Monitoring von vier Querungshilfen in Baden-Württemberg
Faunabrücke Hörnleswald (B464), Grünbrücke Sasbach (L113n), Faunaunterführung Überlingen (B31n) und Faunabrücke Imberg (A8)
Grünbrücke über die L113n bei Sasbach am Kaiserstuhl (Bild: FVA BW/Wilhelm).
Querungshilfen (u.a. Grünbrücken) dienen, wenn sie funktional sind, der Vernetzung von Lebensräumen, indem sie wildlebenden Tier- und Pflanzenarten ein Überwinden von Verkehrsbarrieren ermöglichen. In diesem Vorhaben wurde ein repräsentatives Monitoring angewendet, um die Wirksamkeit von ausgewählten Querungshilfen hinsichtlich ihrer Funktion zu überprüfen und daraus ggf. Rückschlüsse für die Gestaltung oder andere erforderliche Maßnahmen auf oder im Umfeld abzuleiten.
Von 2020 bis 2022 wurde an den beiden Faunabrücken Imberg (A 8 / ICE-Strecke Stuttgart-Ulm) und Hörnleswald bei Holzgerlingen (B 464), der Grünbrücke Sasbach am Kaiserstuhl (L 113n) und der Faunaunterführung Überlingen (B31n) im Auftrag des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg und der Autobahn GmbH des Bundes ein Monitoring zur Sicherung und Optimierung der Wirksamkeit dieser Querungshilfen durchgeführt.
Ergebnisse
Im Umfeld der Querungshilfen konnten mithilfe der Fotofallen alle dort heimischen mittelgroßen und großen Säugetiere, wie Reh, Wildschwein, Fuchs, Dachs, Hase, Marder und die im Kaiserstuhl vorkommende Wildkatze nachgewiesen werden. Für diese Artengruppen erwiesen sich die Bauwerke als funktional: Alle im Umfeld vorkommenden Säugetiere wurden auch regelmäßig bei der Nutzung der Querungshilfen beobachtet. Die Ausnahme bildete die Faunaunterführung Überlingen, die nur von Füchsen und Dachsen genutzt wird. Rehe und Wildschweine wurden nur vereinzelt oder gar nicht innerhalb der Unterführung dokumentiert.
Anhand der Wärmebildkameradaten konnte zusätzlich gezeigt werden, dass die größeren Säugetiere die Brücken nicht nur als Querungshilfe nutzten, sondern auch Verhalten wie Nahrungssuche und Territorialverhalten zeigten, was auf eine Integration der Querungshilfen als Habitat hindeutet. Einschränkungen ergeben sich durch die Präsenz von Menschen, die auf allen drei Brücken regelmäßig anzutreffen waren. Vor allem die Faunabrücke Holzgerlingen wurde für Erholungszwecke intensiv von Personen aufgesucht, aber auch auf der Faunabrücke Imberg konnten verschiedene Nutzergruppen wie Reiter, Fahrradfahrer, Wanderer, Motocrossfahrer und Schlittenfahrer dokumentiert werden. Die Faunaunterführung ist stark durch die umgebende landwirtschaftliche Intensivnutzung sowie durch regelmäßige Frequentierung des parallel verlaufenden Wirtschaftswegs durch PKW- und Radverkehr sowie Spazierende gestört.
Eine Auswahl an Schnappschüssen aus dem Projekt (zum Vergrößern anklicken):
Mithilfe der Schlangenbleche konnten auf den Querungshilfen Waldeidechse, Blindschleiche und Schlingnatter nachgewiesen werden. In den Niströhren wurden Nester und Fraßspuren der Haselmaus und anderer Bilche gefunden. Mittels der Audiorekorder konnten die Nutzung der Bauwerke durch tieffliegende und strukturgebundene Fledermausarten, wie Zwergfledermaus und Mausohrfledermaus, bestätigt werden. Darüber hinaus konnten verschiedene Laufkäferarten mithilfe der Becherfallen nachgewiesen werden. Unter den weiteren Insekten wurden bei Begehungen verschiedene Tagfalter gesichtet, wie z.B. Weißlinge, Kleiner Eisvogel und Kaisermantel, als auch weit verbreitete Heuschreckenarten.
Gleichzeitig zeigte das Fotofallenmonitoring deutlich, dass neben dem Nachweis verschiedener Tierarten eine sehr intensive menschliche Nutzung der Bauwerke erfolgte, obwohl auf zwei der drei Bauwerke keine Wege mitüberführt werden. Regelmäßig wurden Menschen dokumentiert, wie sie die Grünbrücken beim Spazierengehen, Joggen, Ausführen von Hunden, beim Fahrradfahren, vereinzelt auch mit dem Auto oder Motocross, querten. Auf einem Bauwerk übertraf die menschliche Nutzung die durch Wildtiere sogar um ein Vielfaches.
Die Analyse der tageszeitlichen Nutzung der Querungshilfen zeigte, dass Menschen die Bauwerke überwiegend tagsüber aufsuchten. Das hat zur Folge, dass sich die Aktivität der Wildtiere vor allem in die Dämmerungs- und Nachtzeiten dokumentiert wurden.
Fazit
Das Monitoring zeigt, dass sich die drei untersuchten Bauwerke als Querungshilfe sowie Lebensraum für verschiedenste Artengruppen eignen. Damit tragen sie einen bedeutsamen Anteil zur Vernetzung der Lebensräume und Erhaltung von Wanderkorridoren bei.
Die Funktionalität der Bauwerke ist jedoch aufgrund der intensiven Störungen durch den Menschen deutlich beeinträchtigt. Daher ist eine Beruhigung der Bauwerke durch Absperrungen und Besucherlenkungen zwingend notwendig. Dadurch könnte sich die Nutzung der Querungshilfen durch Wildtiere, besonders auch durch störungssensible Arten wie die Wildkatze, erhöhen und die Tiere tagaktives Verhalten zeigen.
Um die Eignung der Querungshilfen weiterhin zu gewährleisten und deren Funktionalität zu erhöhen, bedarf es neben einer Besucherlenkung ebenso eine regelmäßige Pflege der Vegetation auf den Bauwerken, sodass sich verschiedene Lebensraumstrukturen entwickeln. Notwendig ist beim Verbund von Wäldern ein durchgängiger Gehölzstreifen, Krautflure und Versteckmöglichkeiten, so dass kleinere Tierarten, wie Laufkäfer, Haselmäuse und Marder oder scheue Wildtiere, wie das Reh, genügend Deckung beim Queren der Bauwerke haben. Ebenso ermöglichen diese grünen Leitstrukturen wie Heckenreihen, dass Fledermäuse ihren Weg über die Brücke finden.
Zukünftig wird eine regelmäßige Kontrolle der technischen und ökologischen Voraussetzungen der Bauwerke empfohlen sowie ein regelmäßiges Monitoring zur Kontrolle der Anwesenheit der Tierarten. Die Untersuchung zeigt, dass die angewandten Monitoringmethoden die jeweiligen Artengruppen im Rahmen eines Grünbrückenmonitorings zuverlässig nachweisen können. So lassen sich auch Veränderungen in der Qualität oder Nutzung über die Zeit beobachten und sich bei Bedarf entsprechende Maßnahmen zur Wahrung und Optimierung der Funktionalität ableiten.
Weitere Informationen und Öffentlichkeitsarbeit
- zum Endbericht "Monitoring der Grünbrücke Imberg (A 8) in Baden-Württemberg" (FVA & Autobahn GmbH, 2024)
- zum Endbericht "Monitoring von drei Querungshilfen in Baden-Württemberg" (FVA & VM, 2023)
- In einer Pressemitteilung vom 22.02.2023 wurden viele Fragen und Antworten rund um Wildtiere und Querungshilfen beantwortet