Feldahorn – eigentlich ein Heckengehölz und Baum zweiter Ordnung – wird 30 Meter hoch

An der Grenze zwischen dem Main-Tauber-Kreis und Schwäbisch Hall steht nördlich von Blaufelden dieser außergewöhnliche Feldahorn in einem Privatwald. Der Baum misst 30 Meter Höhe und einen Brusthöhendurchmesser von 61 Zentimetern. Der Schaft ist auf zehn Meter astfrei. Der Feldahorn steht inmitten eines lichten Eichen-Eschenbestandes und ist mit diesen Abmessungen eine Besonderheit.

Forscherinnen und Forscher der FVA haben den Baum während der Aufnahmen für ein Biodiversitäts-Projekt entdeckt: Im Juni 2020 startete das Projekt zum Erhalt seltener Baumarten und deren Genetik in der Abteilung Waldnaturschutz, im Arbeitsbereich Waldgenetik und forstliches Vermehrungsgut.

Hintergrund des Projekts

Diese seltenen Baumarten finden in der Forstpraxis immer mehr Verwendung als  Alternativbaumarten zur Schaffung stabiler und klimatoleranter Wälder. Sie sind nicht im Forstvermehrungsgutgesetz verankert, weshalb bei der Wahl von Pflanz- und Saatgut keine rechtlichen Bestimmungen gelten. Dadurch besteht die Gefahr, dass die genetische Vielfalt und Diversität durch den Arterhalt mit ungeeignetem Pflanzgut stark gemindert werden könnte. Deshalb ist die Generhaltung der Baumarten Ziel des Projekts. Zudem soll damit die Bereitstellung  hochwertigen Pflanzguts für die Forstpraxis gewährleistet werden.

Das Projekt behandelt folgende Baumarten:

  • Feldahorn (Acer campestre),
  • Eibe (Taxus baccata),
  • Speierling (Sorbus domestica),
  • Elsbeere (Sorbus terminalis)
  • Flatterulme (Ulmus laevis)

Schwerpunkt auf dem Feldahorn

Aktuell liegt der Schwerpunkt der Arbeit auf dem Feldahorn, da er durch seine Resistenz gegenüber Trockenheit und seine Überflutungstoleranz eine interessante Baumart für die Zukunft sein kann.

Bisher ist der Feldahorn im Forstwesen meist als Baumart 2. Ordnung (mittelgroßer Baum mit einer Wuchshöhe von zehn bis 20 Metern) im Zwischen- und Unterstand in lichten Eichenwäldern oder als stark astiger, meist drehwüchsiger Traufbaum (Foto) zu finden. Durch die Suche von Erntebeständen und Plusbäumen (Bäume mit günstigen Eigenschaften) wird nun angestrebt, forstlich interessantes Saat- und Pflanzgut zu finden. Dabei werden Flächen in ganz Baden-Württemberg berücksichtigt.

Die in Frage kommenden Bestände und Plusbäume werden zunächst genetisch charakterisiert, um die genetische Vielfalt und Verwandtheitszusammenhänge herauszufinden. Daraufhin werden geeignete Flächen als Erntebestände empfohlen und Plusbäume zum Aufbau von Klonsammlungen und Sämlingssamenplantagen beerntet.

Der beschriebene Feldahorn im Norden Baden-Württembergs hält bisher den Höhen-Rekord. Feldahorne mit 20 bis 25 Metern Höhe sind aber im Main-Tauber-Kreis keine Seltenheit und auch am Kaiserstuhl und in den Rheinauen zu finden. Durch eine waldbauliche Behandlung sind durchaus astfreie Schaftlängen von sechs bis acht Metern oder mehr erreichbar. Der höchste gemessene Brusthöhendurchmesser lag bisher bei 97 Zentimetern bei einem Feldahorn im Gemeindewald von Au am Rhein.

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