Insektenmonitoring im Wald

Ziel des Projekts

Ziel des Projekts ist es, ein landesweites repräsentatives Insektenmonitoringim Wald zu konzipieren und auf ausgewählten Flächen zu erproben.

Das zu entwickelnde Insektenmonitoring soll dazu dienen, langfristige Trends der Insektenbiodiversität zu erfassen und zu dokumentieren. Dazu sollen unter anderem Veränderungen in der Artenzahl und der Abundanz (Häufigkeit) einzelner Arten (oder Artengruppen) auf unterschiedlichen räumlichen Ebenen erfasst werden.

Aktueller Stand des Konzepts

Nach Expertengesprächen und Literaturrecherche wurde eine Empfehlung für Artengruppen und Fallentypen im Rahmen des an der FVA entwickelten Monitoringkonzeptes getroffen. Ähnlich wie das empfohlene bundesweite Insektenmonitoring ist es in komplementären Modulen für unterschiedliche Fragestellungen konzipiert. Die statistische Auswertung vorhandener Daten aus diversen Forschungsprojekten (zum Beispiel Biodiversitätsexploratorien) hat ergeben, dass für eine Auswertung auf Landesebene die Anzahl der Stichprobenflächen in Baden-Württemberg im Vergleich zum bundesweiten Programm deutlich erhöht werden muss.

Um eine Trendanalyse zu ermöglichen, müssen die Stichprobenflächen wiederholt im Verlauf einiger Jahre beprobt werden. Die Stichprobenflächen sollen dauerhaft angelegt werden. Verlässliche Aussagen zu Trends sind frühestens nach zehn bis 15 Jahren zu erwarten. Erste Kausalitätsanalysen zu räumlichen Mustern und Auswirkungen von Umweltbedingungen sind hingegen bereits nach etwa fünf Jahren möglich.

Der derzeitige Entwurf eines Monitoringkonzeptes besteht aus vier Modulen mit jeweils drei bis vier Bausteinen:

  • Im ersten Modul Grundprogramm sollen großräumige Veränderungen im Zeitverlauf erfasst werden. Der vorhandene Gradient der Bewirtschaftungsintensität wird auf den Stichprobenflächen des Grundprogramms voraussichtlich nicht ausreichen, um potentielle Auswirkungen der Bewirtschaftung auf die Trends der Insektenfauna statistisch abgesichert evaluieren zu können.
  • Daher sollen im Modul 2: Bewirtschaftungsintensität gezielt zusätzliche Stichprobenflächen ausgewählt werden, die die Extremvarianten der Bewirtschaftungsintensität abbilden. Der Klimawandel führt in einzelnen Teilen des Landes zu schnelleren und stärkeren Temperatur- und Niederschlagsveränderungen als im Rest des Landes. Das Wissen darum, ob die Insektenfauna in solchen Gebieten abweichende Trends aufweist, kann dabei helfen frühzeitig Auswirkungen des Klimawandels auf Insekten auf der Landesebene besser abzuschätzen.
  • Im Modul 3: Klimawandel werden für diese Fragestellung zusätzliche Stichprobenflächen in klimatisch vulnerablen Regionen angelegt.
  • Sonderstandorte, deren Lebensraumausstattung sich schnell ändern kann, sollten in Modul 4: Gefährdete Lebensräume betrachtet werden.

Grundsätzlich gibt es beim Monitoring sehr viele Stellschrauben, mit denen der notwendige Aufwand beeinflusst werden kann. Letztlich hängt er von der Anzahl der Flächen, der Anzahl Aufnahmen je Saison und der Methodik ab. Der notwendige Aufwand wird im weiteren Projektverlauf nach Rückmeldungen von Experten zur Methodik abgeschätzt werden.

Hintergrund

Insekten kommt eine Schlüsselrolle in unseren Biozönosen zu, was auch für unsere Waldökosysteme gilt. Nehmen die Insektenvielfalt und die Insekten-Biomasse ab, so führt dies unweigerlich auch zu Verschlechterungen bei den meisten anderen Artengruppen und damit der Biodiversität insgesamt. Gleichzeitig werden essenzielle ökosystemare Prozesse gefährdet (z.B. Bestäubung, Stoffkreisläufe). Einzelne Untersuchungen deuten darauf hin, dass sowohl die Gesamtmenge als auch die Arten­vielfalt der Insekten in Deutschland und Baden-Württemberg in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen sind. Auch für den Wald gibt es Hinweise auf einen Rückgang, wenngleich die vorliegenden Ergebnisse sich bisher nur auf einzelne Studien und Regionen beziehen und eine Verallgemeinerung nicht zulässig ist.

Gleichzeitig findet durch den Klimawandel momentan ein massiver Veränderungsprozess in unseren Wäldern statt, dessen Auswirkungen auf das Ökosystem und auf die Insekten unbekannt sind. Viele Baumarten leiden aktuell unter vermehrt auftretenden Trockensommern und Schädlingen und die Anbauwürdigkeit von vielen Baumarten wird verstärkt hinterfragt. Zusätzlich wird in den letzten Jahren ein Trend zu mehr Öffnungen im Kronendach durch zum Teil großflächige Störungen beobachtet. Wenn sich diese Entwicklungen in den nächsten Jahren fortsetzten, werden unsere Wälder ihr Gesicht und damit den Lebensraum der Insekten stark verändern.

Konzept für bundesweites, langfristiges Insektenmonitoring

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) erarbeitet zurzeit ein Konzept für ein bundesweites, langfristiges Insektenmonitoring. Dies ist modular aus unterschiedlichen Bausteinen für verschiedene Landnutzungsklassen wie Grünland und Wald aufgebaut. Die einzelnen Bausteine wurden mit den Naturschutzverwaltungen aller Bundesländer diskutiert und zum Teil abgestimmt. Zielsetzung des bundesweiten Monitorings ist eine bundesweite Analyse von Trends getrennt nach Naturräumen und Landnutzungsformen (Grünland, Ackerland, Wald etc.). Eine Auswertung auf Landesebene oder für verschiedene Waldtypen wird mit dem BfN Insektenmonitoring nicht angestrebt.

Monitoring in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg wird im Offenland seit 2018 durch die LUBW bereits ein Monitoring für Tagfalter und Widderchen, die Biomasse flugaktiver Insekten, Nachtfalter, Heuschrecken und Laufkäfer durchgeführt. Der Umfang an beprobten Stichprobenflächen geht dabei weit über den empfohlenen Umfang des bundesweiten Programms hinaus, um Trends auch auf Landesebene statistisch abgesichert erfassen zu können. Um dies auch im Wald zu ermöglichen, ist eine Ergänzung und Erweiterung des bundesweit empfohlenen Monitorings analog zum Monitoring im Offenland der LUBW notwendig. Für die Anzahl der Stichprobenflächen ist zu berücksichtigen, dass Waldflächen tendenziell heterogener sind als Acker- oder Grünlandflächen, da In der Landwirtschaft eine stärkere Homogenisierung über Standorte und Landschaftstypen hinweg erreicht wurde (Melioration, Düngung etc.). Außerdem deckt das Monitoring im Wald einen größeren Höhengradienten ab. Daher wird im Wald je nach Artengruppe eine größere Anzahl an Stichprobenflächen als im Offenland benötigt.

Durch die Etablierung eines dauerhaften Monitorings im Wald würde auch eine Forderung des Aktionsprogramms Insektenschutz der Bundesregierung umgesetzt.

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