Übersicht der Vorträge

Wissenschaftskommunikation und Psychologie hinsichtlich der Akzeptanz von Wildtieren in Deutschland

Dr. Danny Flemming | Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM)

Ein wichtiger Aspekt bei der Gestaltung des Zusammenlebens von Menschen und Wildtieren ist die Kommunikation von der Wissenschaft zur Öffentlichkeit. Diese kann umso erfolgreicher sein, je besser die zugrundeliegenden Prozesse und die daran beteiligten psychologischen Variablen berücksichtig werden.

Anhand experimenteller Studien zur Wissenschaftskommunikation über Füchse und Wölfe in Deutschland wurden Schlüsselfaktoren auf die Einschätzung von Nutzen und Risiken, die Einstellung und die Toleranz gegenüber Wildtieren sowohl auf Seiten des Kommunikationsmediums als auch auf Seiten der Rezipienten empirisch untersucht – darunter Wissen, Emotionen, Visualisierungen, Fragilitätssalienz und soziodemographische Einflussfaktoren.

Der Vortrag stellt die wichtigsten Erkenntnisse aus diesen Studien vor und leitet daraus Schlussfolgerungen für die Wissenschaftskommunikation ab.

Wölfe zwischen Naturbeherrschung und Extinction Studies – veränderte Meta-Narrative der Mensch-Umwelt-Beziehungen

Prof. Dr. Michaela Fenske M.A. und Marlis Heyer | Lehrstuhl für Europäische Ethnologie, Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Das gesellschaftliche Verhältnis zur Umwelt ist in der jüngeren Vergangenheit von starken Veränderungen geprägt. Während noch vor zweihundert Jahren die Natur vor allem als zu beherrschender Risikofaktor wahrgenommen wurde, den es zu kontrollieren und zu minimieren galt, dominieren heute Debatten über Naturschutz. Besonders gut festmachen lassen sich diese Entwicklungen an so polarisierenden tierlichen Akteuren wie den Wölfen. Durch deren Interesse an Ressourcen, die auch wir Menschen für uns beanspruchen, aber auch wegen der starken kulturellen Aufladung geraten Wölfe immer wieder in den Fokus von Debatten: Wieviel Wildnis verträgt eine Kulturlandschaft? Welche Hoffnungen verkörpern die Wölfe, die sich zunehmend in Deutschland und Westeuropa ausbreiten? Und wo geraten wir gesellschaftlich an unsere Grenzen, wenn es um das Zusammenleben mit Wildtieren geht? 

Michaela Fenske und Marlis Heyer, die den Themenkomplex der Wolfsrückkehr im Rahmen eines DFG-Forschungsprojektes bearbeiten, zeigen am Beispiel „Wolf“, wie sich die großen Erzählungen über Mensch-Umwelt-Beziehungen verändern. Aus der Perspektive der Alltagskulturwissenschaft Europäische Ethnologie beleuchten sie, wie veränderte Natur-Kultur-Verständnisse unser Zusammenleben mit Wildtieren beeinflussen.

Hier geht es zum DFG-Projekt: Die Rückkehr der Wölfe.
 

Die Zukunft von Mensch-Wildtier-Verhältnissen – Eine soziologische Perspektive

PD Dr. Jens Jetzkowitz

Es sieht nicht gut aus für die Wildtiere. Ein Blick allein auf die Säugetiere kann das verdeutlichen. Die wilden unter ihnen sind auf unserem Planeten zu einer absoluten Minderheit geworden. Nur 4% der Biomasse aller Säugetiere sind heute Wildtiere, 36% sind Menschen und 60% ihre Nutztiere. Dass dies so ist, wird mal als Ausdruck des Erfolgs der Spezies „Mensch“ gedeutet, mal – und heute zumeist – als alarmierendes Ergebnis einer nicht-nachhaltigen Entwicklung. Vor diesem Hintergrund thematisiert der Vortrag, welche Zukunftsvorstellungen von Mensch-Wildtier-Verhältnissen unsere gesellschaftliche Gegenwart prägen, und erörtert deren weitere Entwicklungsmöglichkeiten. Neben (a.) den alltäglichen Vorstellungen einer wünschenswerten Zukunft werden natürlich auch (b.) Prognosen zur weiteren Entwicklung von Mensch-Wildtier-Verhältnissen bzw. von biologischer Vielfalt betrachtet. Vor allem aber wird (c.) skizziert, wie das Ziel einer koevolutiven Zukunft von Wildtieren und Menschen in der mitteleuropäischen Kulturlandschaft Wirklichkeit werden kann. Basis hierfür ist eine Analyse der institutionalisierten Praktiken, die heute Mensch-Wildtier-Verhältnisse bestimmen (Land- und Forstwirtschaft, Tourismus und Naherholung, Verkehr, Raumplanung, etc.).

Die Beziehung Mensch-Wildtier – Warum Konflikte oft nicht mit Zäunen gelöst werden können

Julia Stauder | EURAC Research 

Die Weltbevölkerung hat sich in den letzten 50 Jahren beinahe verdoppelt. Die Menschheit braucht stetig mehr Ressourcen und entfernt sich gleichzeitig immer mehr von seiner natürlichen Umgebung. Diese Entwicklung führt unter anderem auch unweigerlich zu Konflikten mit Wildtieren. Anhand konkreter Beispiele weltweit soll die Beziehung Mensch-Wildtier von unterschiedlichen Gesichtspunkten beleuchtet werden. Der Vortrag präsentiert die unterschiedlichen Zugänge, die Menschen zu Wildtieren haben und zeigt, dass Mensch-Tier Konflikte oft über das reine Artenmanagement und biologische Aspekte hinausgehen. 

Wissenschaftler*in trifft Journalist*in - Von Freude, Leid und einem Quantum Missverständnis

Axel Wagner | Südwestrundfunk (SWR)

„Oh klasse, mein Thema kommt in die Tagesschau...das dauert aber lange mit den Dreharbeiten...so habe ich das nicht gesagt!“ anfängliche Freude über einen Medienkontakt kann schnell zum Leiden unter Produktionsbedingungen mutieren, um sich dann auch noch in echten Frust über das Ergebnis zu verwandeln. Womit lässt sich dieses Drama verhindern? Was tun, damit nicht die Motivation abhanden kommt, eigene Themen in den Medien erfolgreich zu etablieren? Wie das eigene Ziel verfolgen, statt von Medienmachern verfolgt zu werden oder gar die Kontrolle über die eigene Rolle zu verlieren? Der Kurzvortrag von Axel Wagner (SWR-Wissenschaftsjournalist und Biologe) sensibilisiert für den richtigen Umgang mit dem geliebten Feindbild „Journalismus“. Denn im Zeitalter multidiverser Wissenschaftskommunikation ist es unerlässlich, die Grundprinzipien des medialen Informationsaustausches zu kennen, um sie dann auch anzuwenden. Fundiertes Handwerk statt schwarzer Magie ist der Schlüssel zum gekonnten Miteinander unter Kommunikations-Profis, zu denen sich auch jede und jeder „Wissen Schaffende“ zählen sollte, aus eigenem Selbstverständnis wie auch im Dienste der Gesellschaft, denn Forschung und wissenschaftliche Erkenntnis sind dann erst wirksam, wenn sie auch gut vermittelt werden.

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