Herdenschutz bei Rindern im Südschwarzwald

Wölfe ernähren sich überwiegend von Wildtieren. Aber einzelne Wölfe können auch in der Lage sein, Rinder anzugreifen und zu töten. Hierbei ist das Risiko einer Verletzung für einen Wolf beim Angriff je nach Wehrhaftigkeit der Rinder nicht unerheblich. Daher werden jüngere und unerfahrene Rinder bevorzugt. Seit November 2021 gab es vereinzelte, im August 2022 dann mehrere Übergriffe auf Rinder durch den im Südschwarzwald residenten Wolf mit der Kennung GW1129m. Dabei waren bisher nur Tiere bis zu einem Alter von 13 Monaten betroffen, überwiegend aus reinen Jungviehherden (Stand 9. September 2022).

Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Wolf GW1129m auch weiterhin Jungrinder ohne ausreichenden Schutz angreifen wird.

Nachweise über diesen Wolf sind rund um den Schluchsee zwischen Ühlingen-Birkendorf, Dachsberg (Südschwarzwald), Bernau im Schwarzwald, Titisee-Neustadt und Bräunlingen registriert worden.

Generell: Viele Faktoren beeinflussen, ob ein Wolf eine Rinderherde angreift oder nicht. Übergriffe auf Rinder sind vergleichsweise selten. Nur bei rund 7% der erfassten wolfsverursachten Schäden an Nutztieren in Deutschland handelte es sich um Rinder, hierunter hauptsächlich Kälber unter 14 Tagen (Bericht zu Wolfsverursachten Schäden, Präventions- und Ausgleichszahlungen in Deutschland 2021). Erwachsene Tiere gelten als deutlich wehrhafter als Kälber oder Jungrinder. Zudem kann ein funktionierender Herdenverbund einen guten Schutz darstellen. Das Risiko eines Angriffs ist aber zum Beispiel dann erhöht, wenn die sich neugeborene Kälber abseits des Herdenverbandes oder sogar abseits der Weide ablegen. Der Schutz der Kälber in den ersten Lebenswochen wird entsprechend überall dort empfohlen, wo Wölfe leben.

Im Bereich von GW1129m: In diesem Bereich wurden neugeborene Tiere nur in einem Fall angegriffen: ein Kalb wurde innerhalb einer gemischten Herden mit Mutterkühen und dem Bullen angegriffen und verletzt. Der Wolf hat das Tier jedoch nicht getötet, sondern den Angriff abgebrochen. Ob die Herde den Wolf vertrieben hat, oder die hinzukommenden Menschen ist nicht bekannt. Die meisten Übergriffe fanden auf weniger wehrhafte Jungviehherden ohne adulte (ausgewachsene) Tiere statt. Angrenzende Mutterkuhherden wurden in diesen Fällen nicht angegriffen.

Langfristig kann der Schutz von gefährdeten Tieren durch eine oder die Kombination von mehreren der folgenden Maßnahmen verbessert werden:

  • Kompakte Weideführung
  • Erhöhung der Wehrhaftigkeit der Herden durch Integration von adulten und erfahrenen Tieren in Jungrinderherden
  • Räumliche und zeitliche Konzentration von Abkalbung und Aufzucht in Kombination mit elektrifizierten Herdenschutzzäunen mit 5 Litzen (20-40-60-90-120 cm ab Boden) um Koppeln von Jungrindern und Flächen mit kleinen Kälbern. Hinweis: Zäune sind innerhalb der Förderkulisse Wolfsprävention für Kälber und Jungringer bis zu einem Jahr auf Teilflächen unter Beachtung der Verhältnismäßigkeit von Fläche und Anzahl der Kälber mit einem Fördersatz bis zu 100% förderfähig.
  • 3 Litzen- Zäune um Flächen, auf denen regelmäßig Mutterkuhherden mit Kälbern weiden (das Entweichen der Kälber ist zu vermeiden)
  • In Einzelfällen, nach Beratung durch die FVA, der Einsatz von Herdenschutztieren

Natürlich sind nicht alle Maßnahmen für jeden Betrieb umsetzbar und können ggfs. eine betriebliche Umstellung erfordern. Aktuell laufen national und international verschiedene Projekte um bestehende Maßnahmen zu verbessern oder neue zu entwickeln. Auch in Baden-Württemberg wird ein entsprechendes Projekt vorbereitet.

Für die Entwicklung grundsätzlicher, langfristiger Lösungen wird eine Herdenschutzberatung durch die Mitarbeitenden der FVA dringend empfohlen.

Können die Tiere nach einem Übergriff im nahen Umkreis nicht nächtlich eingestallt werden, kann das Risiko eines erneuten Angriffs mit folgenden Maßnahmen kurzfristig reduziert werden. Betroffene Betriebe können Material hierfür bei der FVA anfragen.

Bei kleinen Koppeln:

  • Aufrüsten der Koppel auf 5 Litzen mit Kunststofflitzen und mobilen Pfosten
  • Elektronetze zur Verstärkung des bestehenden Zaunes
  • Aufstellen und regelmäßiges Umstellen von Blinklichtern, z.B. FoxLights oder Secour Wolfsalarm (Wirksamkeit auf wenige Wochen begrenzt)
  • Installation von Lappzäunen (auch „Flatterband“) am bestehenden Zaun (Wirksamkeit auf wenige Wochen begrenzt)
  • Beschallung der Fläche mit Radio (Wirksamkeit auf wenige Tage begrenzt)
  • Veränderung der Weide / Umgebung, z.B. durch Abstellen eines Fahrzeuges an ungewohnter Stelle (Wirksamkeit auf wenige Tage begrenzt)

Bei großen Koppeln:

  • Aufrüsten der Zäune mit Lappzäunen (Wirksamkeit auf wenige Wochen begrenzt) oder elektrifizierten Lappzäunen (Wirksamkeit von mehreren Wochen bis Monaten)
  • Nächtliche Unterbringung der Tiere auf speziell geschützte Teilflächen innerhalb der großen Koppel (wie oben beschrieben, mittels 5 Litzen/ Netzen/ Lappzäunen o.ä.)

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