Rissverdacht oder Hinweise zu Luchs & Wolf
Sie haben einen Riss mit Verdacht auf Luchs oder Wolf bzw. Sichtungen, Fährten oder Losungen die auf Luchs oder Wolf hindeuten könnten?
Monitoring Luchs und Wolf
Die FVA ist durch das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz mit dem Monitoring von Luchsen und durch das Umweltministerium mit dem Monitoring von Wölfen in Baden-Württemberg beauftragt. Das Team Luchs- und Wolfsmonitoring nimmt Hinweise zur Präsenz von großen Beutegreifern entgegen, dokumentiert und bewertet diese. Die Hinweise werden durch erfahrene Personen in Zusammenarbeit mit dem zuständigen Wildtierbeauftragten überprüft. Auf Basis dieser Daten werden das Vorkommen und die Verbreitung von Luchs und Wolf in Baden-Württemberg dokumentiert.
Für Deutschland veröffentlicht das Bundesamt für Naturschutz jedes Jahr die Ergebnisse des Monitorings.
Aktuelles
Gemeinsamer Nachweis zweier Wölfe auf Gemeindeebene St. Blasien (Februar 2023)
23.02.2023: Eine Wildkamera auf Gemeindeebene St. Blasien im Landkreis Waldshut nahm am 13.02.2023 ein Foto auf, das zwei Wölfe zeigt.
Gemäß der Migrationsbiologie und des sozialen Verhaltens von Wölfen ist davon auszugehen, dass es sich bei den beiden fotografierten Tieren um ein Wolfspaar – also um einen Rüden und um eine Fähe handelt. Da zuvor im Schwarzwald lediglich einzelne territoriale Rüden bestätigt wurden, ist es wahrscheinlich, dass sich eine zugewanderte Wolfsfähe nun einem der Rüden angeschlossen hat. Mit einer dauerhaften Paarbildung und der Reproduktion im Jahr 2023 in dieser Region muss gerechnet werden.
Um welche Wölfe es sich bei den beiden Tieren handelt, kann nur über genetische Analysen von Wolfshinweisen in den kommenden Monaten näher untersucht werden. An Hand des Fotos ist keine individuelle Bestimmung der beiden Wölfe möglich.
Aufgrund der räumlichen Verteilung bisheriger genetischer Nachweise ist es wahrscheinlich, dass es sich bei einem der Wölfe um den territorialen Wolfsrüden GW1129m (Territorium Schluchsee) handelt. Ob es sich bei dem zweiten Tier um die im Januar auf Gemeindeebene Münstertal nachgewiesene Fähe GW2407f handelt, können nur weitere genetische Untersuchungen zeigen. Es ist nicht auszuschließen, dass es sich bei den Tieren auch um andere Individuen handelt.
Weitere Hintergründe können Sie der Presseinformation entnehmen.
Zwei Nachweise eines weiblichen Wolfes im Münstertal im Südschwarzwald (Januar 2023)
01.02.2023: Am 06.01.23 wurden auf Gemeindeebene Münstertal im Schwarzwald sechs tote Ziegen und am 09.01.23 eine weitere tote Ziege gemeldet.
Die genetischen Untersuchungen von Abstrichproben am Senckenberg Zentrum für Wildtiergenetik konnten nun in beiden Fällen denselben Wolf als Verursacher identifizieren.
Bei diesem Wolf handelt es sich um ein weibliches Tier und somit um den Erstnachweis einer Wolfsfähe in Baden-Württemberg, seit im Jahr 2000 erstmals wieder ein Wolfspaar in Deutschland Welpen zur Welt gebracht hat.
Die Fähe trägt die wissenschaftlichen Bezeichnung GW2407f (Haplotyp HW01) und war bereits in der länderübergreifenden Datenbank am Senckenberg-Zentrum registriert. Das Wildtier ist vermutlich 2021 in Billenhagen (Mecklenburg-Vorpommern) auf die Welt gekommen. Ob sich die Fähe noch im Breisgau-Hochschwarzwald aufhält oder schon weitergezogen ist, ist aktuell nicht bekannt. Das müssten weitere genetische Monitoring-Ergebnisse, beispielsweise durch Kot oder Risse, zeigen.
Eine fachliche Bewertung der FVA mit weiteren Hintergründen können sie der Presseinformation entnehmen.
Wolf
Das Umweltministerium Baden-Württemberg veröffentlicht aktuelle Nachweise zum Wolf.
Derzeit (Monitoringjahr 2021/2022) gelten in Baden-Württemberg drei Wölfe als sesshaft oder „territorial“. Eine Einstufung erfolgt nach den bundeseinheitlichen Monitoringstandards des BfN. Die drei männlichen Einzelwölfe haben ihre Territorien alle im Schwarzwald.
Seit im Jahr 2015 der erste Wolf in Baden-Württemberg nachgewiesen werden konnte, wurden weitere Individuen erfasst. Die Wölfe stammen aus unterschiedlichen Regionen und Populationen.
Die Daten zum aktuellen Monitoringjahr sind vorläufig und können sich je nach aktuellem Kenntnisstand ändern. Zum Teil haben die Meldungen zu neuen Vorkommen auch rückwirkende Konsequenzen für vorangegangene Monitoringjahre (Karte und Daten werden bereitgestellt von der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf, DBBW).
Luchs
Derzeit (Monitoringjahr 2021/2022) gelten in Baden-Württemberg fünf Luchse als sesshaft oder „territorial“. Eine Einstufung erfolgt nach den bundeseinheitlichen Monitoringstandards des BfN. Die fünf männlichen Luchse haben ihre Territorien im Schwarzwald, auf der Schwäbischen Alb und am Bodensee. Luchs „Lias“ und Luchs „Toni“ sind aktuell mit einem Senderhalsband ausgestattet.

Das Auftauchen, Bleiben und Absentieren von Luchsindividuen ändert sich stetig. Ein regelmäßiges Auftauchen zugewanderter Luchse, vorwiegend aus den Schweizer Vorkommen, konnte seit 2015 festgestellt werden. Seither wurden 16 Individuen unterschieden, fast ausschließlich männliche.

Zwei besenderte Luchse: Die wissenschaftliche Begleitung von Luchsen dient unter anderem der Erforschung ihrer Raum- und Beutetiernutzung. Welche Ergebnisse konnten FVA und die Jägerschaft im Nordschwarzwald und Oberen Donautal durch die besenderten Luchse gewinnen?
Neues aus der Luchsforschung (Artikel).
Informationen zur Biologie des Luchses sind auf dem Wildtierportal zu finden.
Monitoringmethoden
Hintergrund
Die FVA dokumentiert und überprüft dabei jegliche Hinweise wie Sichtungen, Fotofallenbilder, Losungsfunde, Risse, Fährten et cetera. Hinweise aus der Bevölkerung sind ein wertvoller Bestandteil des Monitorings.
Dabei ist die Prüfung und Bewertung der Hinweise anhand fester Fachkriterien, den international anerkannten SCALP-Kriterien, unerlässlich:
„Eindeutiger Nachweis“, „bestätigter Hinweis“ oder „unbestätigter Hinweis“ (siehe unten). Außerdem gibt es Negativmeldungen, also Hinweise, die nachweislich nicht auf einen Wolf oder Luchs zurückzuführen sind, sowie „kBm“, Fälle bei denen aufgrund mangelnder Indizienlage und unzureichender Information keine Bewertung möglich ist (z.B. Risse oder Totfunde, die für eine Bewertung zu alt sind).
Neben dem passivem Monitoring, der Aufnahme von zufälligen Hinweisen, die aus der Bevölkerung kommen, wird auch aktives Monitoring durchgeführt. Hierzu zählt das Fotofallenmonitoring (z.B. im Fördergebiet Schwarzwald) sowie der Einsatz von Artenspürhunden.
Die gewonnenen Daten werden nur mit räumlicher Unschärfe veröffentlicht. Zum Schutz der Wildtiere, aber auch von den Melderinnen und Meldern, werden von der FVA keine genauen Standorte, sondern nur die Gemeinde bekannt gegeben, in der ein Nachweis gefunden worden ist.
SCALP-Kriterien
- C1 (eindeutiger Nachweis): „hard facts“ wie Totfunde, Fotos, Fang oder genetische Nachweise
- C2 (bestätigter Hinweis): von Experten überprüfte und bestätigte Hinweise wie Risse, Haare, Kotfunde oder Trittsiegel
- C3 (unbestätigter Hinweis): alle Beobachtungen und Lautäußerungen sowie von der Allgemeinheit gemeldete Risse, Haare, Kotfunde oder Trittsiegel, die nicht von Experten überprüft werden konnten
- Negativ: Luchs oder Wolf kann als Verursacher ausgeschlossen werden
- k.B.m. (Keine Bewertung möglich): Hinweise zu denen aufgrund fehlender Mindestinformationen keine Einschätzung möglich ist.
Passives Monitoring
Das passive Monitoring beschreibt die Erfassung, Überprüfung und Bewertung von Hinweisen, die mit Verdacht auf Luchs oder Wolf aus der Bevölkerung gemeldet werden. Bei den Hinweisen handelt es sich überwiegend um Sichtungen, Risse, Fotos, Losungen, Fährten und Totfunden.
Je nach Hinweisart und Zeitpunkt der Meldung kommen verschiedene Methoden bei der Überprüfung zum Einsatz. In jedem Fall werden die Umstände der Meldung ausführlich mit den meldenden Personen besprochen und dokumentiert. Im Bedarfsfall werden Vor-Ort-Kontrollen durch den WTB und / oder durch die erfahrenen Personen der FVA durchgeführt. Die Hinweise werden nur auf Gemeindeebene bekannt gegeben.
Diese Kontrollen werden wenn möglich mit den zuständigen Jagdausübungsberechtigten abgestimmt. Kann genetisches Material sichergestellt werden, wird dieses bei Bedarf zur Untersuchung an das nationale Referenzlabor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in Gelnhausen weitergegeben.
Sind im Fall von tot aufgefundenen Wild- oder Nutztieren weitergehende pathologische Untersuchungen zielführend, so werden diese an einem der Chemischen- und Veterinäruntersuchungsämtern Baden-Württembergs (CVUA) durchgeführt.
Aktives Monitoring
Das beschriebene passive Monitoring erfasst lediglich Hinweise, die von der Bevölkerung gemeldet werden. In Regionen, in denen Wölfe oder Luchse territorial vorkommen, kann ein zusätzliches, aktives Monitoring realisiert werden. Es wird in erster Linie durch die aktive Suche nach Hinweisen und den spezifischen Einsatz von Kamerafallen umgesetzt. Die FVA koordiniert das aktive Monitoring und arbeitet hierbei eng mit den zuständigen WTB und der Jägerschaft zusammen. Das aktive Monitoring ermöglicht eine Optimierung des Wildtiermanagements auf lokaler Ebene und generiert ein zusätzliches Wissen, welches über praktizierte Öffentlichkeitsarbeit auch der sachlichen Kommunikation zwischen Verbänden und Beteiligten zu Gute kommt. Weiterhin lassen sich umfangreiche Informationen wie beim Wolf beispielsweise zu Rudelanzahl, -abgrenzung, -größe und Reproduktionsnachweisen nur über ein aktives Monitoring generieren.
Telemetrie

Der Halsbandsender am Luchs nimmt Kontakt zu Satelliten auf und bestimmt so seine Position in Form von GPS-Daten. Die Daten werden auf dem Halsband gespeichert und über eine integrierte SIM-Karte per Mobilfunknetz an eine Bodenstation verschickt. Die FVA kann dann direkt vom Computer aus auf diese Daten zugreifen.
Freilassung des Luchses „Toni“ nach dessen Besenderung
Weiterführende Informationen
Links
Weiterführende Informationen zum Monitoring, sowie zum Herdenschutz und zu menschlichen Konflikten um den Wolf finden Sie beim Infomaterial.