Pilot-Umsetzung des "Natura 2000-Gebietsmanagements Wald"
FVA BW/Schabel
Spanische Flagge
Das seit 2018 entwickelte Beratungskonzept des "Natura 2000-Gebietsmanagements Wald" wird seit Juli 2023 beispielhaft in vier Unteren Forstbehörden (UFBen) und seit Juli 2025 in vier weiteren UFBen des Landes implementiert. Dafür werden in dieser Pilotphase an den acht zuständigen UFBen aus Mitteln der Waldstrategie "Waldnaturschutzberaterinnen und -berater" (WNS-Beraterinnen/Berater) eingesetzt, welche das Konzept im Echtbetrieb umsetzen. Hierzu beraten sie die in den Natura-Gebieten ansässigen Forstbetriebe zum Erhaltungsmanagement der vorkommenden Schutzgüter.
Das FVA-Projekt zum "Betriebsübergreifenden Management der Wälder in Natura 2000-Gebieten" wird durch das Sonderprogramm des Landes zur Stärkung der biologischen Vielfalt gefördert. Wesentlicher Inhalt ist die Entwicklung des Konzeptes "Natura 2000-Gebietsmanagement Wald". Mit diesem neuen Planungs- und Steuerungsinstrument möchte die Landesforstverwaltung die Waldbesitzenden in der Umsetzung der Natura 2000-Managementpläne im Wald unterstützen.
Beratung zu Natura 2000 und Waldnaturschutz
Den Kern bildet hierbei ein Beratungsangebot für die Forstbetriebe durch naturschutzfachlich wie forstbetrieblich kompetente Ansprechpersonen auf Kreisebene. Diese den Unteren Forstbehörden (UFB) zugeordneten „Waldnaturschutzberaterinnen und -berater“ sind über die Beratung zum Natura 2000-Erhaltungsmanagement hinaus auch mit allen weiteren Fragen des Waldnaturschutzes auf regionaler Ebene betraut. Hinsichtlich des Gebietsmanagements Wald steuern sie die betrieblichen Interessen mit den Anforderungen aus dem Erhaltungsmanagement auf Natura 2000-Gebietsebene aus. Dafür führen sie eine gebietsspezifische Schwerpunktsetzung mittels eines Ansatzes zur Priorisierung der Dringlichkeiten im Erhaltungsmanagement sowie Zuordnung betrieblicher Verantwortlichkeiten für die einzelnen Schutzgüter durch. Anschließend werden die Erhaltungsmaßnahmen der Managementpläne räumlich und inhaltlich im Rahmen einzel- wie auch überbetrieblicher Beratung konkretisiert. Die Beratung zu Fördermöglichkeiten spielt dabei eine entscheidende Rolle.
Vorteile der Koordination auf Gebietsebene
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Hirschkäfer
Das Erhaltungsmanagement überbetrieblich zu koordinieren, indem sämtliche Betriebe mit schutzgutspezifischer Verantwortlichkeit gemeinsam beraten werden, birgt große Potentiale für effiziente Maßnahmen zur Erreichung der Erhaltungsziele und gleichzeitig für erweiterte, weil kooperative Handlungsspielräume der Akteure auf Gebietsebene.
Durch die Beratung und die ausgesteuerte Maßnahmenumsetzung durch die Forstbetriebe wird die Natura 2000-konforme Bewirtschaftung der Wälder auf Gebietsebene gewährleistet.
Die Naturschutzverwaltung wird intensiv in das Gebietsmanagement Wald einbezogen, indem die Abstimmung über gebietsspezifische Handlungsschwerpunkte vorgenommen und der regelmäßige Austausch mit der Unteren Naturschutzbehörde gesucht wird. Die Expertise ehrenamtlicher Arten- und Biotopspezialist/-innen wird ebenfalls aktiv eingebunden.
Stärkung der Biodiversität
Durch die lokale Konkretisierung der Anforderungen aus dem Erhaltungsmanagement und die effiziente Unterstützung werden die Akzeptanz und der Mitwirkungswille der Landnutzenden am Natura 2000-Management gesteigert. Durch die hohe Flächenwirksamkeit des Konzepts - Wald kommt in ca. 90 % der Natura 2000-Gebiete vor - wird eine deutliche Stärkung der Biodiversität erwartet. Das Land wird durch das Gebietsmanagement Wald in die Lage versetzt, den aktuellen und zukünftig eher noch steigenden Anforderungen an das Natura 2000-Management auf Gebietsebene (vgl. EU-Biodiversitätsstrategie 2030) gerecht zu werden.
Waldstrategie ermöglicht Pilotphase des Gebietsmanagements Wald
Über die Waldstrategie des Landes werden an acht ausgewählten Unteren Forstbehörden die funktionalisierte Natura 2000-Beratung durch die Einsetzung von WNS-Beraterinnen und -berater in einer Pilotphase umgesetzt. Diese Pilotumsetzung (vorgesehen bis Juni 2027) ermöglicht es, das Konzept des Gebietsmanagements Wald im Echtbetrieb zu erproben. Um die unterschiedlichen naturräumlichen Rahmenbedingungen abzudecken, wurden in jedem Regierungsbezirk des Landes Pilot-UFBen und in deren Zuständigkeitsbereich jeweils ein FFH-Gebiet ausgesucht, das in manchen Fällen auch (teilweise) von einem Vogelschutzgebiet überlagert wird.
Die folgende Tabelle zeigt die Pilot-UFB und die ausgewählten Schutzgebiete:
| Regierungs-bezirk | Untere Forstbehörde | FFH-Gebiet | WNS-Beraterin, WNS-Berater |
|---|---|---|---|
| Freiburg | Ortenaukreis | Östliches Hanauer Land | Holger von Elling, Rosanna Scriba |
| Freiburg | Breisgau-Hochschwarzwald | Auswahl noch nicht final abgeschlossen | Jasmin Breithut, Lutz Johannßen |
| Karlsruhe | Rastatt | Unteres Murgtal und Seitentäler | Benedikt Falk |
| Karlsruhe | Enzkreis | Auswahl noch nicht final abgeschlossen | Sarah Zwerenz |
| Karlsruhe | Neckar-Odenwald-Kreis | Neckartal und Wald Obrigheim | Markus Volk |
| Stuttgart | Heilbronn | Untere Jagst und Unterer Kocher | Thomas Papp-Váry |
| Tübingen | Sigmaringen | Oberes Donautal zwischen Beuron und Sigmaringen | Thomas Kuß, Jonas Girlach |
| Tübingen | Reutlingen | Uracher Talspinne | Lene Baumann, Felix Grunewald |
Aus der Pilotumsetzung werden zielführende Hinweise für die ab 2025 angestrebte landesweite Implementierung des Gebietsmanagements Wald erwartet. Die Rückschlüsse aus der Erprobung im Echtbetrieb werden die Optimierung des Verfahrens für dessen flächendeckende Einführung und somit für seine Übertragbarkeit maßgeblich unterstützen.
Die FVA wird die Arbeit der WNS-Beraterinnen und -berater in der Pilotphase unterstützen, sowohl über ein Schulungsprogramm, wie auch durch deren enge Begleitung in der Beratung der Forstbetriebe zum Natura 2000-Erhaltungsmanagement.