Wirkung der Bodenschutzkalkung

Das Kalkmaterial wird oberflächlich auf den Waldboden ausgebracht und beginnt dort zu wirken. Es löst sich auf und belebt zunächst die Organismen in der Streu – also dem abgestorbenen Laub und den Nadeln – und im oberen Mineralboden. Das erleichtert Pilzen und Bakterien, aber auch Käfern, Regenwürmern und anderen Tieren den Abbau der Streu, was Nährstoffe freisetzt. Diese sowie das Calcium und Magnesium aus dem Kalkmaterial selbst füllen die Reserven des Bodens auf und machen die vorherrschenden Aluminiumionen unschädlich. Außerdem nehmen die Kapazitäten des Bodens zu, neuerliche Säureeinträge auszugleichen. Nach und nach wirkt die Kalkung dann auch in tieferen Bodenbereichen.

Bei der Umsetzung der Streu wird aber auch Nitrat freigegeben, das teilweise von Pflanzen aufgenommen und teilweise ausgewaschen wird. Auswaschungen geschehen aber insgesamt selten und nur kurzfristig. Häufiger wirkt die Kalkung der Auswaschung von Nitrat entgegen, indem sie die Aufnahme des Stoffes durch Pflanzen fördert. Auch reduziert die Kalkung die Löslichkeit von Schwermetallen.

Entsprechend selten sind negative Berichte über Veränderungen der Wasserqualität. Im Gegenteil: Gewässer, in deren Einzugsgebieten gekalkt wurde, weisen höhere pH-Werte und geringere Konzentrationen von schädlichen Verbindungen auf. Das verbessert die Trinkwasserqualität und Lebensraumqualität für viele Fischarten. Potenziell giftige Versauerungsschübe in die Flüsse und Seen werden deutlich seltener.

Die Gesundheit von Bäumen profitiert im Allgemeinen sehr deutlich von den Kalkungen, was an verbesserten Lebensbedingungen der Wurzeln und einer besseren Nährstoffverfügbarkeit liegt. Die positive Wirkung der Kalkung auf den Kronenraumzustand bestätigt auch der aktuelle Waldzustandsbericht (Meining et al. 2020). Das führt dazu, dass sie weniger anfällig gegenüber Schädlingsbefall und Klimawandelauswirkungen werden.

Bei der Bodenvegetation (Moose, Flechten, Kräuter und Sträucher) macht sich die Kalkung durch eine sehr deutliche Zunahme der Artenvielfalt und der Bodenbedeckung bemerkbar. Das hat einen insgesamt förderlichen Einfluss auf Vögel und Säugetiere, die die Bodenvegetation als Deckung und als Nahrungsquelle nutzen. Die erhöhten Calciumgehalte der Vegetation als Kalkungsfolge fördern die Vermehrung und die Aufzucht dieser Tiere. Sie führen ihrerseits durch die Mitnahme von Samen in Federn, Fell und Kot zur weiteren Verbreitung der Pflanzenarten.

Bei Pilzen, Bakterien und Bodentieren nehmen manche Arten in ihrer Bedeutung ab, während andere dazugewinnen – es findet eine Verschiebung statt. Die in der Folge dominanteren Arten bewirken ihrerseits wieder eine Verbesserung der Nährstoffversorgung und eine bessere Durchlüftung des Bodens, wovon wiederum Wurzeln profitieren.

Neben den positiven Effekten gibt es jedoch auch negative Folgen der Kalkung: Beispielsweise kann die zunächst oberflächliche Wirkung der Kalkung dazu führen, dass Pflanzen ihre Feinwurzeln zeitweise besonders flach wachsen lassen, was sie weniger widerstandsfähig gegen negative Umwelteinflüsse macht. Eine andere mögliche negative Folge ist die erwähnte Freisetzung von Nitrat, die Ökosysteme über- und bei Auswaschung Gewässer belasten kann. Diese Punkte sind aber nach aktuellem Wissensstand nur vorübergehende Erscheinungen. Langfristig und potenziell kritischer ist, dass die Kalkung Pflanzen-, Tier- und Pilzarten benachteiligt, die auf sehr saure Böden spezialisiert sind. Unter günstigeren Bedingungen sind sie häufig nicht mehr konkurrenzfähig und können verdrängt werden. Einige der fraglichen Arten sind gesetzlich geschützt.

Folgendes ist dabei zu beachten: Durch Kalkung bedrohte Arten sind vor allem auf natürlich sauren Böden verbreitet, die bei der regenerationsorientierten Bodenschutzkalkung von vornherein als Ausschlussflächen zählen. Vorkommen von seltenen, kalkungssensitiven Arten führen ebenfalls zum Ausschluss einer Fläche. Die strenge Einhaltung von Ausschlussflächen samt Schutzpuffer soll dafür Sorge tragen, dass keine Verdrängung solcher Arten oder Strukturen stattfindet.

Die Wirkung der Bodenschutzkalkung ist ein insgesamt gut erforschtes Gebiet, welches auch im aktuellen Evaluationsbericht der FVA ausgiebig behandelt wird. Dennoch bleiben Facetten, in denen weitere Forschung sinnvoll ist. Daher behandeln aktuelle Untersuchungen dieses Thema auch weiterhin.

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