Das Depositionsmessnetz der FVA

Erläuterungen
[ Startseite Depo-Messnetz ]  [ Messstationen ]  [ Datenreihen ]  [ Jahreswerte ]

Nachdem Ende der 70er Jahre die Waldschadensproblematik in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt war, richtete die damalige Abteilung Bodenkunde (heute: Abteilung Boden und Umwelt) der FVA in den Jahren 1982/83 in Baden-Württemberg die ersten Depositionsmessflächen im Wald ein. In den Anfangsjahren wurden sowohl Nadel- wie auch Laubholzbestände ins Messprogramm aufgenommen.

Anfang der 90er Jahre beschränkte man aus Standardisierungs- und Vergleichbarkeitsgründen die Messungen auf Fichtenbestände. Begründung für die Festlegung auf die Baumart Fichte war, dass diese sich in nahezu allen Landesteilen finden und die Fichtenkronen aufgrund ihrer großen Oberfläche und ganzjährigen Benadelung luftbürtige Stoffe besonders effektiv ausfiltern. Um die Randbedingungen der Messungen landesweit möglichst vergleichbar zu halten, wurden folgende Kriterien für die Flächenauswahl festgelegt:
  • Gleiche Baumart (i.d.R. Fichte, ersatzweise Douglasie)
  • Vergleichbares Alter, mindestens 60 - jährig
  • Homogene, geschlossene Bestandesstruktur
  • Freiland - Referenzflächen möglichst nah (max. 500 m Entfernung), in vergleichbarer Höhenlage und Exposition und hinreichend groß (Minimum 1-2 Baumlängen Radius)

Um die Stoffeinträge eines Standorts repräsentativ zu erfassen, stehen in der Regel im Bestand 12 Niederschlagssammler (Totalisatoren) in 2-3 Reihen in einem systematischen 10m x 10m Raster. Zur Erfassung der Freilanddeposition werden meist 3 Sammler im 1m x 1m Dreiecksverband eingesetzt. Die Totalisatoren sind in 1m Höhe an Pfosten befestigte und entsprechen dem Typ Münden (Trichter-Flasche-System mit 100cm2 Auffangfläche).

Die Probennahme erfolgt im 2-Wochen-Turnus. Offensichtlich durch z.B. Vogelkot verschmutzte Proben werden generell verworfen.

Im Labor werden zuerst pH und Leitfähigkeit bestimmt. Anschließend werden die Proben mit einem Cellulose-Acetat-Filter (0,45µm) filtriert und auf Makroelemente (Cl, NO3, SO4, NH4, P, DOC, Na, K, Ca, Mg, Mn) und Spurenelemente (Zn, Cd, Pb) analysiert. Die Analysenergebnisse werden anhand der Ionenbilanz validiert. Bei Unplausibilitäten werden die Analysen wiederholt.

Um die tatsächliche Säurebelastung eines Standorts zu erfassen, genügt es nicht, sich nur auf die über den pH-Wert des Bestandesniederschlags errechneten H+-Einträge zu stützen. Neben diesen direkten Säureeinträgen müssen zusätzlich die Pufferprozesse in der Krone und der Eintrag von Ammonium (NH4+) berücksichtigt werden. Bei Stickstoff können die im Bestandesniederschlag gemessenen Einträge unter den tatsächlichen Depositionen liegen, da die Baumkronen Stickstoff aufnehmen können. Bei basischen Kationen wie z.B. Kalium, Mangan und Magnesium stammt dagegen ein beträchtlicher Teil der im Bestandesniederschlag gemessenen Einträge aus Auswaschungsprozessen im Kronenraum.
Um die Gesamtdepositionen an Säuren, Stickstoff und basischen Kationen zu berechnen wird im Depositionsmessnetz das Kronendachdifferenzmodell nach Ulrich (1991) verwendet.

Mit seiner nun schon gut 20-jährigen Zeitreihe liefert das Depositionsmessnetz neben dem Niveau der jeweils aktuellen Säure- und Stoffeinträge in Wälder Informationen über die Entwicklungstendenz der Einträge. Die Abnahme der Gesamtsäureeinträge um 25-50% seit Anfang der Depositionsmessungen kann als Erfolg der Luftreinhaltepolitik der Landesregierung gewertet werden. Ebenso deutliche Rückgänge sind in der Schwermetall- und Chloridbelastung der Niederschläge zu beobachten. Trotzdem liegt die Depositionsbelastung im überwiegenden Teil der Landesfläche immer noch über der für eine ungestörte Funktionstüchtigkeit von Wäldern kritischen Belastungsschwelle, so dass weitere Anstrengungen zur Luftreinhaltung nach wie vor notwendig sind. Dies gilt insbesondere im Bereich der Stickstoffbelastung.

Für jede Fläche sind die Zeitreihen für Gesamtsäureeinträge, Gesamtstickstoffeinträge (ab 1996) und weitere Stoffeinträge (H, Cl, SO4, NO3, NH4, Norg, Nges, Na, K, Ca, Mg, Mn, Zn, P, DOC und teilweise Cd, Pb) graphisch dargestellt. Das umfasst alle während der gesamten Beobachtungsperiode jemals aktiven Depositionsmessflächen, auch wenn diese aus methodischen oder anderen Gründen mittlerweile aufgegeben wurden.
Bei einigen älteren Stationen (z.B. Baden-Baden) wurden nicht alle Eintragsgrößen bestimmt. Zeitreihe, die durch methodische Veränderungen (z.B. Veränderung des Installationsschemas oder Verlegung der Messfläche) unterbrochen sind, sind in den Grafiken entsprechend markiert. Es werden immer die Originalwerte dargestellt und Brüche in der Zeitreihe belassen (nicht geglättet), um dem Nutzer einen Einblick in die Validität der Daten zu ermöglichen.

Einen ausführlichen Überblick über das Depositionsmessnetz der FVA liefert der Bericht: 18 Jahre Depositionsmessnetz der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (1,9 MB).

Warenkorb

Titel Anzahl Preis
Gesamtpreis: