Wirksamkeit von optischen Wildunfallpräventionsmaßnahmen

Besonders blaue Wildwarnreflektoren sollen aufgrund ihrer Farbe wirksamer Wildunfälle verhindern als Wildwarnreflektoren anderer Farben. Bisher erfolgte die Bewertung der Wirksamkeit von Wildwarnreflektoren fast ausschließlich über Veränderungen in Wildunfallzahlen. Studien, die Verhaltensreaktionen von Wildtieren untersuchen, fehlen in Deutschland. Die Frage, ob Wildwarnreflektoren nach der Ausbringung das Verhalten von Wildtieren in Straßennähe oder bei der Straßenquerung verändern und es dadurch zu weniger Unfällen kommt, wurde in einem fünfjährigen Projekt erforscht. Das Forschungsprojekt untersuchte, ob

1. die Farbe Blau eine „Warnfarbe“ darstellt, und

2. die Lichtreize des blauen Halbkreisreflektors zur Minimierung von unfallrelevanten Verhalten führen.

Farbe Blau – keine Warnfarbe

Im Rahmen einer Kooperation mit dem Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin wurde mittels eines experimentellen Fütterungsversuchs das Verhalten von 15 Gehegerehen untersucht, ob blaues und warm-weißes Licht einen Einfluss auf das Verhalten von Rehen haben und die Farbe Blau tatsächlich eine „Warnfarbe“ ist. Dazu wurden Futterschüsseln in zufällig gewählter Reihenfolge mit blauem und warm-weißem Licht angestrahlt, wobei eine Futterschüssel als Kontrolle immer unbeleuchtet blieb. Die Tiere konnten frei an die Futterboxen heran treten. Das Verhalten wurde mit Infrarotkameras überwacht. Die statistischen Ergebnisse zeigten, dass die Wahrscheinlichkeit bei 37 % lag, dass die Tiere die blau beleuchtete Futterschüssel aufsuchten, gefolgt von der warm-weiß beleuchteten Futterschüssel mit 34 % und die unbeleuchtete Futterschüssel mit 29 %. Mit Blick auf die Fressdauer zeigte sich, dass die Tiere an der blau und warm-weiß beleuchteten Futterschüssel im Durchschnitt signifikant rund zehn Sekunden kürzer fraßen als an der nicht beleuchteten Futterschüssel. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Licht einen signifikanten Einfluss auf die Tiere ausübte, jedoch die Argumentation der Hersteller nicht bestätigt werden konnte, dass die Farbe Blau eine „Warnfarbe“ ist, da die Farbe des Lichtes keinen Einfluss auf die Fresszeiten der Tiere hatte.

Blaue Halbkreisreflektoren – kein Einfluss

Ob Rehe ihr Verhalten bei Präsenz von blauen Halbkreisreflektoren verändern, wurde sowohl im Freiland in Verbindung mit Straßenverkehr an fünf Straßenabschnitten in Baden-Württemberg als auch unter kontrollierten Gehegebedingungen in Kooperation mit dem IZW untersucht. Die Umsetzung der Freilanduntersuchung erfolgte mittels Wärmebildkameras, die in 16.000 Stunden Videomaterial 1.062 Reh-Fahrzeugereignisse lieferten. Es zeigte sich, dass die Nähe der Rehe zur Straße entscheidend dafür ist, wie stark die Tiere auf herannahende Fahrzeuge reagierten. Befanden sie sich unmittelbar an der Straße, zeigten sie am häufigsten Flucht- oder Sicherungsverhalten. Dieses nahm mit Abstand zur Straße ab. Weiter zeigten die Videoaufnahmen, dass das Flucht- und Sicherungsverhalten von der Art des Fahrzeuges abhängt und Tiere bei Bussen oder Lastwagen stärker reagierten. Mit blauen Halbkreisreflektoren konnte das Verhalten der Tiere nicht dahingehend verändert werden, dass das Sicherungs- und Fluchtverhalten bei Annäherung eines Fahrzeugs gesteigert wurde – die Reflektoren hatten keinen Effekt auf das Verhalten der Tiere. Die Reaktionen von Rehen auf blaue Halbkreisreflektoren wurden auch im Gehege unter kontrollierten Bedingungen an 33 Tieren getestet. Sowohl männliche als auch weibliche Tiere zeigten dasselbe unveränderte Verhaltensmuster wie Rehe an den Straßenabschnitten, so dass die Ergebnisse der Freilanduntersuchungen bestätigt wurden.

Keine Verhaltensänderung

Darüber hinaus wurde mit Hilfe von GPS-Telemetriesendern das Verhalten von 46 Rehen über mehrere Jahre dokumentiert und untersucht, ob es nach Installation von blauen Halbkreisreflektoren zu räumlichen oder zeitlichen Veränderungen im Straßenquerungsverhalten kommt. Ausgehend von 32 Rehen, die letztendlich Straßen querten, wurden deren 13.689 Straßenquerungen analysiert. Es zeigte sich, dass die Tiere große individuelle Unterschiede im Verhalten aufwiesen. Die Häufigkeit einer Straßenquerung wurde von der Bewegungsaktivität des einzelnen Tieres bestimmt. Aktive Tiere querten häufiger die Straße als inaktive Tiere und die Aktivität der Tiere unterlag dabei tageszeitlichen als auch jahreszeitlichen Schwankungen. In der Dämmerung und Nachtstunden waren die Tiere aktiver, wie auch im Frühling und im Herbst. Der blaue Halbkreisreflektor führte auch hier nicht zu einer Beeinflussung des Rehverhaltens. Es kam zu keiner Veränderung in der Häufigkeit der Straßenquerungen in den einzelnen Gebieten, noch zu tageszeitlichen Verschiebungen im Auftreten der Querungen von Dämmerungs- und Nachtstunden hin zu Tagstunden. Ebenso hatte die Anzahl der Fahrzeuge keinen Einfluss auf das Querungsverhalten.

Die umfangreiche Studie zeigt, dass die Farbe Blaue keine „Warnfarbe“ für Rehe darstellt und blaue Halbkreisreflektoren das Rehverhalten nicht dahingehend ändern, dass Wildunfälle vermieden werden.

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