Rissverdacht oder Hinweise zu Luchs & Wolf

Sie haben einen Riss mit Verdacht auf Luchs oder Wolf bzw. Sichtungen, Fährten oder Losungen die auf Luchs oder Wolf hindeuten könnten?

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    Aktuelles

    Zwei Nachweise eines weiblichen Wolfes im Münstertal im Südschwarzwald (Januar 2023)

    Bericht vom 01.02.2023: Am 06.01.23 wurden auf Gemeindeebene Münstertal im Schwarzwald sechs tote Ziegen und am 09.01.23 eine weitere tote Ziege gemeldet.
    Die genetischen Untersuchungen von Abstrichproben am Senckenberg Zentrum für Wildtiergenetik konnten nun in beiden Fällen denselben Wolf als Verursacher identifizieren.

    Bei diesem Wolf handelt es sich um ein weibliches Tier und somit um den Erstnachweis einer Wolfsfähe in Baden-Württemberg, seit im Jahr 2000 erstmals wieder ein Wolfspaar in Deutschland Welpen zur Welt gebracht hat.

    Die Fähe trägt die wissenschaftlichen Bezeichnung GW2407f (Haplotyp HW01) und war bereits in der länderübergreifenden Datenbank am Senckenberg-Zentrum registriert. Das Wildtier ist vermutlich 2021 in Billenhagen (Mecklenburg-Vorpommern) auf die Welt gekommen. Ob sich die Fähe noch im Breisgau-Hochschwarzwald aufhält oder schon weitergezogen ist, ist aktuell nicht bekannt. Das müssten weitere genetische Monitoring-Ergebnisse, beispielsweise durch Kot oder Risse, zeigen.

    Eine fachliche Bewertung der FVA mit weiteren Hintergründen können sie der Presseinformation entnehmen.

    Monitoring Luchs und Wolf

    Die FVA ist durch das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz mit dem Monitoring von Luchsen und durch das Umweltministerium mit dem Monitoring von Wölfen in Baden-Württemberg beauftragt. Das Team Luchs- und Wolfsmonitoring nimmt Hinweise zur Präsenz von großen Beutegreifern entgegen, dokumentiert und bewertet diese. Die Hinweise werden durch erfahrene Personen in Zusammenarbeit mit dem zuständigen Wildtierbeauftragten überprüft. Auf Basis dieser Daten werden das Vorkommen und die Verbreitung von Luchs und Wolf in Baden-Württemberg dokumentiert.

    Das Umweltministerium Baden-Württemberg veröffentlicht aktuelle Nachweise zum Wolf.

    Derzeit (Monitoringjahr 2021/2022) gelten in Baden-Württemberg drei Wölfe als sesshaft oder „territorial“. Eine Einstufung erfolgt nach den bundeseinheitlichen Monitoringstandards des BfN. Die drei männlichen Einzelwölfe haben ihre Territorien alle im Schwarzwald.

    Seit im Jahr 2015 der erste Wolf in Baden-Württemberg nachgewiesen werden konnte, wurden weitere Individuen erfasst. Die Wölfe stammen aus unterschiedlichen Regionen und Populationen. 

    Tab. 1: Genetisch identifizierte Wölfe, die bisher in Baden-Württemberg nachgewiesen wurden (Stand: Januar 2023). Quelle: FVA

    Das Bundesamt für Naturschutz veröffentlicht jedes Jahr die Ergebnisse des Monitorings.

    Genetische Proben aus dem Wolfs- und Luchsmonitoring der FVA werden am Senckenberg Institut untersucht.

    Die Daten zum aktuellen Monitoringjahr sind vorläufig und können sich je nach aktuellem Kenntnisstand ändern. Zum Teil haben die Meldungen zu neuen Vorkommen auch rückwirkende Konsequenzen für vorangegangene Monitoringjahre (Karte und Daten werden bereitgestellt von der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf, DBBW).

    Monitoringmethoden

    Die FVA dokumentiert und überprüft dabei jegliche Hinweise wie Sichtungen, Fotofallenbilder, Losungsfunde, Risse, Fährten et cetera. Hinweise aus der Bevölkerung sind ein wertvoller Bestandteil des Monitorings.

    Dabei ist die Prüfung und Bewertung der Hinweise anhand fester Fachkriterien, den international anerkannten SCALP-Kriterien, unerlässlich:

    „Eindeutiger Nachweis“, „bestätigter Hinweis“ oder „unbestätigter Hinweis“ (siehe unten). Außerdem gibt es Negativmeldungen, also Hinweise, die nachweislich nicht auf einen Wolf oder Luchs zurückzuführen sind, sowie „kBm“, Fälle bei denen aufgrund mangelnder Indizienlage und unzureichender Information keine Bewertung möglich ist (z.B. Risse oder Totfunde, die für eine Bewertung zu alt sind).

    Neben dem passivem Monitoring, der Aufnahme von zufälligen Hinweisen, die aus der Bevölkerung kommen, wird auch aktives Monitoring durchgeführt. Hierzu zählt das Fotofallenmonitoring (z.B. im Fördergebiet Schwarzwald) sowie der Einsatz von Artenspürhunden.

    Die gewonnenen Daten werden nur mit räumlicher Unschärfe veröffentlicht. Zum Schutz der Wildtiere, aber auch von den Melderinnen und Meldern, werden von der FVA keine genauen Standorte, sondern nur die Gemeinde bekannt gegeben, in der ein Nachweis gefunden worden ist.

    SCALP-Kriterien

    • C1 (eindeutiger Nachweis): „hard facts“ wie Totfunde, Fotos, Fang oder genetische Nachweise
    • C2 (bestätigter Hinweis): von Experten überprüfte und bestätigte Hinweise wie Risse, Haare, Kotfunde oder Trittsiegel
    • C3 (unbestätigter Hinweis): alle Beobachtungen und Lautäußerungen sowie von der Allgemeinheit gemeldete Risse, Haare, Kotfunde oder Trittsiegel, die nicht von Experten überprüft werden konnten
    • Negativ: Luchs oder Wolf kann als Verursacher ausgeschlossen werden
    • k.B.m. (Keine Bewertung möglich): Hinweise zu denen aufgrund fehlender Mindestinformationen keine Einschätzung möglich ist.

    Das passive Monitoring beschreibt die Erfassung, Überprüfung und Bewertung von Hinweisen, die mit Verdacht auf Luchs oder Wolf aus der Bevölkerung gemeldet werden. Bei den Hinweisen handelt es sich überwiegend um Sichtungen, Risse, Fotos, Losungen, Fährten und Totfunden.

    Je nach Hinweisart und Zeitpunkt der Meldung kommen verschiedene Methoden bei der Überprüfung zum Einsatz. In jedem Fall werden die Umstände der Meldung ausführlich mit den meldenden Personen besprochen und dokumentiert. Im Bedarfsfall werden Vor-Ort-Kontrollen durch den WTB und / oder durch die erfahrenen Personen der FVA durchgeführt. Die Hinweise werden nur auf Gemeindeebene bekannt gegeben.

    Diese Kontrollen werden wenn möglich mit den zuständigen Jagdausübungsberechtigten abgestimmt. Kann genetisches Material sichergestellt werden, wird dieses bei Bedarf zur Untersuchung an das nationale Referenzlabor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in Gelnhausen weitergegeben.
    Sind im Fall von tot aufgefundenen Wild- oder Nutztieren weitergehende pathologische Untersuchungen zielführend, so werden diese an einem der Chemischen- und Veterinäruntersuchungsämtern Baden-Württembergs (CVUA) durchgeführt.

    Hinweise bitte hier melden

    Das beschriebene passive Monitoring erfasst lediglich Hinweise, die von der Bevölkerung gemeldet werden. In Regionen, in denen Wölfe oder Luchse territorial vorkommen, kann ein zusätzliches, aktives Monitoring realisiert werden. Es wird in erster Linie durch die aktive Suche nach Hinweisen und den spezifischen Einsatz von Kamerafallen umgesetzt. Die FVA koordiniert das aktive Monitoring und arbeitet hierbei eng mit den zuständigen WTB und der Jägerschaft zusammen. Das aktive Monitoring ermöglicht eine Optimierung des Wildtiermanagements auf lokaler Ebene und generiert ein zusätzliches Wissen, welches über praktizierte Öffentlichkeitsarbeit auch der sachlichen Kommunikation zwischen Verbänden und Beteiligten zu Gute kommt. Weiterhin lassen sich umfangreiche Informationen wie beim Wolf beispielsweise zu Rudelanzahl, -abgrenzung, -größe und Reproduktionsnachweisen nur über ein aktives Monitoring generieren.

    Als besondere Maßnahmen des Monitorings können bei vorliegender Genehmigung durch die zuständigen Behörden einzelne Tiere gefangen und mit einem Halsbandsender ausgestattet werden.

    Dadurch lässt sich die Raumnutzung der Tiere sehr detailliert nachvollziehen.

    Der Halsbandsender am Luchs nimmt Kontakt zu Satelliten auf und bestimmt so seine Position in Form von GPS-Daten. Die Daten werden auf dem Halsband gespeichert und über eine integrierte SIM-Karte per Mobilfunknetz an eine Bodenstation verschickt. Die FVA kann dann direkt vom Computer aus auf diese Daten zugreifen.

    Freilassung des Luchses „Toni“ nach dessen Besenderung

    Weiterführende Informationen

    Links

    Weiterführende Informationen zum Monitoring, sowie zum Herdenschutz und zu menschlichen Konflikten um den Wolf finden Sie beim Infomaterial.

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