Gesucht: die Super-Esche

Nahaufnahme: Eschsaaten sprießen aus der Erde

Eschenansaat (Foto: FVA BW/Rentschler)

Sind manche Eschen genetisch gegen das Eschentriebsterben gewappnet? Das will die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) herausfinden.

Eschen haben in unseren Wäldern ein großes Problem: Ein Winzling bedroht die imposanten Waldriesen. Das Falsche Weiße Stängelbecherchen (Hymenoscyphus  fraxineus), ein Pilz, verursacht das Eschentriebsterben, dem ganze Bestände zum Opfer fallen können. Deshalb untersucht das deutschlandweite Verbundprojekt "FraxForFuture" heimische Eschen auf potenzielle Toleranz gegenüber diesem Schaderreger. Dabei ist die FVA auf die Mithilfe der Waldbesitzenden und der Bevölkerung angewiesen.

Was genau wird gesucht?

Ziel der landesweiten Suche sind besonders widerstandsfähige Eschen. "Die Bäume sollen wenige bis keine Symptome des Eschentriebsterbens aufweisen", sagt Felix Rentschler, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Waldnaturschutz der FVA. Er erklärt: "Solche Bäume stechen aus stark erkrankten oder absterbenden Eschen im direkten Umfeld hervor."

2021 wurden mit Hilfe von Forstrevierleitenden und Interessierten landesweit rund 150 Exemplare gefunden. Leider wiesen auch die potenziell toleranten Bäume oft leichte Schadsymptome auf. "Völlig resistente Eschen konnten wir bisher noch nicht finden", bedauert Rentschler. Viele nahezu gesunde Eschen zu finden sei enorm wichtig, um potenziell pilzresistente Bäume zu erhalten.

Warum wird gesucht?

Ziel der Suche ist es, die Hoffnungsträgerinnen für den zukünftigen Erhalt der Esche zu finden. "Es gibt Hinweise, dass einige Eschen gegen die Infektion toleranter sind als andere und dies genetische Ursachen hat", fasst Rentschler bisherige Beobachtungen zusammen.

Um diese Eigenschaft an die Folgegeneration vererben zu können, gilt die erneute Suche der FVA nun augenscheinlich gesunden weiblichen Bäumen zur späteren Saatgutgewinnung. Dafür bittet sie um Hinweise von Revierleitenden sowie von Bürgerinnen und Bürgern. Zur Beurteilung der Vitalität der Bäume helfen eine Checkliste auf der Website der FVA www.fva-bw.de/eschen-gesucht und ein sogenannter Boniturschlüssel.

Wie geht es mit dem Genmaterial weiter?

Von den bereits im vergangenen Jahr gefundenen hoffnungsvollen Eschen wurde Genmaterial gesichert, indem die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Pfropfreiser auf Eschen-Unterlagen veredelt haben. Elena Körtels, Mitarbeiterin der Abteilung Waldnaturschutz der FVA, spricht von 2000 jungen Eschen-Klonen, die nun für Resistenztests verfügbar sind. "Wir konfrontieren sie gezielt mit dem Erregerpilz und prüfen ihre Widerstandsfähigkeit gegen das Eschentriebsterben", erklärt sie. Langfristig will die FVA einige der widerstandsfähigsten Exemplare in Klon-Archiven bewahren, um damit eine Samenplantage anzulegen. Zusätzlich erfolgen Resistenztests der Nachzucht aus geerntetem Saatgut. Zukünftig lassen sich so weitere Samenplantagen anlegen – als Basis für Eschengenerationen, die dem Pilz gegenüber toleranter sind.

Demonstrationsprojekt FraxForFuture

Im Projekt FraxForFuture wird neben der Auswahl widerstandsfähiger Eschen umfassende Forschung zu Einflussfaktoren und Folgen des Eschentriebsterbens betrieben. Dabei wird beispielhaft der Umgang mit einem invasiven Schaderreger erprobt. Forschungsinstitute, Forstverwaltungen und Hochschulen arbeiten in verschiedenen Disziplinen in ganz Deutschland zusammen, um alle Aspekte der Krankheit und ihrer Folgen, vom Erreger bis zur Widerstandsfähigkeit der Esche, zu verstehen und Maßnahmen für den Umgang mit erkrankten Beständen zu erarbeiten.

FraxForFuture wird gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit.

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