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Durch Kalk zum gesunden Wald? – FVA bewertet ­Bodenschutzkalkungen

Ein Fahrzeug fährt durch den Wald und verteilt eine Kalkwolke

Regenerationsorientierte Bodenschutzkalkung (Foto: FVA/Hartmann)

Richtig angewandt, kann sich die Bodenschutzkalkung in vielen Bereichen positiv auf den Wald auswirken. Seit 2010 wird in Baden-Württemberg das Kalkungskonzept des Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) umgesetzt. Wie läuft die Umsetzung und wie wirksam ist das Programm? Das hat die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) zusammen mit Kolleginnen und Kollegen der Landesforstverwaltung untersucht. Das Ergebnis: Das Programm zeigt Wirkung und sollte auf jeden Fall fortgesetzt werden.

"Mit Hilfe der Bodenschutzkalkung im Wald können externe Säureeinträge kompensiert und die Versauerung der Böden reduziert werden. Bodenschutzkalkungen helfen so, wichtige Funktionen des Waldbodens zu regenerieren und die Bodenfruchtbarkeit zu verbessern", erklärt Dr. Heike Puhlmann, Leiterin der Abteilung Boden und Umwelt an der FVA. Der Waldboden und sein Zustand sind eine zentrale Grundlage des Ökosystems Wald. Gerät der Boden aus dem Gleichgewicht, können die Folgen für den gesamten Wald dramatisch sein. Aus diesem Grund ist der Erhalt der Bodenfruchtbarkeit ein gesetzlich verankerter Auftrag.

136.000 Hektar gekalkte Waldfläche in Baden-Württemberg

Seit Beginn des aktuellen Kalkungsprogramms im Jahr 2010 wurden bereits 136.000 Hektar Waldfläche in Baden-Württemberg erfolgreich gekalkt. Nach wie vor ist der Bedarf aber hoch: "Er wird mit Hilfe geografischer Informationssysteme und über die lokale Beprobung der Böden ermittelt. Das sind sehr aufwendige Arbeiten", sagt Dr. Heike Puhlmann. Vor allem werde darauf geachtet, dass nur Flächen mit einer starken, unnatürlichen Versauerung für eine Bodenschutzkalkung in Betracht kommen. "Vorkommen von geschützten Arten werden sorgfältig von den Maßnahmen verschont."

Erfolge sind sichtbar – für Flora, Fauna und den Menschen

Im aktuellen Evaluationsbericht haben die Forscherinnen und Forscher der FVA zusammen mit Kolleginnen und Kollegen des Regierungspräsidiums Freiburg geprüft, wie effektiv die Maßnahmen des Kalkungsprogramms sind und wie gut die Umsetzung funktioniert. Es wird deutlich, dass die Bodenschutzkalkung bereits Früchte trägt:

  • Nach einer Kalkung ist die Versauerung des Waldbodens deutlich abgemildert, Nährstoffdefizite sind kleiner oder ganz aufgehoben.
  • Sichtbar werden diese Änderungen in einem verbesserten Wurzelwachstum und gesünderen Baumkronen.
  • Regenwürmer gewinnen verlorenen Lebensraum zurück und viele Pflanzenarten, die auf unnatürlich sauren Standorten nicht überleben können, finden auf gekalkten Flächen für sie passende Lebensbedingungen vor.
  • Menschen profitieren auch von der höheren Trinkwasserqualität.

"Diese positiven Auswirkungen sind der Grund dafür, weshalb wir die Fortführung des Programms ausdrücklich empfehlen", sagt Puhlmann.

Hintergrund

Seit Beginn der Industrialisierung haben die Emissionen von Stickstoff- und Schwefelverbindungen durch menschliches Handeln stark zugenommen. Diese Stoffe können mit Wind oder Wasser verlagert und in Waldökosysteme eingetragen werden. Dort wirken sie versauernd, was die verschiedenen Funktionen des Waldes – Lebensraum, Kohlenstoffspeicher, Holzproduktion, Wasserfilter – erheblich beeinträchtigen kann. Im Zuge des sogenannten Waldsterbens kam die Thematik in den 1970er Jahren in den Fokus der Öffentlichkeit, woraufhin politische Maßnahmen einen Rückgang der Schwefelemissionen bewirkten. Gleichzeitig wurden bundesweit Kalkungsprogramme gestartet, welche die Säurewirkung der eingetragenen Stoffe deutlich abmilderten.

Dennoch sind in den Böden teilweise erhebliche Überreste der historischen Einträge gespeichert. Der Ministerrat des Landes Baden-Württemberg hat daher mit dem Kabinettsbeschluss vom 13. September 2010 das MLR mit der Planung und Umsetzung des regenerationsorientierten Kalkungskonzepts für den Zeitraum 2011 bis 2021 beauftragt. Dieses Programm soll die aktuellen Säureeinträge in die stark belasteten Waldböden ausgleichen und gleichzeitig die Regeneration der Standorte beschleunigen – Ziel ist die Wiederherstellung eines möglichst naturnahen Zustandes. Das Konzept ist auf 40 Jahre angelegt und wurde nun, nach den ersten zehn Jahren, umfassend evaluiert. Den Evaluationsbericht können Sie auf der Website der FVA (PDF, 25 MB) herunterladen.

  

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