08.09.2020

Landesweit beobachten wir nun spätestens seit Anfang September einen deutlichen Rückgang der Borkenkäferaktivität: Sowohl die Fangzahlen in den Monitoringfallen sinken auf ein unproblematisches Niveau (maximal wenige Hundert Buchdrucker / Woche), als auch die Anzahl der frischen Stehendbefälle nimmt spürbar ab. Eventuell kann es zwar aufgrund der vorhergesagten warmen Spätsommertage bis Mitte des Monats noch weitere Käferausflüge und sporadische Neubefälle geben, das Gros der fertig entwickelten Buchdrucker wird aber jahreszeitlich bedingt nun in den Überwinterungsmodus wechseln und in der Rinde verbleiben.

Der sehr warme August führte zu einer raschen Entwicklung der zweiten (in den Schwarzwald-Hochlagen) bzw. der dritten Generation (in tieferen Lagen), sodass diese Individuen als braune Entwicklungsstadien (Jungkäfer) überwintern werden. Somit ist die Gefahr der Sterblichkeit weißer Stadien (Eier, Larven, Puppen) aufgrund von Frost erheblich reduziert.

 

Schlussfolgerungen für das Management:

Aufgrund der zeitlich verzögerten Erkennbarkeit von Frischbefall sind Befallskontrollen noch mindestens bis Ende des Monats ratsam. Oft wird im August entstandener Befall erst jetzt erkannt. Einerseits verhindert man damit einen womöglich noch stattfindenden Ausflug fertiger Käfer in den tieferen Lagen, andererseits bedeutet eine Sanierung zu einem frühen Zeitpunkt im Herbst, dass die Rinde noch größtenteils anhaftet und damit die überwinterungswilligen Käfer aus dem System entnommen werden. Jeder erkannte potentielle Überwinterungsbaum wird die Situation im kommenden Jahr entschärfen!

Bei Hackung sind die Hackschnitzel aus den gefährdeten Beständen abzutransportieren, um die Wirksamkeit der Maßnahme zu gewährleisten. Entrindung mit Verbleib der Rinde im Bestand ist bei der derzeitigen Durchmischung der Entwicklungsstadien unter der Rinde nicht ratsam, da die braunen Käferstadien dann z.T. überleben, überwintern und im kommenden Jahr Folgebefall verursachen können. Auch aus zwischengelagertem Befallsholz können aufgrund der warmen Temperaturen in den kommenden Tagen noch Käfer ausfliegen. Daher sind die Sicherheitsabstände zu gefährdeten Beständen (von >500 m bei nicht befallsfähiger Waldpuffer bzw. >1.000 m bei Offenlandpuffer; Distanzen erhöhen sich bei sehr großen Lagermengen!) hier unbedingt einzuhalten.

Als letzte Option der Borkenkäferbekämpfung kann derzeit auch noch die Behandlung von Befallsholzpoltern mit Pflanzenschutzmitteln (z.B. Vor-Ausflug-Spritzung) in Betracht gezogen werden, wobei die gesetzlichen und zertifizierungsrelevanten Regelungen unbedingt beachtet werden müssen und stets der guten fachlichen Praxis gefolgt werden muss. Mit Einstellung des Käferausfluges ab ca. Mitte September ist diese Maßnahme dann jedoch nicht mehr wirksam.

 

Weiterführende Informationen finden Sie auch im aktuellen Borkenkäfer-Newsletter SüdWest.

Klicken Sie auf die Aufnahmepunkte, um die Messdaten anzuzeigen!

Karte BW

Monitoring-Standorte

StandortLageHöhe
 
WonnhaldeFVA-Monitoring Südschwarzwald315m
GünterstalFVA-Monitoring Südschwarzwald450m
Langenbach / StollenhütteFVA-Monitoring Südschwarzwald600m
MittelstationFVA-Monitoring Südschwarzwald815m
HolzschlägermatteFVA-Monitoring Südschwarzwald960m
AbsprungplatzFVA-Monitoring Südschwarzwald1150m
StübenwasenFVA-Monitoring Südschwarzwald1370m
 
Gefällter KopfNationalpark Schwarzwald860m

Borkenkäfer-Monitoring wird von der FVA Baden-Württemberg bereits seit den frühen 1990-er Jahren mit zunehmender Intensität durchgeführt. Ab 2020 ändern sich nun einige methodische Details sowie die bisherigen Monitoring-Standorte.   

 

Ziel des Monitorings:

Überwachung der Phänologie der in Südwestdeutschland wichtigsten Borkenkäferarten Buchdrucker und Kupferstecher, um dadurch zeitlich und räumlich differenziert geeignete Bekämpfungsmaßnahmen für die forstliche Praxis abzuleiten

 

Was, wie und wo wird beobachtet?

Die Schwärmaktivität wird für Buchdrucker und Kupferstecher mittels artspezifischen Pheromonfallen dokumentiert. Wir verwenden die Pheromone Pheroprax (Buchdrucker) sowie Chalcoprax (Kupferstecher) in Theysohn-Einzelfallen, welche wöchentlich dienstags geleert werden. Der Beobachtungszeitraum ist in der Regel April bis September, kann aber je nach Schwärmaktivität im März bzw. Oktober erweitert werden. Die Fallen stehen frei (Wildwiese, Freifläche; 1-2 Fallen pro Standort und Art) mit einem Mindestabstand von 30 m zur nächsten Fichte und auch von Falle zu Falle. Im Umkreis des Fallenstandortes gibt es befallsfähige Fichten. Wichtig: Im Rahmen des Fallenmonitorings wird die Populationsgröße nicht wesentlich reduziert, lediglich beobachtet! Eine direkte Ableitung des lokalen Befallsrisikos aus absoluten Fangzahlen kann stark fehlerbehaftet sein.

Der Entwicklungsfortschritt der Buchdrucker unter der Rinde wird mittels Brutbaum verfolgt. Hierzu wird eine befallsfähige Fichte ausgelegt und mit dem Pheromon beködert, sodass sich Käfer einbohren und die Brut anlegen. Wöchentlich werden Rindenfenster abgehoben und die Entwicklungsstadien dokumentiert. Um den Ausflug der fertig entwickelten Käfer zu verhindern, wird der Brutbaum im frühen Jungkäferstadium entrindet und unschädlich gemacht. Ein Brutbaum zeigt die Entwicklung jeweils einer Generation. Um die Generationenentwicklung im Jahresverlauf zu dokumentieren, müssen also mehrere Brutbäume zeitlich nacheinander ausgelegt werden. Der Brutbaum liegt frei und wird stärker besonnt als vergleichbar befallene Bäume im Bestandesinneren. Die Entwicklung im Brutbaum läuft aufgrund der erhöhten Temperatur demnach etwas schneller ab, und erlaubt eine um einige Tage vorfristige Aussage zum Entwicklungsstand der Käfer. Entwicklung und Generationenzahl können auch grob modellhaft abgebildet werden (Phenips).

Um die Borkenkäferphänologie mit der Witterung in Beziehung zu setzen, messen wir an ausgewählten Standorten auch Wetterdaten, wie z.B. Temperatur, Globalstrahlung und Niederschlag. Die Wetterstation steht frei in unmittelbarer Nähe zur Falle bzw. dem Brutbaum; Temperaturfühler messen die Rindentemperatur am Brutbaum.

Die FVA-Monitoringstandorte liegen entlang eines Höhengradienten im Südschwarzwald (300-1400 m ü.NN), welcher auf wenigen Kilometern von Freiburg bis hinauf zum Feldberg reicht. In Erweiterung wird derzeit an der Umsetzung eines landesweiten Borkenkäfer-Monitorings gearbeitet, welches repräsentative Standorte in ganz Baden-Württemberg umfasst und die oben beschriebenen Methoden gleichermaßen anwendet.

In Rheinland-Pfalz wird von den dortigen Landesforsten, fachlich unterstützt von der FVA Baden-Württemberg, ein eigenes Buchdrucker-Monitoring im Pfälzerwald und im Hunsrück-Hochwald durchgeführt (370-650 m ü.NN), jedoch mit z.T. etwas veränderter Methodik. Im Gegensatz zu Baden-Württemberg werden 4 Einzelfallen pro Standort verwendet und montags statt dienstags geleert. Die Fallenstandorte sind nicht standardisiert bzgl. Freistand und Fichtenanteil. Die Daten sowie ein wöchentlich erstellter Newsletter sind auch auf www.wald-rlp.de abrufbar.

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Weitere Entwicklung des Eschentriebsterbens

siehe überarbeitete Neuausgabe: Eschentriebsterben 2009/4

Stand: 20.07.2009

Neuauflage des WALDSCHUTZ-INFOs 2/2005

2005

Informationen zur Ökotoxikologie der Insektizide, die bei der Borkenkäferbekämpfung eingesetzt werden

Schriftenreihen  WALDSCHUTZ-INFO 

(Physokermes hemicryphus, Physokermes piceae)

Wurzelhalsfäule durch Phytophthora alni

2. Auflage, Februar 2006

Kleiner Buchenborkenkäfer Buchenprachtkäfer

mit ergänzenden Hinweisen des Regierungspräsidiums Stuttgart, Abteilung Landesgesundheitsamt zur gesundheitlichen Gefährdung für Menschen 2. Auflage, April 2005

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