Herdenschutzhunde
| Beratungsanfrage Herdenschutz |
B. Trapp
Herdenschutzhund bei Schafherde auf einer Weide
Herdenschutzhunde (HSH) sind eine seit Jahrtausenden bewährte Herdenschutzmaßnahme, die vor allem in Osteuropa und Asien bekannt ist. Regionen also, in denen Wölfe nie verschwunden waren. Seit der Rückkehr des Wolfes nach Deutschland gewinnt der Einsatz von Herdenschutzhunden auch hierzulande wieder an Bedeutung. Bei der Integration dieser traditionellen Methode in die moderne Landwirtschaft sind jedoch viele Faktoren zu berücksichtigen. Im Rahmen der kostenfreien Herdenschutzberatung erhalten Betriebe Unterstützung bei der Entscheidung, ob der Einsatz von Herdenschutzhunden für sie sinnvoll ist.
Die Herdenschutzberatung der FVA steht im engen Erfahrungsaustausch mit Experten und Expertinnen in der Schweiz und Ostdeutschland, wo der Einsatz von Herdenschutzhunden schon über zwei Jahrzehnte erprobt wird. Die Erfahrungen dort zeigen: „Es erweist sich als Generationenaufgabe, ihre Arbeit [= die Arbeit der HSH] so gut wie möglich mit den hiesigen landwirtschaftlichen, gesellschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen in Einklang zu bringen und umgekehrt, diese Rahmenbedingungen wo möglich so anzupassen, dass sie den Hunden und ihren Haltern gerecht werden.“ (AGRIDEA)
Warum Herdenschutzhunde?
Aktuelle wissenschaftliche Studien bestätigen die hohe Effektivität dieser Methode: Wo gut ausgebildete und korrekt eingesetzte Herdenschutzhunde arbeiten, sinkt die Anzahl der Risse deutlich. In Kombination mit wolfsabweisenden Zäunen kann ein sehr guter Herdenschutz hergestellt werden.
Was macht Herdenschutzhunde aus?
Bei Herdenschutzhunden (HSH) handelt es sich um Hunderassen, die speziell dafür gezüchtet wurden, Weidetierherden eigenständig zu bewachen. Sie sollen vor allem große Beutegreifer, Greif- und Rabenvögel sowie wildernde Hunde abschrecken. Dafür sind bestimmte Eigenschaften erforderlich: Selbstständigkeit, Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit, Selbstbewusstsein und die Fähigkeit, Gefahrensituationen von Alltagssituationen unterscheiden zu können.
Wie arbeiten Herdenschutzhunde?
Herdenschutzhunde (HSH) unterscheiden sich bezüglich Ausbildung, Haltung und Einsatz stark von anderen (Nutz-)Hunden: Sie leben ganzjährig bei den Nutztieren und arbeiten weitgehend selbstständig, ohne Kommandos ihrer Halter. Als außerordentlich soziale Tiere können sie mit verschiedensten Nutztierarten sozialisiert werden. Durch die enge Herdenbindung und das damit verbundene Verhalten wirken HSH abwehrend gegen große Beutegreifer wie den Wolf: Die Kombination aus Teamarbeit im Rudel, Reviermarkierung, ständigem Ablaufen des Geländes, erhöhter Aufmerksamkeit und aktivem Verbellen bei Gefahren ist oft ausreichend, um Angreifer von der Herde fernzuhalten. In der Regel meiden Wölfe aufgrund der Verletzungsgefahr einen direkten Kampf und suchen sich stattdessen leichter zugängliche Beute.
Kommt die Arbeit mit Herdenschutzhunden für mich in Frage?
Herdenschutzhunde (HSH) können eine sehr gute Ergänzung zum Herdenschutz mit Zäunen bieten, beispielsweise, wenn dieser in schwierigem Gelände an seine Grenzen stößt. Ein Einsatz von Herdenschutzhunden erhöht die Schutzwirkung, allerdings kann die Umsetzung aufgrund der nötigen Logistik herausfordernd sein, wie das Herdenschutzprojekt von NABU und Landesschafzuchtverband gezeigt hat. Aufgrund der erheblichen finanziellen, arbeitszeitlichen und praktischen Herausforderungen ist diese Schutzvariante nicht für jeden Betrieb geeignet. Ob die Arbeit mit HSH sinnvoll ist, hängt unter anderem von der Anzahl der Weidetiere, den Geländegegebenheiten, externen Einflüssen und persönlichen Faktoren (zum Beispiel Motivation, Arbeitskapazitäten, Tourismusintensität, Nachbarschaft etc.) ab. Nutztierhaltende müssen bereit sein, viel Zeit und Geduld in die Sozialisation und Haltung der Tiere zu investieren. Um Konflikten vorzubeugen, sollten nur Hunde eingesetzt werden, die auch mit dem Menschen sozialisiert sind. Bis zur vollumfänglichen Einsatzbereitschaft kann es bis zu zwei Jahre dauern. Ein vorausschauendes Konfliktmanagement durch begleitende Aufklärungsarbeit im Einsatzgebiet und den Einbezug von Ansprechpersonen aus der Tourismusbranche und von Hundebesitzenden kann Problemen vorbeugen.
Die Unterhaltskosten für zertifizierte HSH werden vom Land Baden-Württemberg unter bestimmten Voraussetzungen (beispielsweise vorangegangene Herdenschutzberatung) mit einer jährlichen Pauschale gefördert. Um die Fördervoraussetzungen in Baden-Württemberg zu erfüllen, müssen HSH hinter Zäunen eingesetzt werden, die mindestens dem Grundschutz entsprechen. Dies sollte bereits vor der Planung berücksichtigt werden.
Die FVA unterstützt beim Einsatz von Herdenschutzhunden
Die FVA ist seit 2019 mit der Konzeption und Umsetzung des Herdenschutzes in Baden-Württemberg durch das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft (UM) und das Ministerium für Ländlichen Raum (MLR) beauftragt. Dazu gehört auch das Erstellen eines Konzepts zum Einsatz von Herdenschutzhunden (HSH) und anderen Herdenschutztieren. Neben der Bereitstellung von Informationen umfasst dieses die Vernetzung zwischen Interessierten und Verbänden sowie die Koordination der HSH-Beratung.
Vorgehen bei Interesse an Herdenschutzhunden
Es wird empfohlen, bereits vor der Anschaffung von Herdenschutzhunden (HSH) die Beratung der FVA in Anspruch zu nehmen. Diese Beratung ist obligatorisch für eine Förderung. Da für eine Förderung zudem Zäune vorhanden sein müssen, die den Grundschutzvorgaben entsprechen, wird im Rahmen der Beratung auch der technische Herdenschutz behandelt. Informationen zum Ablauf der Herdenschutzberatung finden Sie hier. Um die Besonderheiten des Einsatzes von HSH gut einschätzen zu können, wird außerdem empfohlen, vor der Anschaffung Kontakt zu den HSH-Verbänden in Deutschland sowie zu Betrieben mit HSH-Erfahrung aufzunehmen.
FVA BW/Schütz
Herdenschutzhunde können zum Schutz unterschiedlicher Nutztiere eingesetzt werden. Hier bei Ziegen.
FVA BW/Schütz
Herdenschutzhunde können an verschiedensten Orten eingesetzt werden. Hier bei Schafen am Deich.