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Wo überwintern Fledermäuse?

Fledermäuse hängen in einer Höhle von der Decke. FVA BW/Hendel

FVA-Expertin beantwortet die wichtigsten Fragen zur Tierart im Winter
In den kalten Monaten wird es ruhiger um viele Tierarten. Dazu zählt auch die Fledermaus. Wo sie sich versteckt, was die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) mit ihrem Monitoring untersucht und warum es auch in der kalten Jahreszeit nicht ruht, erklärt Fledermausexpertin Elisabeth Schüler.

In der kalten Jahreszeit sieht man Fledermäuse selten, Frau Schüler, was machen die Tiere während dieser Zeit?

Die kurze Antwort: Nichts! Fledermäuse halten Winterruhe – das ist ein Zustand, der dem Winterschlaf ähnelt. Das heißt also, dass sie sich möglichst frostfreie, geschützte Orte mit konstanter Temperatur suchen, zum Beispiel Höhlen, Keller, Stollen oder seltener auch Baumhöhlen. Dort verringern sie ihre Körpertemperatur, verlangsamen ihren Stoffwechsel und zehren von ihren Fettreserven, die sie sich im Sommer angefressen haben.

Und wenn im eigenen Keller plötzlich eine Fledermaus hängt – was tun?

Schön, dass Sie sie vorübergehend beherbergen! Wichtig ist, Fledermäuse in Winterruhe nicht zu stören, da ein Aufwachen zu starkem Energieverlust führt und die Überlebenschancen verringert.

Das heißt, einfach hängen lassen und warten, bis sie von allein wieder ausschwärmt?

Das wäre natürlich ideal!

Das klingt aber so, als sollte man im Winter keine Fledermäuse fliegen sehen. Gelegentlich begegnet man trotzdem einer. Was hat es hier auf sich?

Stimmt, wenn es so warm ist, dass Insekten unterwegs sind, werden einige Fledermäuse – besonders die Wasserfledermaus – manchmal aktiv. Das ist für sie aber ein riskantes Unterfangen, da genug Nahrung vorhanden sein muss, damit sich das sehr energieintensive Aufwachen aus der Winterruhe lohnt. Ein anderer Grund dafür, warum Fledermäuse manchmal auch im Winter unterwegs sind, ist das sogenannte Frostschwärmen. Das können wir bei Zwerg- und Mückenfledermäusen vor stärkeren Frostperioden beobachten. Es wird vermutet, dass Individuen, die in kleineren Quartieren mit weniger Frostschutz untergekommen sind, nun in ein Massenwinterquartier umziehen, das besser vor Frost geschützt ist.

Die Paarungszeit von Fledermäusen ist im Herbst. Wie kommt es, dass die heimischen Fledermausweibchen dann trotzdem nicht über den Winter trächtig sind?

Die Körperfunktionen sind in der Winterruhe auf ein Minimum heruntergefahren. Darum findet die eigentliche Befruchtung bei Fledermäusen erst im Frühjahr statt – mit anschließender Trächtigkeit.

Die FVA betreibt ein landesweites Fledermausmonitoring im Wald. Was machen eigentlich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wenn die Artengruppe, die sie beobachten, Winterruhe hält?

Eine Winterruhe gibt es für die natürlich nicht! Es werden bereits die Fledermauserfassungen für das Folgejahr vorbereitet, die Daten von zum Beispiel akustischen Erfassungen oder Netzfängen aus dem vergangenen Sommer werden gesichtet und ausgewertet. Das ist der spannendste Teil, denn hier werden beispielsweise Arten auf Standorten entdeckt, auf denen man sie vielleicht nicht erwartet hätte oder Zusammenhänge zwischen Waldbeschaffenheit und Artvorkommen festgestellt.

Dann gibt es gar keine Erfassungen, die im Winter stattfinden?

Doch, es gibt auch Zählungen von Fledermäusen in Winterquartieren, zum Beispiel in Höhlen. Das wird in Baden-Württemberg löblicherweise in der Regel durch Ehrenamtliche durchgeführt.

Die Wintererfassungen der FVA betrachten hingegen nicht die Tiere selbst, sondern ihre potenziellen Quartiere im Wald. Dazu werden auf den Untersuchungsflächen systematisch sogenannte Mikrohabitate wie Spechtlöcher, Astabbrüche oder Rindentaschen an Bäumen kartiert. Mit den Daten kann dann geschaut werden, ob tatsächlich viele Fledermäuse dort vorkommen wo auch die Verfügbarkeit von möglichen Habitaten hoch ist.

Das Fledermausmonitoring ist nur ein Teil eines landesweiten Waldbiodiversitätsmonitorings. Welche Artengruppen werden in diesem Monitoring noch erfasst?

Neben den Fledermäusen werden auch Insekten, Bodenfauna und Vegetationsstrukturen erfasst. Dieses landesweite Waldbiodiversitätsmonitoring dient dazu, Zusammenhänge zwischen forstlichen Faktoren und Artengruppen herzustellen und sie über die Zeit zu beobachten. Dadurch können Kenntnisse von Waldbiodiversität erweitert und Empfehlungen für das Waldmanagement in Baden-Württemberg abgeleitet werden.
Dabei wenden wir auch Methoden aus der Fernerkundung an. Alle Erfassungen finden aber auf einer gemeinsamen Flächenkulisse von über 100 Flächen statt, die über ganz Baden-Württemberg verteilt sind. Die Flächen sind in vier Sets unterteilt, die in einem Turnus von vier Jahren erfasst werden. In diesem Jahr wird Set vier erfasst, was ganz besonders ist: Dann stehen erstmals Daten von allen Flächen zur Verfügung. So richtig spannend wird es aber bei Wiederholungserfassungen der Flächen, wenn zeitliche Trends ersichtlich werden.

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