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Ein Runder Tisch für den Wald der Zukunft

Vier Männer stehen im Wald und blicken auf ein Loch, das einer der Männer mit einer Schaufel aushebt

Zwangsstandorte für die Eiche: Schwere, staunasse Böden im Willstätter Teil des Korker Walds. Von links nach rechts: Karl Schenker (Jäger im Korker Wald), Uwe Beck (Kämmerer der Stadt Rheinau), Hubert Huber (Revierleiter der Gemeinde Appenweier) und Georg Weis (Revierleiter der Gemeinde Willstätt) / Foto: FVA BW/Thoma

Jagende, Forstleute und Gemeindevertreter/-innen arbeiten gemeinsam an der Anpassung des Korker Waldes an den Klimawandel

Wie sollen unsere Wälder in Zukunft aussehen? Welchen Einfluss haben Rehe auf die Waldverjüngung und wie kann ein konstruktives Miteinander zwischen Waldbesitzenden, -bewirtschaftenden und Jagenden geschaffen werden? Ein Runder Tisch bringt diese im Ortenaukreis ins Gespräch. Ende Mai wurden auf einem gemeinsamen Waldbegang im Korker Wald große Fragen und kleine Details beleuchtet.

"Junge, natürlich aufwachsende Eichen können ein tiefes Wurzelsystem ausbilden und sind im Korker Wald für einen gesunden und stabilen neuen Waldbestand besonders im Klimawandel unverzichtbar", schwärmt der Kehler Förster Markus Gutmann und zeigt der Gruppe das tiefreichende Wurzelwerk einer jungen Eiche. Die jungen Eichen stehen jedoch auch auf dem Speiseplan der Rehe ganz weit oben. Trotz der frischen Blätter sind bei genauerer Betrachtung bei zahlreichen jungen Eichen Verbissspuren zu erkennen. "Der Verbiss durch Rehe an den jungen Bäumen ist ein natürlicher Prozess", erklärt Jan Geyer von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) in Freiburg. Allerdings sollten nicht zu viele Bäumchen verbissen werden, damit noch ausreichend Eichen heranwachsen können.

Gemeinsame Verantwortung für den Wald der Zukunft

"Die Zukunft wird uns häufiger trocken-heiße Sommer bescheren, aber auch Extremwetterereignisse wie Starkniederschläge werden wahrscheinlicher. Die Grundbesitzenden, Försterinnen und Förster sowie Jägerinnen und Jäger stehen darum mit der Anpassung der Waldökosysteme im Zuge des Klimawandels vor einer verantwortungsvollen und dringenden Aufgabe. Diese kann nur durch gemeinsames und abgestimmtes Handeln gelingen", ist Ulrich Schraml, Direktor der FVA, überzeugt. Um diese Zusammenarbeit zu stärken, trafen sich Ende Mai die Jagenden, Forstrevierleitenden und Vertreter/-innen der Gemeinden Appenweier, Kehl, Rheinau und Willstätt im Rahmen der Runden Tische "Waldumbau & Jagd", diesmal zu einem Waldbegang.

Runde Tische

"Hier im Korker Wald treffen wir uns bereits zum dritten Mal", erklärt Stefanie Thoma, die gemeinsam mit ihren Kollegen vom FVA-Wildtierinstitut für die Organisation der Runden Tische verantwortlich ist. "Nachdem es bei den ersten Treffen darum ging, alle Akteure ins Gespräch zu bringen und gemeinsam Ziele zu sammeln und zu verstehen, dient der Waldbegang heute dazu, an echten Waldorten konkret zu werden: Wie können hier die Ziele erreicht werden? Wer kann aktiv werden und was ist zu tun?" Der Runde Tisch im Korker Wald dient auch als Probelauf – in Zukunft sollen Runde Tische "Waldumbau & Jagd" in ganz Baden-Württemberg stattfinden und eine Plattform für das Thema Waldverjüngung und Jagd, sowie für gemeinsame Lösungen hin zu gesunden und vielfältigen Wäldern der Zukunft bieten.

Der Korker Wald als Blaupause

Im Korker Wald ist die Esche, eine ehemals wichtige Baumart, in den vergangenen Jahren dem Eschentriebsterben zum Opfer gefallen. Auch weil trocken-heiße Sommer häufiger werden, wird die Eiche mit ihrem tiefen Wurzelwerk hier immer wichtiger. "Die Eiche hat hier Geschichte und Zukunft", erklärt der Förster der Gemeinde Willstätt, Georg Weis. Teile des Korker Waldes seien sogar "Zwangsstandorte" für die Eiche: Auf den schweren Böden bilde etwa der Bergahorn nur sehr flache Wurzeln aus. Aktuell lässt er den Wald hier schön grün erscheinen, aber Zukunft habe er hier keine. In trockenen Jahren, die in Zukunft wohl immer häufiger würden, fehle diesen Bäumen dann das Wasser und sie sterben ab. Die jungen Eichen können diese dichten Bodenschichten mit ihren Wurzeln aber durchdringen und so auch in Trockenzeiten an Wasser in tieferen Bodenbereichen gelangen.

Wenn Eichen auf dem Speiseplan stehen

Gerade die jungen Eichen sind aber bei Rehen als Nahrung sehr beliebt. Der aktuell hohe Verbiss verhindert an vielen Stellen im Korker Wald, dass sich die neue Eichen-Generation natürlich entwickeln kann. Dabei sei die Pflanzung junger Eichen, die dann künstlich vor Wildeinfluss geschützt werden müssten, keine gleichwertige Alternative zur Naturverjüngung, sondern allenfalls eine "Krücke", sind sich die Förster Weis und Gutmann einig. Eine solche sogenannte Kulturbegründung koste zum einen in etwa 20.000 Euro pro Hektar Verjüngungsfläche – eine enorme Summe, angesichts des steigenden Bedarfs an gesunder Waldverjüngung. Außerdem hätten die gepflanzten Bäume ein weniger stabiles Wurzelwachstum als die "Naturverjüngung" und würden bei extremer Hitze und Trockenheit häufiger absterben.

Interessensgemeinschaft im Werden

Die Jagdpachtenden Kurt Lubberger, Petra Goos und Günter Jockers zeigen in ihrem Revierteil, dass sich die Eiche im Korker Wald auch ohne Schutz verjüngen kann. Erreicht habe man das mithilfe einer angepassten Jagd und regelmäßiger, intensiver Abstimmung mit dem Forst. "Auch wenn der Verbiss wieder etwas angestiegen ist, die Bemühungen der letzten Jahre haben Früchte getragen. Das war ein gutes Stück Arbeit", sagt Jockers und zeigt auf eine Gruppe übermannshoher junger Eichen, die ohne Schutz aufgewachsen sind. Der erfahrene Jäger bedauert, dass sich die Diskussion nach wie vor vorwiegend zwischen Forstleuten, Jägerinnen und Jägern abspiele:"Forst und Jagd müssen als Interessengemeinschaft auftreten." Ohne das Engagement der Waldeigentümer könne die Waldverjüngung hier aber nicht gelingen, beklagt Jockers und bedauert, dass nicht noch mehr Gemeindevertreter/-innen die Runden Tische nutzen, um sich mit der Zukunft des Waldes auseinanderzusetzen. Die Möglichkeit dazu besteht: in zwei weiteren Treffen im Sommer und Herbst 2022.

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