Baumarten mit Zukunft: Eichen, Zedern oder gar die Trollinger-Douglasie?

Projekt 1696: Versuchsanbauten zur Identifikation zukunftsfähiger Baumarten

Wenn sich das Klima wandelt, dann wandelt sich (zwangsläufig) auch der Wald und die darin vorkommenden Baumarten. Heute stellt sich die Frage, ob sich die uns vertrauten Baumarten diesem Wandel anpassen können, oder nicht weitere, anpassungsfähige Baumarten nötig sind, um die Wälder für die klimatische Zukunft fit zu machen.

Fragestellung

Welche Baumarten werden in Zukunft trotz des Klimawandels im Wald überleben? Um das herauszufinden, pflanzen wir Versuchsflächen mit alternativen Baumarten aus verschiedenen Herkunftsländern. So bekommen wir praktische Einblicke in den Wald der Zukunft, indem wir potenziell zukunftsfähige Baumarten und geeignete Herkunftsorte identifizieren.

Vorgehensweise

Literaturstudien und Verbreitungsmodellierungen bilden die ersten, wichtigen Schritte dieser Suche. Allerdings wusste schon Goethe: Grau ist alle Theorie! Sinngemäß gilt das für "neue" anpassungsfähige Baumarten. Erst nach erfolgreicher Erprobung im praktischen Anbauversuch ist die Suche abgeschlossen. Genau darum geht es bei diesem Projekt: Um die Erprobung einer Auswahl aussichtsreicher Kandidaten in wissenschaftlich begleiteten Vergleichsanbauten.

Kandidaten anpassungsfähiger "neuer" Baumarten:
Baumhasel (links, ©Seho), Zeder (Mitte, ©Seho) – oder womöglich gar die Trollinger-Douglasie? (rechts, ©Kohnle)

Projektziel

Ziel des Projekts ist die Anlage langfristig beobachteter Versuchsflächen mit Vergleichsanbauten verschiedener Kandidaten für "neue", anpassungsfähige Baumarten. Nach erfolgreicher Anlage werden diese dann als Teil des Netzwerks langfristiger Versuchsflächen der FVA betreut und nach wissenschaftlichen Standards gemessen und beobachtet. Die Auswahl der vorgesehenen Kandidaten basiert auf dem aktuellen Stand von Literaturstudien, Modellierungen und – soweit schon vorhanden – bestehenden Praxiserfahrungen. Ins Auge gefasst sind derzeit folgende thematischen Serien:

  • Eichenarten:
    z.B. Flaumeiche, Ungarische Eiche, Zerreiche oder Steineiche
  • Seltene/ungewöhnliche heimische Laubbaumarten:
    z.B. Winterlinde, Spitzahorn, Hainbuche, Elsbeere
  • Nicht-heimische Laubbaumarten:
    z.B. Baumhasel, Tulpenbaum, Orientbuche
  • Nadelbaumarten:
    z.B. Atlas- & Libanon-Zeder, Nordmann- & Bornmüller-Tanne, Ponderosakiefer

An jedem Versuchsort wird zusätzlich zu den jeweiligen "neuen" Kandidat-Baumarten eine etablierte Baumart als Referenz angepflanzt, mit der umfangreiche Erfahrungen vorliegen und die eine gewisse Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel versprechen. Bei den Laubbäumen ist dies im Regelfall Traubeneiche, bei den Nadelbäumen Douglasie.

Versuchsflächen für Mischbestände mit klimaresistenten Baumarten

Ein Interview mit Andreas Ehring

Wie passt Ihr Projekt in die Thematik des Notfallplans für den Wald des Landes Baden-Württemberg?

Andreas Ehring: „Wir untersuchen, wie verschiedene Baumarten mit den zu erwartenden Klimaveränderungen zurechtkommen. Auf dieser Versuchsfläche erproben wir sowohl heimische Baumarten, wie die Traubeneiche und Hainbuche, als auch nicht-heimische Baumarten von innerhalb und außerhalb Europas wie Baumhasel und Libanonzeder oder die Douglasie und Atlas-Zeder. Wir wollen ganz besonders die heimischen Baumarten betrachten, von denen wir eine gute Klimaanpassungsfähigkeit erwarten. Leider haben wir Waldbestände, in denen heimische Baumarten großflächig ausfallen – zusätzlich zum Trockenstress auch wegen Krankheiten wie z.B. dem Eschentriebsterben oder auch der Ahorn-Rußrindenkrankheit. An diesen Orten versuchen wir auch nicht-heimische Baumarten einzubringen, von denen wir denken, dass sie mit der erwartenden Klimaveränderung zurechtkommen.“

Was ist der aktuelle Stand des Projektes?

Ehring: „Aktuell haben wir eine ganze Reihe von Flächen begründet, sowohl mit Laubbäumen als auch mit Nadelbäumen. Hier sehen wir z.B. das Douglasienversuchsfeld. Zur Zeit steht auf diesen Versuchsflächen die sogenannte Kultursicherung an, d.h. die Begleitvegetation, die die gepflanzten Bäume zu stark bedrängt, wird zurückgeschnitten. Zusätzlich werden wir noch weitere Flächen anlegen mit verschiedenen Eichenarten und anderen Laubholzarten.“

Gibt es spezielle Herausforderungen? Wie gehen Sie damit um?

Ehring: „Die große Herausforderung bei diesem Projekt ist zu entscheiden, welche Baumarten wir zusätzlich zu den heimischen Baumarten noch integrieren. Dafür greifen wir zum einen auf Literatur zurück und arbeiten mit anderen forstlichen Versuchsanstalten und Universitäten zusammen. In Bezug auf die Versuchsflächen kooperieren wir eng mit dem Amt für Waldgenetik in Bayern. Über sie konnten wir einen erheblichen Anteil von Baumhasel- und Zedernpflanzen beziehen, welche im freien Markt nicht erhältlich gewesen wären. Bei der Auswahl der nicht heimischen Baumarten haben wir drei wichtige Kriterien beachtet: Zum einen sollten in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet bereits heute vergleichbare klimatische Situationen herrschen wie sie bei uns in etwa 100 Jahren erwartet werden. Zum anderen sollten sich die nicht heimischen Baumarten gut mit unseren heimischen Baumarten in Mischwäldern integrieren lassen. Darüber hinaus legen wir großen Wert darauf, dass das Holz dieser Baumarten auch sinnvoll verwendet werden kann.“

Inwiefern profitieren Waldbesitzende und Waldbewirtschaftende von Ihren Forschungsergebnissen?

Ehring: „Die Waldbesitzenden, sei es im Kommunal-, Privat-,oder Staatswald, wollen die Ergebnisse aus diesem Projekt natürlich schnell bekommen, um diese auf ihren Flächen umzusetzen. Da müssen sie sich aber noch ein wenig gedulden, da wir im Moment nur eine Aussage über die Kulturphase der Versuchsflächen machen können. Die drei ersten Jahre seit der Bepflanzung sind sehr erfreulich verlaufen, da die starke Hitze in den letzten beiden Jahren und der vermehrte Niederschlag in diesem Jahr von den Bäumen gut vertragen wurde. Wie die unterschiedlichen Baumarten aber langfristig mit den Klimaveränderungen zurechtkommen – die Bäume werden ja 100 Jahre oder älter – kann man dann abschließend erst zu einem späteren Zeitpunkt sagen. Bei Bäumen, die wir schon länger untersuchen, wie z.B. die Douglasie oder auch die Schwarznuss oder Roteiche können wir natürlich schon zum jetzigen Zeitpunkt Empfehlungen aussprechen.“

Viele Waldbesitzende entscheiden sich Baumhasel anzubauen. Würden Sie diese Entscheidung befürworten?

Ehring: „Ich persönlich würde in meinem Privatwald auch vereinzelt Baumhasel anbauen. Sie kommt ursprünglich aus Südosteuropa, also einem trocken/warmen Gebiet und ihr Holz ist sehr wertvoll. Man nennt es auch Rosenholz. Es wurde häufig in Schlössern und herrschaftlichen Häusern vor allem in Österreich entlang der Donau verbaut. Man muss aber durchaus wissen, dass ein gewisses Restrisiko beim Anbau von Baumhasel besteht. Das Risiko besteht darin, dass in Baden-Württemberg unsere ältesten Waldbestände mit Baumhaseln erst etwa 30 Jahre alt sind und wir noch nicht wissen, wie die Gefahr des Befalls mit Pilzen, Insekten oder sonstigen Schadorganismen langfristig einzustufen ist. Ältere Einzelbäume gibt es nur in Parkanlagen oder als Straßenbäume.“

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