Wirtschaftliche Randbedingungen von Wildschutzzäunen und Analyse von Wildunfalldaten
Das Forschungsprojekt "Wirtschaftliche Randbedingungen von Wildschutzzäunen an Bundesfernstraßen sowie Analyse von Wildunfalldaten (2020)" leistet zwei Beiträge zum Themenkomplex Wildunfälle. Zum einen wurde eine Methode zur Identifizierung von Wildunfallhäufungsabschnitten entwickelt und diese bei gegebener Datengrundlage bundesweit angewandt (1.). Zum andern erfolgte eine Übersicht und Bewertung der bundesweit eingesetzten Wildschutzzaunsysteme, um Vorschläge zur Verbesserung abzuleiten (2.).
- Für den Zeitraum von 2012-2017 wurden bundesweit Wildunfalldaten abgefragt. Der Rücklauf ergab mehr als 800.000 Wildunfalldaten, die geographisch verortet und mit Hilfe von GIS-Programmen analysiert werden konnten. Die meisten Bundesländer sowie das Tierfund-Kataster Deutschland stellten auswertbare Daten zur Verfügung. Im Rahmen der Auswertung konnten dann 30.393 Wildunfallstrecken für den Zeitraum von 2012 bis 2017 ermittelt werden, die das Kriterium von mindestens 6 Unfällen mit einem maximalen Abstand von 200 m zwischen zwei Wildunfallpunkten erfüllen. Diese Wildunfallstrecken bilden 56,6 % aller gemeldeten Wildunfälle ab. Betroffen sind davon aber nur 4 % des Straßennetzes (29.580 km von 738.145 km). Auf 11.912 Streckenabschnitten liegt die Wildunfalldichte oberhalb von 15 Wildunfälle / km.
- Die Anwendung von Wildschutzzäunen in Deutschland ist in den Wildschutzzaun-Richtlinien (WSchuZR) geregelt, die zuletzt 1985 novelliert wurden. Im Zuge neuer, wissenschaftlicher Erkenntnisse und veränderter Rahmenbedingungen werden die Regelungen in den WSchuZR jedoch in vielen Belangen nicht mehr den aktuellen Verhältnissen gerecht. Die Befragung von Zuständigen des Unterhaltungsdienstes für Bundesfernstraßen in zehn Regionen führte zum Ergebnis, dass Wildschutzzäune gemäß den WSchuZR mit Stacheldraht als Untergrabschutz die Verkehrssicherheit nicht gewährleisten können, da Wildtiere davon nicht genügend abgehalten werden. Dies wird durch regelmäßig auftretende Wildunfälle unterstrichen, die sich innerhalb von gezäunten Straßenabschnitten ereignen. Wichtige Empfehlungen für die Zukunft sind daher Wildschutzzäune grundsätzlich mit funktionalem Untergrabschutz auszustatten und die Zäune von den Grundstücksgrenzen abzurücken, um die Pflege für den Unterhaltungsdienst zu erleichtern. Grundsätzlich sind Wildschutzzäune, die den Artenschutz berücksichtigen („Wildkatzenzaun“) zwar kostenintensiver, sind nach Erfahrung des Unterhaltungsdienstes leichter zu pflegen als Wildschutzzäune mit Knotengeflecht. Darüber hinaus wird die Erfassung und Dokumentation von Wildschutzzäunen im Bundesgebiet empfohlen.
weitere Informationen zum Projekt
- Projektbericht (BMDV - Heft 1138, 2021)
- Projektergebnisse als Veröffentlichung in Natur und Landschaft
- Projektergebnisse zu Wildschutzzäunen als englischsprachige Veröffentlichung
- Informationen zu Wildschutzzaunsystemen unter Arbeitshilfen