Querungshilfen

Querungshilfen (Grünbrücken, Faunabrücken und Tierunterführungen) können zur Vermeidung übermäßiger Lebensraumzerschneidung durch Verkehrswege beitragen, indem sie wildlebenden Tier- und Pflanzenarten ein Überwinden von Verkehrsbarrieren ermöglichen. Für eine optimale Funktionalität müssen diese jedoch gut geplant sein. Ort des Bauwerks, die Multifunktionalität (alle betroffenen Arten müssen berücksichtigt werden) und die Anbindung ans Hinterland sind hierbei essenziell. Eine detaillierte Übersicht der Anforderungen liefert das BfN-Stkript 522 als auch das Merkblatt zur Anlage von Tierquerungshilfen (M AQ). Das IENE Handbook ergänzt auf europäischer Ebene mit Hinweisen zu einzelnen Maßnahmen (Infrastructure & Ecology Network Europe).

Wirungskontrolle und Monitoring

Um die Funktionalität der sehr aufwändigen und kostenintensiven Bauwerke zu gewährleisten, ist es erforderlich, sie regelmäßig auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen, da teils schon geringfügig erscheinende Veränderungen (u.a. Eingriffe, Nutzungsänderungen, Sukzession, Pflege etc.) auf und in der Umgebung dieser Bauwerke leicht zu wesentlichen Funktionsbeeinträchtigungen führen können. Mittels eines (repräsentativen) Monitorings lassen sich Aussagen zum Zustand und Wirksamkeit einer Querungshilfe treffen und folglich Maßnahmen ableiten. Das FVA-Wildtierinstitut überprüfte die Wirksamkeit einzelner Querungshilfen in Baden-Württemberg in mehreren Projekten.

Methodik

Ein (repräsentatives) Monitoring ist ein auf wissenschaftlichen Grundlagen basierendes Monitoring, welches Eignungskontrolle mit wesentlichen Standard-Wirkungskontrollen bei verhältnismäßig geringen Beobachtungszeitaufwand kombiniert (vgl. Hänel & Reck 2013). Neben einem Fokus auf den teils störungssensiblen Wildtieren, umfasst ein repräsentatives Monitoring, gerade auch im Hinblick auf die gesamte von Zerschneidung betroffene biologische Vielfalt, die Nutzungsüberprüfung weiterer wichtiger, besonders aussagekräftiger Arten bzw. Artengruppen wie Reptilien oder Laufkäfer als Indikatoren für die Wirksamkeit der Querungshilfen. Dabei werden zwei Fragen verfolgt:

  • Welche Tierarten nutzen das Bauwerk für Querungen?
  • Welche Tierarten kommen im Umfeld des Bauwerks vor?

Mit einem kontinuierlichen Fotofallenmonitoring über einen längeren Zeitraum (mind. 12 Monate, besser 24 -38 Monate) werden die größeren Säuger („Wildtiere“) erfasst. Neben den häufiger nutzenden residenten Arten können damit auch seltener querende, störungssensible oder wandernde Arten dokumentiert werden. Zusätzlich werden so auch potenzielle Störungen mit und um die Bauwerke erfasst. Ein ergänzender, gelegentlicher Einsatz von Wärmebildkameras diente dazu, das Verhalten (z. B. Flucht, Nahrungsaufnahme etc.) größerer Säuger auf dem Querungsbauwerk zu dokumentieren. Weitere orientierende Erhebungen umfassen je nach Aufwand und Fragestellung Gruppen wie Bilche (Haselmäuse), Waldlaufkäfer, Reptilien und Fledermäuse.

Für den Nachweis der Nutzung der Querungshilfen durch Reptilien werden neben direkter Beobachtung sogenannte „Schlangenbleche“ eingesetzt. Dabei handelt es sich um Platten aus Bitumen oder Metall, die auf den Boden gelegt werden. Reptilien werden durch die absorbierte Wärme als auch durch Versteckmöglichkeit angelockt. Der Nachweis von Haselmäusen und anderen Bilchen erfolgte mit Hilfe von Nisthilfen, sogenannten „Tubes“, die ihnen als Brut- und Schlafstätte dienen. Eine alternative Methode stellen "Footprint Röhren" dar. Die Röhren werden mit einem Tonpapier ausgestattet und an den Eingängen Grafitpulver in Öl aufgetragen. Läuft ein Tier durch die Röhre, hinterlässt es durch das Pulver Pfostenabdrücke auf dem Tonpapier. Die Nisthilfen als auch Durchlaufröhren werden regelmäßig auf eine Belegung bzw. Durchläufe kontrolliert. Laufkäfer werden mithilfe von Becherfallen gefangen und bestimmt. Um Fledermäuse zu dokumentieren, kommen Audiorekorder ("Audiomotten") zum Einsatz, die die Ultraschall-Rufe der Fledermäuse aufgezeichnen. Die Dateien werden im Anschluss mittels spezieller Software ausgewertet.

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