August entstandener Befall erst jetzt erkannt. Die Sanierung zu einem frühen Zeitpunkt im Herbst hat den Vorteil, dass die Rinde noch größtenteils am Stamm anhaftet und damit die überwinterungswilligen Käfer effizient aus dem System entnommen werden. Jeder rechtzeitig erkannte potentielle Überwinterungsbaum wird die Situation im kommenden Jahr entschärfen!

Bei Hackung sind die Hackschnitzel aus den gefährdeten Beständen abzutransportieren, um die Wirksamkeit der Maßnahme zu gewährleisten. Entrindung mit Verbleib der Rinde im Bestand ist bei der derzeitigen Durchmischung der Entwicklungsstadien unter der Rinde ebenfalls nicht ratsam, da die braunen Käferstadien dann z.T. überleben, überwintern und im kommenden Jahr Folgebefall verursachen können. Bei der Abfuhr von zwischengelagertem Befallsholz muss möglicherweise beim Verladen abfallende Rinde gleichsam unschädlich gemacht werden. Eine Behandlung von Befallsholzpoltern mit Pflanzenschutzmitteln (z.B. Vor-Ausflug-Spritzung) ist aufgrund der ausbleibenden Schwärmaktivität nicht mehr wirksam und kommt als Bekämpfungsmaßnahme daher nicht mehr in Betracht.

 

Weiterführende Informationen finden Sie auch im aktuellen Borkenkäfer-Newsletter SüdWest.

Günterstal (450m)

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Fangzahlen Buchdrucker

wöchentliche Fangzahl

Fangzahlen Kupferstecher

wöchentliche Fangzahl (Mittelwert aus 2 Fallen)

Borkenkäfer-Monitoring wird von der FVA Baden-Württemberg bereits seit den frühen 1990-er Jahren mit zunehmender Intensität durchgeführt. Ab 2020 ändern sich nun einige methodische Details sowie die bisherigen Monitoring-Standorte.   

 

Ziel des Monitorings:

Überwachung der Phänologie der in Südwestdeutschland wichtigsten Borkenkäferarten Buchdrucker und Kupferstecher, um dadurch zeitlich und räumlich differenziert geeignete Bekämpfungsmaßnahmen für die forstliche Praxis abzuleiten

 

Was, wie und wo wird beobachtet?

Die Schwärmaktivität wird für Buchdrucker und Kupferstecher mittels artspezifischen Pheromonfallen dokumentiert. Wir verwenden die Pheromone Pheroprax (Buchdrucker) sowie Chalcoprax (Kupferstecher) in Theysohn-Einzelfallen, welche wöchentlich dienstags geleert werden. Der Beobachtungszeitraum ist in der Regel April bis September, kann aber je nach Schwärmaktivität im März bzw. Oktober erweitert werden. Die Fallen stehen frei (Wildwiese, Freifläche; 1-2 Fallen pro Standort und Art) mit einem Mindestabstand von 30 m zur nächsten Fichte und auch von Falle zu Falle. Im Umkreis des Fallenstandortes gibt es befallsfähige Fichten. Wichtig: Im Rahmen des Fallenmonitorings wird die Populationsgröße nicht wesentlich reduziert, lediglich beobachtet! Eine direkte Ableitung des lokalen Befallsrisikos aus absoluten Fangzahlen kann stark fehlerbehaftet sein.

Der Entwicklungsfortschritt der Buchdrucker unter der Rinde wird mittels Brutbaum verfolgt. Hierzu wird eine befallsfähige Fichte ausgelegt und mit dem Pheromon beködert, sodass sich Käfer einbohren und die Brut anlegen. Wöchentlich werden Rindenfenster abgehoben und die Entwicklungsstadien dokumentiert. Um den Ausflug der fertig entwickelten Käfer zu verhindern, wird der Brutbaum im frühen Jungkäferstadium entrindet und unschädlich gemacht. Ein Brutbaum zeigt die Entwicklung jeweils einer Generation. Um die Generationenentwicklung im Jahresverlauf zu dokumentieren, müssen also mehrere Brutbäume zeitlich nacheinander ausgelegt werden. Der Brutbaum liegt frei und wird stärker besonnt als vergleichbar befallene Bäume im Bestandesinneren. Die Entwicklung im Brutbaum läuft aufgrund der erhöhten Temperatur demnach etwas schneller ab, und erlaubt eine um einige Tage vorfristige Aussage zum Entwicklungsstand der Käfer. Entwicklung und Generationenzahl können auch grob modellhaft abgebildet werden (Phenips).

Um die Borkenkäferphänologie mit der Witterung in Beziehung zu setzen, messen wir an ausgewählten Standorten auch Wetterdaten, wie z.B. Temperatur, Globalstrahlung und Niederschlag. Die Wetterstation steht frei in unmittelbarer Nähe zur Falle bzw. dem Brutbaum; Temperaturfühler messen die Rindentemperatur am Brutbaum.

Die FVA-Monitoringstandorte liegen entlang eines Höhengradienten im Südschwarzwald (300-1400 m ü.NN), welcher auf wenigen Kilometern von Freiburg bis hinauf zum Feldberg reicht. In Erweiterung wird derzeit an der Umsetzung eines landesweiten Borkenkäfer-Monitorings gearbeitet, welches repräsentative Standorte in ganz Baden-Württemberg umfasst und die oben beschriebenen Methoden gleichermaßen anwendet.

In Rheinland-Pfalz wird von den dortigen Landesforsten, fachlich unterstützt von der FVA Baden-Württemberg, ein eigenes Buchdrucker-Monitoring im Pfälzerwald und im Hunsrück-Hochwald durchgeführt (370-650 m ü.NN), jedoch mit z.T. etwas veränderter Methodik. Im Gegensatz zu Baden-Württemberg werden 4 Einzelfallen pro Standort verwendet und montags statt dienstags geleert. Die Fallenstandorte sind nicht standardisiert bzgl. Freistand und Fichtenanteil. Die Daten sowie ein wöchentlich erstellter Newsletter sind auch auf www.wald-rlp.de abrufbar.

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