Die Waldschnepfe

Unter ihren Verwandten, den Watvögeln, ist die Waldschnepfe eine Besonderheit, als einzige heimischer Watvogel ist sie nicht an Küstengebiete oder Gewässer gebunden, sondern bevorzugt Wälder. Insbesondere solche mit feuchter, regenwurmreicher Erde und viel schützendem Unterwuchs bieten hervorragenden Waldschnepfen-Lebensraum. Den Winter verbringen unsere Waldschnepfen überwiegend im Westen Frankreichs und dem Norden der iberischen Halbinsel. Ab Februar kehren sie dann zum Brüten wieder nach Baden-Württemberg zurück, im Frühjahr findet dann die Balz statt. Auf Höhe der Baumwipfel fliegen die Männchen in der Abend- und Morgendämmerung über Waldlichtungen und geben den häufig als Puitzen und Quorren umschriebenen Balzgesang von sich.

Außerhalb der Balzzeit ist die Waldschnepfe eine sehr heimliche Waldbewohnerin die zudem ausgezeichnet getarnt ist; über ihr Vorkommen und die Populationsentwicklung ist deshalb nur wenig bekannt. Am Wildtierinstitut der FVA wird daher untersucht, wie diese Tierart erfasst und ein Monitoring aufgebaut werden kann.

Mitmachen und forschen

Seit 2018 erprobt die FVA geeignete Methoden zur Erfassung der Waldschnepfe. Eine zentrale Rolle spielen dabei sogenannte Citizen Science-Kartierungen, also Erfassungen mit Bürgerwissenschafter*innen. Mitmachen können dabei alle, spezielle Vorkenntnisse sind nicht notwendig. Im Mai und Juni suchen wir engagierte Helfer*innen für die Erfassung der Waldschnepfenbalz.

Zwischen 1. Mai und 30. Juni wird an zwei frei wählbaren Terminen während der Abenddämmerung kartiert. Stationär an einem geeigneten Beobachtungspunkt (Waldlichtung, Waldweg) wird die Balzaktivität der männlichen Waldschnepfen für 75 Minuten verhört/beobachtet und dokumentiert. Jede vorbeifliegende Waldschnepfe und jeder Ruf wird mit der genauen Uhrzeit im Erfassungsbogen vermerkt.
Anleitung und Unterlagen

 

Die Anmeldung zur Kartierung 2022 ist abgeschlossen. 

Auch außerhalb der Balz sind wir an Waldschnepfen-Beobachtungen interessiert. Sie haben eine Waldschnepfe gesehen oder Federn gefunden? Teilen Sie uns Ihre Beobachtung unter Angabe von Datum und Uhrzeit, sowie dem genauen Ort der Sichtung mit.

Sichtung melden

Bioakustik

Neben der citizen sciene-Kartierung der Balz untersucht die FVA die Bioakustik als weitere Methoden zur Erfassung der Waldschnepfe. 
Die Bioakustik nutzt akustische Signale die von Organismen produziert werden, um mehr über ihre Biologie zu erfahren. Ob zwitschernde Vögel, zirpende Grille oder singende Wale; viele Arten nutzen Schall zur Kommunikation. Bei einem bioakustischen Monitoring werden diese Signale mit autonomen Audiorecordern aufgezeichnet. Diese können über mehrere Monate unbeaufsichtigt Audioaufnahmen erstellen, später werden die Aufnahmen am PC analysiert. Mit dieser Methode können vielfältige Fragen untersucht werden.

  • Kommt die gesuchte Art am Standort vor?
  • Wo liegt  das Verbreitungsgebiet der Art?
  • Wie bewegt sich die Art im Raum?
  • Welche zeitliche Variation gibt es bei Aktivität oder Artvorkommen?

Wird die Erfassung über mehrere Jahre durchgeführt, lassen sich Trends der genannten Aspekte untersuchen; also Änderungen beim Verbreitungsgebiet der Art oder bei der Zahl der besetzten Standorte.

 

Bevor diese Dinge in einem Monitoring überwacht werden, müssen zunächst die technischen Voraussetzungen geschaffen und untersucht werden. Für die Waldschnepfe geschieht das im Projekt Methodenentwicklung für das Waldschnepfenmonitoring in Baden-Württemberg. Genutzt werden Aufnahmegeräte des Typs AudioMoth (Open Acoustic Devices). Spezifisch für diesen Gerätetyp und den Balzgesang der Waldschnepfe ist die maximale Reichweite der Recorder in Abhängigkeit von der Vegetationshöhe bestimmt worden. Außerdem wird untersucht, ob die Ergebnisse der bioakustischen Erfassung mit denen der regulären Kartierungen vergleichbar sind.


In einem letzten Schritt muss die automatisierte Analyse der Aufnahmen etabliert werden. Um den Balzgesang aus der Vielzahl an Geräuschen herauszufiltern, wird das neuronale Netz BirdNET (TU Chemnitz, Cornell Lab for Ornithology), eingesetzt. Unter Verwendung händisch analysierter Aufnahmen wird die Zuverlässigkeit und die Erfolgsquote der automatisierten Erkennung evaluiert.

Die aktuellen Zwischenergebnisse zeigen, dass sich die Bioakustik prinzipiell für die Erfassung der Waldschnepfe eignet. Unter bestimmten Voraussetzungen wird das "Puitzen" vom Recorder ähnlich gut registriert, wie vom menschlichen Ohr.