Empfohlener Schutz mit Zäunen

Zäune sind in Baden-Württemberg die am häufigsten genutzte Herdenschutzmaßnahme.
Damit sie wirkungsvoll vor Wölfen und anderen großen Beutegreifern schützen, müssen sie sorgfältig aufgebaut werden: Dabei sind die Maße wichtig, die sich je nach Zauntyp unterscheiden können. Nur der Einsatz von sehr gut elektrifizierten Zäunen sorgt für einen wirkungsvollen Schutz. Gelände und Infrastrukturen (z. B. Bachläufe, Holzstapel) können die Wirksamkeit von Zäunen beeinflussen, weshalb der Zaunverlauf beachtet werden sollte.
Wenn Sie Unterstützung bei der Auswahl geeigneter Zäune sowie individuelle Umsetzungsempfehlungen wünschen, kontaktieren Sie die Herdenschutzberatung.

Zauntypen und Abmessungen

Wolfsabweisender Schutz ist mit verschiedenen Zauntypen umsetzbar.
Es wird zwischen mobilen, halbmobilen und fest installierten Zäunen unterschieden.

  • Bei Weidenetzen und mobilen Litzenzäunen handelt es sich um mobile Zaunarten, die nach der Beweidung abgebaut werden.
  • Bei festen Litzenzäunen (Leitermaterial z. B. Draht oder Kunststoff) und Drahtgeflechtzäunen handelt es sich um feste Zaunarten, die eine Fläche dauerhaft begrenzen.
  • Halbmobile Zäune sind meist Litzenzäune, bestehend aus festen und mobilen Pfosten, die zum Teil nach der Beweidung abgebaut werden können.

Je nach Betriebsanforderungen können diese unterschiedlichen Zauntypen auch miteinander kombiniert werden.

Ein intaktes Weidenetz mit mindestens 105 cm Höhe erfüllt die Maße des empfohlenen Schutzes in normalem Gelände. Im Steilhang empfiehlt es sich, an der hangoberen Zauntrasse eine zusätzliche, gut sichtbare, nichtelektrifizierte Breitbandlitze zu spannen oder mit 120 cm hohen Weidenetzen zu arbeiten. So kann verhindert werden, dass ein Wolf, der oberhalb der Fläche steht, aufgrund der Neigung über das Netz schauen kann und dadurch zum Überspringen verleitet wird.
Der unterste stromführende Leiter (Litze) sollte maximal 20 cm Abstand zum Boden haben, damit ein Wolf nicht unter dem Zaun hindurchschlüpfen kann. Weidenetze gibt es mit stabilen Vertikalen („Kombinetz“) und mit flexiblen Vertikalen („Flexinetz“) sowie in verschiedensten Farben. Weidenetze mit Kontrastfarben (z. B. Schwarz-Weiß) werden von dämmerungsaktiven Tieren besser wahrgenommen als solche in orangener Färbung und sollten daher besonders in Gebieten mit viel Wildvorkommen bevorzugt werden. Für die Umsetzung des Herdenschutzes ist unbedeutend, welche Bauart genutzt wird. Die Netze sollten jedoch intakt sein (ohne Löcher > 20 x 20 cm) und straff abgespannt werden, damit sie an keiner Stelle durchhängen. Die Umsetzung wird im Video erläutert.

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Wann wird beim Schutz mit Weidenetzen eine Höhe von 120 cm empfohlen?

Wie Erfahrungen aus anderen Bundesländern zeigen, kommt es nur sehr vereinzelt vor, dass Wölfe Zäune überspringen. Wo Zäune mit niedrigerer Höhe von 90 cm übersprungen wurden, hat sich die Kombination mit einer in ca. 120 cm Höhe über dem Zaun gespannten Breitbandlitze als wirksame Maßnahme erwiesen, um weitere Übergriffe zu verhindern. Darum sollte nach einem Übergriff durch nachweisliches Überspringen des Zaunes auf der betroffenen Fläche der gesamte Zaun auf 120 cm erhöht werden.

Weidenetze am Hang:

Bei Litzen- und Spanndrahtzäunen werden Leiterhöhen mit 20, 40, 60, 90, 120 cm Abstand zum Boden empfohlen. Besonders wichtig ist das Einhalten eines maximalen Bodenabstands von 20 cm, damit der Zaun nicht untergraben werden kann. Auch die Entfernung der einzelnen Leiter zueinander muss berücksichtigt werden: Da der Brustkorb eines Wolfes einen Durchmesser von ca. 25 cm hat, kann er bei größeren Abständen der stromführenden Leiter hindurchschlüpfen, ohne einen schmerzhaften Stromschlag zu erhalten.

Am Hang oder in Gebieten mit regelmäßiger, höherer Schneelage können auch Zäune mit 6 Leitern sowie 20 cm Abständen zwischen den einzelnen Leitern sinnvoll sein (Litzenhöhen: 20, 40, 60, 80, 100 und 120 cm).

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Sind stabile, intakte und allseitig geschlossene Drahtgeflechtzäune vorhanden, können diese mit stromführenden Leitern auf 20, 90 und 120 cm Höhe zu wolfsabweisenden Zäunen aufgerüstet werden. Für weitere Varianten sollte die Herdenschutzberatung kontaktiert werden. Da Drahtgeflechtzäune den Lebensraum von Wildtieren stark zerschneiden und zudem einen hohen Instandhaltungsaufwand erfordern, wird ihr Neubau nur in Ausnahmefällen empfohlen. Oft sind die vorhandenen Zäune zu baufällig für eine Aufrüstung mit stromführenden Litzen. Bei gut erhaltenen und gepflegten Drahtgeflechtzäunen ist eine Aufrüstung hingegen eine sinnvolle wirtschaftliche Alternative zum Neubau. Anders als bei Elektrozäunen wird bei Drahtgeflechtzäunen nur die wolfsabweisende Aufrüstung gefördert. Informationen zu Gehegewildzäunen finden Sie hier auf der Unterseite Herdenschutz.

Elektrifizierung

Ein Stromschlag ist schmerzhaft. Deshalb werden gut elektrifizierte Zäune sowohl von Weidetieren als auch von Beutegreifern gemieden. Um die gewünschte Stromspannung zu erreichen, sind gut leitfähiges Zaunmaterial, ein leistungsstarkes Weidezaungerät mit ausreichender Impulsenergie und eine angepasste Erdung wichtig.

Das Weidezaungerät erzeugt elektrische Spannung zwischen dem Zaunleiter (Pluspol) und dem Erdboden (Minuspol). Diese Spannung sorgt dafür, dass der Strom fließen kann. Bei einer Berührung des Zauns, beispielsweise durch einen Wolf, wird der Stromkreislauf geschlossen. Die Erdstäbe nehmen den Strom vom Boden wieder auf und leiten ihn zurück zum Weidezaungerät. Hierbei kommt es zum Stromschlag. Ist das gesamte Zaunsystem gut aufeinander abgestimmt, wirkt dieser abschreckend und schmerzhaft.

Die gemessene Stromspannung auf dem Zaun sollte überall mindestens 4.000 Volt (V) betragen. Um eine entsprechend hohe Stromspannung am Zaun zu erzielen, sind ein leistungsstarkes Weidezaungerät und gut leitfähiges Zaunmaterial notwendig.
Wird das Weidezaungerät über eine Batterie mit Strom versorgt, muss diese immer ausreichend geladen sein.
Alles, was elektrisch leitet und den Zaun berührt, führt zu einer Ableitung des Stroms. Um zu verhindern, dass der Pflanzenbewuchs unter dem Zaun eine Ableitung verursacht, sollte dieser Bereich regelmäßig freigemäht werden. Eine Ableitung durch Bewuchs oder Kurzschluss sorgt dafür, dass die Stromspannung der Batterie schneller abfällt.

Um die benötigte Stromspannung von 4.000 V überall am Zaun zu erzielen, ist eine gute Leitfähigkeit (0,1 Ohm/Meter) Voraussetzung. Je länger der Zaun ist und je stärker der Bewuchs, desto besser sollte die Leitfähigkeit des Materials sein, damit der Weidezaunstrom ohne nennenswerte Verluste bis zum Ende des Zauns gelangt. Knoten oder gebrochene Leiter senken die elektrische Leitfähigkeit stark und sollten vermieden werden.

Ein Weidezaungerät sollte eine Impulsenergie von mindestens 2 Joule (J) bieten und an die Länge und den Typ des Weidezauns angepasst sein. Als Faustregel für Litzenzäune gilt: 2 J + 1 J/pro km Zaunlänge (VDE SPEC, 2000). Für eine Koppel mit maximal zehn Weidenetzen ist beispielsweise ein Weidezaungerät mit ca. 3 bis 5 J Impulsenergie gut geeignet. Weidezaunrechner verschiedener Zaunhersteller können bei der Auswahl eines passenden Geräts helfen.

Eine häufige Schwachstelle bei Zäunen ist die Qualität der Erdung. Grundsätzlich sollte die Anzahl und Tiefe der Erdstäbe an die Leitfähigkeit des Bodens und die Impulsenergie des Weidezaungeräts angepasst sein. Es gibt verschiedene Varianten, um eine gute Erdung zu erzielen. Ob eine ausreichende Erdung erzielt wurde, kann mithilfe eines Erdungstests (s. u.) überprüft werden.

Varianten, um eine gute Erdung zu installieren:

  • Je Joule Impulsenergie einen Erdstab mit einem Meter Tiefe verwenden
    oder
  • Verwendung von Weidezaunvarianten mit Plus-Minus-Anschluss
    oder
  • Zaunsysteme mit Erdungsleiter in Kombination mit mindestens einem Erdstab von 1 m Länge
    oder
  • Erdungstest (ausreichende Anzahl an Erdstäben): Ob die Erdung an das Zaunsystem angepasst ist, kann mithilfe eines Tests überprüft werden. Für die Messung wird ein digitales Voltmeter benötigt.
    • in ca. 100 m Entfernung zur Erdung einen Kurzschluss verursachen
    • die Zaunspannung dadurch auf maximal 2.000 V herunterregeln
    • am letzten Erdungsstab die Spannung messen
    • wenn die Spannung größer 500 V ist, muss die Erdung verbessert werden

Maßnahmen zur Verbesserung der Erdung:

  • Einsatz weiterer Erdstäbe
  • längere, tiefer in den Boden eingeschlagene Erdstäbe (für Entfernung Pfahlheber nutzen)
  • fest installierte Erdstäbe an wiederkehrend genutzten Flächen
  • Einsatz eines Erdbandes
  • zusätzliches Eingraben von wasserspeicherndem Material um den Erdstab (z. B. Bentonit)

Zaunverlauf

Um die Weide nicht nur ausbruchssicher, sondern auch „einbruchssicher“ (wolfsabweisend) zu machen, ist es hilfreich, die Blickrichtung zu wechseln (von außerhalb des Zauns nach innen). Die Wahl eines einfachen Zaunverlaufes kann die Kontrolle und Pflege erleichtern.

Der Zaun sollte so verlaufen, dass die regelmäßige Kontrolle und Pflege möglichst einfach ist. Es kann daher sinnvoll sein, den Zaun entlang eines Weges zu verlegen.
Verläuft ein Weidezaun quer über freies Gelände, können Unebenheiten wie Steine, Ameisenhügel etc. die Einhaltung eines Bodenabstands von maximal 20 cm erschweren. Bei wiederholt verwendeten Zauntrassen oder dem Neubau eines Festzauns in solchem Gelände wird daher empfohlen, Unebenheiten maschinell zu planieren. Auch das Mulchen von regelmäßig mit mobilen Zaunsystemen benutzten Zauntrassen ebnet diese mit der Zeit ein und gleicht Bodenunebenheiten aus. Um zu verhindern, dass die Fahrspuren an Toren einen Durchschlupf bieten, wird in diesem Bereich ein befestigter Boden empfohlen.

Der Zaun muss allseitig geschlossen sein, auch wasserseitig. Für einen Wolf sind Bäche und Gräben, Trockenmauern und Felsen keine Barrieren. Es sollten sich zudem keine „Einsprunghilfen“ im Abstand von 2,50 m zum Zaun befinden. Das können z. B. Siloballen, Holzstapel, Baumstümpfe oder Felsen sein, die es dem Wolf ermöglichen, ohne Kontakt mit dem Stromzaun auf die Weide zu gelangen. Wenn möglich, sollten diese Elemente entfernt oder alternativ mit eingezäunt werden.

Der Zaun sollte so angelegt werden, dass die regelmäßige Kontrolle und Pflege möglichst einfach ist. Es kann daher sinnvoll sein, den Zaun entlang des Weges zu installieren.
Verläuft ein Weidezaun quer über freies Gelände, können Unebenheiten wie Steine, Ameisenhügel etc. die Einhaltung eines Bodenabstands von maximal 20 cm erschweren. Bei wiederholt verwendeten Zauntrassen oder dem Neubau eines Festzauns in solchem Gelände wird daher empfohlen, Unebenheiten maschinell zu planieren. Auch das Mulchen von regelmäßig mit mobilen Zaunsystemen benutzten Zauntrassen ebnet diese mit der Zeit ein und gleicht Bodenunebenheiten aus. Um zu verhindern, dass die Fahrspuren an Toren einen Durchschlupf bieten, wird in diesem Bereich ein befestigter Boden empfohlen.

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