Aktuelle Situation

13.06.2024

"Endlich wieder warm und sonnig!" werden auch die Borkenkäfer in der letzten Woche gedacht haben und sind massiv ausgeschwärmt: An nahezu allen Monitoring-Standorten in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz kam es zu in diesem Jahr noch nie erreichten Fangzahlen; meist vier- bis sogar fünfstellig. Die höchsten Fangzahlen verzeichneten Fallen im Odenwald, der Schwäbischen Alb sowie im Mittleren Schwarzwald (allesamt >10.000 Buchdrucker / Falle). Selbst an Standorten mit bisher stets wenig Dynamik, z.B. Rothaus / Südschwarzwald, wurden ungewöhnlich viele Käfer gezählt. Somit herrschte landesweit (bis auf die Gipfellagen im Hochschwarzwald) ein erhebliches Befallsrisiko!

Während der spät ausfliegende Teil der Überwinterer damit erst kürzlich ihre Bruten angelegt haben, sind die bereits im April angelegten F1-Bruten mittlerweile im Jungkäferstadium bzw. teilweise auch schon ausflugsfertig entwickelt. Mit dem Ausflug der ersten Generation muss also ab sofort gerechnet werden. In diesem Jahr erleben wir eine ungewöhnlich große zeitliche Spanne in den Brutanlagen zur ersten Generation (Anfang April - Mitte Juni).

Auch in den kommenden Tagen ist landesweit ein erhöhtes Schwärm- und Befallsaufkommen zu erwarten; Mitte kommender Woche steht dann wahrscheinlich auch im Hochschwarzwald >1.200 m üNN (der letzten bisher noch schwärmfreien Zone in Südwestdeutschland) der Saisonstart der Borkenkäfer an.

Was ist zu tun?

Zum einen ist im April befallenes Holz nun umgehend aus den gefährdeten Beständen abzufahren bzw. anderweitig unschädlich zu machen (Hackung, doppelter Harvester-Durchzug um 90° versetzt, Entrindung mit Abfuhr der Rindenstücke), um den Ausflug der Jungkäfer zu verhindern. Zum anderen sollten nun intensive Befallskontrollen durchgeführt werden, um das ab der letzten Woche entstandene Bohrmehl an den frisch befallenen Fichten zu entdecken.

Bohrmehl entsteht mit der Anlage von Muttergängen – und ist das früheste sichere Merkmal von erfolgreicher Besiedlung einer Fichte. Wenn Bohrmehl sichtbar wird, muss dies zur umgehenden Sanierung führen! Harztropfen, die durch die gute Wasserversorgung der Fichten nun auch entstehen können, deuten erstmal nur auf die Abwehr des Baumes hin und sind (ohne weitere Merkmale) noch kein sicheres Befallsmerkmal! Diese Bäume sollten vorerst beobachtet werden. Weitere Befallsmerkmale wie beginnender Rindenabfall, Kronenverlichtung und -verfärbung, welche allesamt einen späten Befallszustand kennzeichnen, werden im weiteren Saisonverlauf nun zunehmend sichtbar.

Für die Entrindung als Alternative zur direkten Abfuhr des Befallsholzes ist mittels Rindenfenster-Proben zu prüfen, ob sich die Brut noch vorwiegend in den weißen Stadien befindet - andernfalls ist diese Methode nurmehr eingeschränkt wirksam. Um die Käfer im Jungkäferstadium hinreichend abzutöten ist dann die Abfuhr des Rindenmaterials erforderlich.

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Alles auf einem Blick zum Borkenkäfermanagement an Fichte gibt es im neuen Flyer

Zu Besonderheiten von Borkenkäfern an Tanne informiert diese letztjährige Waldschutz-Info !

Allgemeines zu Borkenkäfern und Management finden Sie hier in der überarbeiteten 12. Auflage der FNR-Broschüre "Borkenkäfer an Nadelbäumen - erkennen, vorbeugen, bekämpfen", welche als pdf hier verfügbar ist.

 

 

 

 

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